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19. Januar 2013, 12:43 Uhr

Flughafen Hamburg

Gewerkschaft droht mit Streik am Montag

Beginnt die Woche am Hamburger Airport wieder im Chaos? Ver.di droht mit einem erneuten Ausstand des Sicherheitspersonals an den Passagierkontrollen. Am Freitag mussten aufgrund des Streiks 12.000 Fluggäste am Boden bleiben.

Hamburg - Die Gewerkschaft Verdi schließt weitere Streikmaßnahmen am Hamburger Flughafen nicht aus. "Wir haben den Spannungsbogen aufgebaut: Freitag war der größte Tag - und Montag ist der nächste große Tag", sagte Ver.di-Sprecher Peter Bremme am Samstag dem Radiosender NDR 90,3. "Wir erwarten, dass in unserem Bereich jetzt ein Angebot kommt." Offiziell hat Ver.di bisher allerdings keine weiteren Arbeitskampf-Maßnahmen angekündigt.

Die Gewerkschaft will mit dem Streik Druck in den laufenden Tarifverhandlungen mit dem Bundesverband der Sicherheitswirtschaft (BDSW) erzeugen. Ver.di fordert einen Stundenlohn von 14,50 Euro, bisher verdienen die 600 Beschäftigten des Sicherheitspersonals am Hamburger Flughafen 11,80 Euro pro Stunde.

Inzwischen läuft der Flugverkehr in Hamburg wieder reibungslos, alle Passagiere werden zügig abgefertigt. "Die Lage hat sich entspannt. Seit Freitagabend gegen 20 Uhr läuft wieder der Normalbetrieb. Es sei dennoch empfehlenswert, sich bei der Airline nach dem aktuellen Status des gebuchten Fluges zu erkundigen, hieß es.

Am Vortag hatten die Sicherheitskräfte an den Personenkontrollen gestreikt. 63 von 176 geplanten Flügen mussten deshalb zwar abgesagt werden, die logistische Rotation der Maschinen wurde aber eingehalten. Rund 12.000 Passagiere blieben am Boden und konnten ihre Reise nicht antreten. Auswärtige Fluggäste mussten zum Teil in Hotels übernachten, auf den angebotenen Feldbetten im Flughafen wollte aber kaum jemand schlafen.

Der BDSW erklärte, der Streik habe zu Empörung bei Tausenden von Fluggästen und auch beim Arbeitgeberverband geführt. "Leider hat Ver.di bei den Lohnforderungen für die Luftsicherheitskontrollkräfte an Verkehrsflughäfen jedes Maß verloren", sagte Hauptgeschäftsführer Harald Olschok. Lohnerhöhungen von über 22 Prozent für die Hamburger Luftsicherheitsassistenten seien "völlig überzogen". Der BDSW habe 5,9 Prozent mehr Lohn angeboten. Ver.di solle zu einer realistischen Tarifpolitik zurückkehren

Die wichtigsten Informationen für Passagiere:

Was passiert, wenn mein Flug gestrichen wurde?
Einen wegen des Streiks nicht angetretenen Flug kann der Kunde stornieren, er bekommt dann sein Geld zurück. Wer trotzdem fliegen will, hat Anspruch auf einen späteren Flug.

Wie komme ich trotz des Streiks an mein Reiseziel?
Die Fluggesellschaft oder der Veranstalter hat die Pflicht, so schnell wie möglich eine Ersatzbeförderung zu organisieren. Kunden können diese per Telefon oder am Schalter des Unternehmens am Flughafen einfordern.

Habe ich Anspruch auf Schadensersatz?
Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) müssen Fluggesellschaften ihren Passagieren keine Entschädigung zahlen, wenn sie wegen eines Streiks einen Flug streichen. Bei einem Streik handele es sich um "außergewöhnliche Umstände", bei denen die Unternehmen nicht zahlen müssen. Voraussetzung ist, dass die Flüge wegen Ereignissen außerhalb des Einflussbereichs der Fluggesellschaft und "außerhalb des Rahmens der normalen Betriebstätigkeit" ausfallen.

dkr/dpa

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