Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Flugchaos in Europa: Deutscher Luftraum bleibt bis Sonntag geschlossen

Die Deutsche Flugsicherung hat die Sperre des Luftraums verlängert: Bis Sonntag 2 Uhr wird es deutschlandweit keine Starts und Landungen geben. Zehntausende Passagiere sind betroffen - auch die Bundeskanzlerin kann weiterhin nicht in Deutschland landen.

Stillstand im Flugverkehr: Das lange Warten Fotos
Getty Images

Hamburg - Nach der Auswertung aktueller Wetterdaten hat die Deutsche Flugsicherung (DFS) entschieden, den Luftraum über Deutschland bis 2 Uhr am Sonntag zu sperren. Das sagte ein Sprecher der Flugsicherung in Langen SPIEGEL ONLINE. Die für die Flugzeugturbinen gefährliche Aschewolke habe sich weiter über Deutschland ausgebreitet, so dass nicht mit einer Entspannung zu rechnen sei.

Am Düsseldorfer Flughafen wird sogar bis mindestens 6 Uhr am Sonntag kein Flugbetrieb stattfinden, in Hamburg wurde die Sperre bis Sonntagnachmittag um 14 Uhr verlängert. Betroffen seien allein dort laut einer Sprecherin insgesamt 297 Starts und Landungen und rund 25.000 Passagiere. In der Schweiz, in Österreich, Großbritannien, Belgien sowie im Norden Italiens sind Airports bis zunächst mindestens Samstagabend gesperrt. Insgesamt treffen die Folgen dieser beispiellosen Situation Hunderttausende Reisende.

Die Wolke hängt wie eine gespreizte Zange über Skandinavien und Mitteleuropa und schiebt sich weiter in Richtung Südosten. Nur über Litauen, Lettland und Weißrussland war noch eine Lücke. Im Süden waren am Samstagmittag nur noch Portugal, Spanien, Mittel- und Süditalien, Teile des Balkans, Griechenland und ein schmaler Gürtel an der Schwarzmeer-Region nicht von Luftraumsperrungen betroffen, wie die EU-Luftsicherheitsbehörde Eurocontrol berichtete.

In einigen Gebieten Europas ist der obere Luftraum zwar prinzipiell offen, je nachdem wie hoch sich die Asche gerade verwirbelt. Dieser Luftraum ist wegen der geschlossenen umliegenden Gebiete aber meistens nicht erreichbar.

Merkel kann nicht nach Deutschland

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kann wegen der Aschewolke weiterhin nicht in Deutschland landen. Sie fliege von Lissabon zunächst nach Rom, hieß es am Samstagvormittag in Regierungskreisen. Wie die Kanzlerin dann weiterreist, war noch unklar. Merkel hatte am Freitag auf ihrer Rückreise aus den USA einen Zwischenstopp in der portugiesischen Hauptstadt einlegen müssen, weil der Luftraum gesperrt war. Offen war auch noch, wie Merkel, Außenminister Guido Westerwelle (FDP) und Bundespräsident Horst Köhler an diesem Sonntag zur Trauerfeier für Polens Präsident Lech Kaczynski und seine Frau reisen.

Die Überführung der vier in Afghanistan getöteten Bundeswehrsoldaten verschiebt sich wegen der Aschewolke über Europa vermutlich auf Montag. Das Flugzeug, das die Toten und Generalinspekteur Volker Wieker abholen solle, könne wahrscheinlich erst am Sonntag starten, sagte ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums am Samstag in Berlin. Die Trauerfeier in Masar-i-Scharif für die Gefallenen werde daher wohl ebenfalls erst am Montag stattfinden.

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und die fünf bei einem Anschlag in Afghanistan verwundeten Soldaten sitzen noch in Istanbul fest. Sie waren am Freitag in einem speziell für Verletztentransporte ausgestatteten Medevac-Airbus vom Hindukusch gestartet, konnten wegen der Aschewolke aber nicht nach Deutschland zurückkehren. In Istanbul werden die Verletzten in einem amerikanischen Militärhospital versorgt. Ob sie am Samstag noch weiterfliegen können, ist unklar.

Weniger als ein Drittel der Flüge findet statt

Die Flugsicherungsbehörde Eurocontrol teilte mit, man erwarte, dass in Europa am Samstag nur etwa 6000 Flüge stattfinden werden. Normal seien etwa 22.000, damit würden mehr als zwei Drittel aller Flüge ausfallen. Man rechne nach den Vorhersagen der Meteorologen damit, dass die Störungen für den Luftverkehr noch mindestens 24 Stunden anhalten. In den meisten Teilen Nord- und Mitteleuropas seien für zivile Maschinen keine Starts oder Landungen möglich. Am Freitag fanden nach den Angaben 10.400 Flüge statt - anstelle der für einen Freitag üblichen 29.000.

Die Deutsche Flugsicherung befürchtet nach eigenen Angaben, dass die Sperrung des Luftraums über den internationalen Flughäfen Deutschlands insgesamt bis Sonntagmittag verlängert werden muss. Darüber sollte aber erst zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werden.

