Nach Störaktion mit Drohnen Start- und Landebahn in Gatwick geöffnet - aber keine Entwarnung

Nach einer Drohnenstöraktion läuft der Flugverkehr in Gatwick wieder an. Polizei und Armee waren zuvor mit Hubschrauber, Scharfschützen und Spezialausrüstung angerückt - Entwarnung gibt es trotzdem nicht.

DPA/ PA Wire

Der Flugbetrieb am Londoner Großflughafen Gatwick ist wieder angelaufen. 765 Flüge sind für Freitag angesetzt - von denen allerdings 140 schon abgesagt wurden.

"Wir betreiben die Lande- und Startbahnen nun unter fast normalen Bedingungen", sagte Flughafen-Chef Chris Woodroofe gegen Mittag laut BBC. "Die Herausforderung für die Fluggesellschaften ist nun, dass ihre Flugzeuge als Folge der Unterbrechung nicht am richtigen Ort sind." Erst Ende Samstag sollten die Abläufe wieder nach Plan funktionieren.

Zurzeit befinden sich noch Tausende gestrandete Fluggäste am Flughafen. Passagiere sollten weiterhin den Status ihres Fluges checken, bevor sie sich auf den Weg zum Flughafen machten, heißt es auf der Webseite des Flughafens. Es werde weiterhin zu Verspätungen und Ausfällen von Flügen kommen.

Eine großangelegte Drohnen-Störaktion hatte den Flughafen seit Mittwochabend weitestgehend komplett lahmgelegt. Seitdem war in Gatwick - abgesehen von einer dreiviertelstündigen Unterbrechung - kein einziges Flugzeug mehr gelandet oder gestartet.

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Drohne über London-Gatwick: Airport streicht alle Flüge

Ankommende Maschinen mussten umgeleitet werden und teils Hunderte Kilometer entfernte Airports wie Amsterdam und Paris ansteuern. Am Donnerstag waren 115.000 Reisende betroffen. Zehntausende Passagiere strandeten. Für Freitag wurden eigentlich weitere 126.000 Menschen in Gatwick erwartet.

Flughafen-Chef Chris Woodroofe sagte laut der Nachrichtenagentur Reuters, würde noch eine Drohne über dem Gelände gesichtet, würde diese abgeschossen. Wer hinter der Störaktion steckt, sei weiterhin nicht bekannt. Das mit Drohnen verbundene Risiko für Flughäfen müsse intensiver aufgearbeitet werden.

Die britische Armee hat Spezialausrüstung zum Flughafen Gatwick gebracht, um den Airport und die Flugzeuge bei Wiederaufnahme des Flugbetriebs zu schützen. Das sagte der Verkehrsminister Chris Grayling am Freitag dem BBC-Fernsehen. "Die Wirklichkeit ist, dass diese Technologie noch in der Entwicklung ist", es gebe nichts, was automatisch all diese Probleme löse.

Am Donnerstagabend waren das Militär und Polizei am Flughafen im Einsatz mit Hubschrauber und Scharfschützen. Trotzdem wurden immer wieder Flugroboter über dem Rollfeld gesichtet: In den ersten 24 Stunden nach Einstellung des Flugbetriebs zählte die Polizei mehr als 50 Sichtungen.

Steve Barry von der Polizei von Sussex sagte zu BBC, sie seien am Freitag in einer "weit besseren Lage" als am Tag zuvor. Es gebe eine Reihe von Fahndungsansätzen, um das Störmanöver aufzuklären. Unter anderem prüfen Ermittler die Möglichkeit, ob möglicherweise ein radikaler Öko-Aktivist hinter dem Störmanöver stecken könnte.

Bei den mindestens zwei gesichteten Drohnen handelt es sich nach Einschätzung der Polizei nicht um Hobbyfluggeräte. Sie seien vielmehr für den professionellen Einsatz bestimmt. Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund gab es aber nicht.

"Das ist eine präzise geplante Aktivität, die darauf ausgelegt wurde, den Flughafen lahmzulegen und maximale Behinderungen in der Vorweihnachtszeit zu bringen", teilte Gatwick-Geschäftsführer Stewart Wingate mit.

Video: Drohnen legen Flughafen London-Gatwick lahm

Easyjet teilte auf seiner Webseite am Freitagmorgen mit, wieder von Gatwick fliegen zu wollen. Der irische Billigflieger Ryanair hatte noch kurz zuvor angekündigt, alle ursprünglich für Gatwick geplanten Flüge stattdessen vom Londoner Flughafen Stansted starten oder dort landen zu lassen. Die Kunden seien informiert worden, sagte Ryanair auf seiner Webseite.

Mit mehr als 45 Millionen beförderten Passagieren im vergangenen Jahr ist Gatwick der siebtgrößte Flughafen in der EU - und der zweitgrößte Großbritanniens, hinter dem europaweiten Spitzenreiter London-Heathrow.

vks/abl/dpa

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