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Kostenexplosion: Hauptstadtflughafen dürfte eine Milliarde Euro teurer werden

Die Rechnung für den neuen Berliner Flughafen wird nach der Eröffnungspleite immer länger: Schadensersatzforderungen, Lärmschutz und das Ausweichen auf andere Airports treiben die Kosten immens in die Höhe. Bald dürften sie vier Milliarden Euro erreicht haben.

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dapd

Flughafen Berlin-Brandenburg: Kostenexplosion beim

Berlin/Schönefeld - Immer höhere Kosten und immer längere Bauzeit: Der künftige Hauptstadt-Airport Berlin Brandenburg bereitet dem Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft Kopfzerbrechen. Am Freitag kam das Gremium auf der Baustelle in Schönefeld zu einer erneuten Krisensitzung zusammen.

Dabei wird ein Überblick über die Mehrkosten erwartet, nachdem der Betriebsstart des Prestigeprojekts auf 17. März 2013 verschoben werden musste. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass der Flughafen rund eine Milliarde Euro teurer werden wird. Zuletzt wurden knapp drei Milliarden Euro Gesamtkosten angenommen, zunächst waren 2,5 Milliarden Euro geplant. Der Gesamtfinanzrahmen für das Projekt liegt bisher bei 3,36 Milliarden Euro - davon 2,4 Milliarden Euro aus Krediten.

Doch Posten für Posten wird die Rechnung immer länger:

  • Allein die Baukosten könnten auf 3,4 Milliarden Euro steigen, wie auch die "Bild"-Zeitung am Freitag berichtete.
  • Hinzu könnten etwa 150 Millionen Euro kommen, weil nun neun Monate lang übergangsweise die bestehenden Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld genutzt werden müssen.
  • Für Schadensersatzforderungen von Fluggesellschaften und anderen Firmen könnte mit bis zu 200 Millionen Euro gerechnet werden. Allein dieDeutsche Bahn veranschlagte nach Informationen der "Welt" intern den Schaden auf mindestens 20 Millionen Euro.
  • Unabhängig von den Bauproblemen entsteht ein größerer Kostenblock beim Lärmschutz, der nach einem Urteil des Oberverwaltungsgerichts Berlin-Brandenburg verbessert werden muss. Möglicherweise könnten dafür bis zu 600 Millionen Euro mehr nötig sein als bisher geplant.

Beim neuen Eröffnungstermin will der Bund als Gesellschafter keine Ungewissheiten mehr in Kauf nehmen. Wenn es im Aufsichtsrat "auch nur den geringsten Zweifel daran gibt, dass der 17. März gehalten werden kann, werde ich den Antrag stellen, über den Eröffnungstermin noch mal zu reden", hatte der Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Rainer Bomba (CDU), der Mitglied des Kontrollgremiums ist, in der Zeitung "B.Z." vom Freitag gesagt.

Die Flughafengesellschaft hatte vor der Sitzung betont, der neuen Termin sei nicht gefährdet. Die Genehmigungsbehörde des Landkreises Dahme-Spreewald, in dem der neue Airport liegt, hatte allerdings "vorsorglich" Bedenken mitgeteilt. Der Flughafen bekomme die Probleme unter anderem mit dem Brandschutz derzeit nicht in den Griff, erklärte der Landkreis.

Erwartet wurde auch, dass Aufsichtsrat Horst Amann zum neuen Technikchef bestellt. Er ist bisher Chefplaner der Frankfurter Flughafengesellschaft Fraport. Nach der geplatzten Eröffnung war der Berliner Technikchef Manfred Körtgen gefeuert worden.

abl/dpa

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