Die Wetterlage verspricht jedoch bislang keine Aussicht auf rasche Entspannung der Situation. Deutschland befinde sich mitten in einem Hochdruckgebiet, das von den Azoren nach Mitteleuropa reiche, sagte Helmut Malewski vom Deutschen Wetterdienst in Offenbach. Die Aschewolke werde daher weder durch Luftbewegungen verteilt, noch durch Regen ausgewaschen.

Zwar gerate Deutschland zu Wochenbeginn zunehmend unter Tiefdruckeinfluss. Die Nordwestströmung, die die Asche momentan von Island nach Mitteleuropa leitet, wird dem Meteorologen zufolge jedoch auch in der nächsten Woche anhalten.

Keine wesentliche Veränderung seit Freitag

"Die Situation hat sich gegenüber Freitag nicht wesentlich verändert", sagte Eurocontrol-Sprecher Kenneth Thomas. Die gefährliche Zone der Aschewolke sei "lediglich ein wenig nach Süden und Osten gezogen". Offen für Flüge blieb am Samstag der Süden des Kontinents, von Portugal über Spanien, Südfrankreich, Süditalien, den südlichen Balkan und Länder noch weiter im Süden. Derzeit deute nichts darauf hin, dass sich die Situation bis zum Sonntag verändern werde, sagte Thomas.

Alle 16 internationalen deutschen Flughäfen und die Regionalflughäfen sind derzeit geschlossen. Der Gletschervulkan stieß auch am Samstag weiter eine gewaltige Säule mit Rauch und Asche in die Atmosphäre. Wie das Meteorologische Institut in Reykjavik mitteilte, wurden in der Nacht keine Veränderungen der Aktivitäten unter dem Eyjafjallajökull-Gletscher beobachtet.

sto/APD/dpa/Reuters/ddp

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
zum Forum...
Sagen Sie Ihre Meinung!

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fotostrecke
Grafiken und Satellitenbilder: Aschewolke über Europa

Infos zum Flugverkehr und Reiseveranstalter
Aktuelle Informationen über Verspätungen und Flugausfälle geben die Flughäfen auf ihren Websites bekannt. Zur aktuellen Lage nach dem isländischen Vulkanausbruch ist eine Hotline der Flughäfen eingerichtet: 0180/5000186

Berliner Flughäfen
Flughafen Bremen
Flughafen Dresden
Flughafen Düsseldorf
Flughafen Erfurt
Flughafen Frankfurt
Flughafen Friedrichshafen
Flughafen Hamburg
Flughafen Hannover
Flughafen Köln/Bonn
Flughafen Leipzig/Halle
Flughafen München
Flughafen Münster/Osnabrück
Flughafen Nürnberg
Flughafen Paderborn
Flughafen Saarbrücken
Flughafen Stuttgart
Aktuelle Informationen über Verspätungen und Flugausfälle geben die Airlines auf diesen Websites bekannt:

Air Berlin: Hotline 0800 5737 8000 Air France
British Airways
Condor
Germanwings
Iberia
Lufthansa: Hotline 0800-8506070
Ryanair
SAS Scandinavian Airlines
Southwest Airlines
Tuifly
United Airlines
Zur aktuellen Lage nach dem isländischen Vulkanausbruch haben die Veranstalter Hotlines eingerichtet:
Tui: 0511-5678 000
FTI: 089-2525 1000
Alltours: 0203-3636360 oder 0203-3636500
Air Berlin: 0800-5737 8000
Dertour, Meier's Weltreisen, ADAC Reisen: 069-9588 2770
ITS, Jahn Reisen, Tjaereborg: 02203-42875
Neckermann Reisen und Thomas Cook Reisen: 06171-6565 190
Bucher Last Minute und Air Marin: 02132-93080
Öger Tours: 01805-35 10 35
Olimar: 0221-20 590 590
Leseraufruf
Lähmt die Aschewolke Ihre Pläne? Wie verbringen Sie die Wartezeit? Wie versuchen Sie sich durchzuschlagen? Schicken Sie Ihre Berichte an spon_reise@spiegel.de, Betreff: Vulkan.

Mit der Einsendung bestätigen Sie, dass Sie einer honorarfreien Veröffentlichung zustimmen.

Fotostrecke
Stillstand im Flugverkehr: Das lange Warten

Sperrung des Luftraums
Für eine Sperrung des Luftraums sind die nationalen Verkehrsministerien zuständig - in Deutschland dementsprechend das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS). Über eine etwaige Sperrung wird in enger Absprache mit der Deutschen Flugsicherung (DFS) entschieden.

Die Flugsicherungsbehörde Eurocontrol koordiniert die Flugbewegungen zwischen den verschiedenen europäischen Lufträumen. Ihr Hauptsitz ist in Brüssel, in Deutschland ist die Organisation nur für einen geringen Teil der Flüge im Norden des Landes zuständig. Um die Abstimmung der Flugpläne in Europa kümmert sich die Unterabteilung Central Flow Management Unit (CFMU). Von dort werden die Informationen zu den Fluglotsen an den Flughäfen weitergeleitet.