Chaos wegen Drohnenflügen Airport Gatwick bleibt vorerst geschlossen

Drohnen über dem Londoner Flughafen Gatwick legen seit Stunden den Airport lahm. Bis Freitagmorgen werden daher keine Flüge starten, teilte Eurocontrol mit. Die unbekannten Störer wurden bisher nicht gefunden.

DPA

Großbritanniens zweitgrößter Flughafen steht seit etwa 4 Uhr am frühen Donnerstagmorgen still.

Unbekannte lassen über London-Gatwick Drohnen kreisen, die gefährlich für startende und landende Flugzeuge sein könnten. Der Flugbetrieb ist daher bis zum Freitagmorgen eingestellt, etwa 100.000 Passagiere sind betroffen. Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund gibt es laut der Polizei keine.

Die Polizei setzt britischen Medienberichten zufolge inzwischen Scharfschützen und einen Helikopter ein, um die Drohnenpiloten ausfindig zu machen.

Zudem hat die Polizei der Region Sussex beim Verteidigungsministerium um Unterstützung durch das Militär gebeten. "Wir werden bewaffnete Kräfte schicken, um ihnen zu helfen, mit den Drohnen am Gatwick Airport umzugehen", sagte ein Sprecher des Ministeriums. Zurzeit werde laut einem Sprecher der Premierministerin Theresa May auch in der Regierung beraten, wie der "ernste Zwischenfall" in Gatwick beendet werden könne.

Die europäische Flugsicherungsagentur Eurocontrol sagte laut der Nachrichtenagentur Reuters, der Flughafen würde bis zum Freitagmorgen um 6 Uhr geschlossen bleiben. Die Behörden lockerten das Nachtflugverbot für einige Flughäfen, damit Flüge umgelenkt werden konnten.

Gatwick-Chef Chris Woodroofe beschreibt die Drohnen als professionell. Es handele sich um einen "gezielten Versuch", den Flugverkehr zu unterbrechen. "Das ist das Schwierige mit den neuen Drohnen: Je größer sie sind, desto größer ist auch ihre Reichweite. Daher ist es schwierig, die Piloten zu lokalisieren", sagte der Chef der Flughafenpolizei, Justin Burtenshaw.

Dass jemand in der Nähe vom Flughafen Drohnen fliegen lässt, bezeichnete die Premierministerin May als "unverantwortlich und komplett inakzeptabel". Die Regierung habe Mitleid mit all den Passagieren, die von "der beträchtlichen Störung" betroffen seien.

Mit mehr als 45 Millionen beförderten Passagieren im vergangenen Jahr ist Gatwick der siebtgrößte Flughafen in der EU - und der zweitgrößte Großbritanniens, hinter dem europaweiten Spitzenreiter London-Heathrow.

Der Flughafen Gatwick hatte am Mittwochabend alle Starts und Landungen bis auf Weiteres ausgesetzt, nachdem eine Drohne über dem Flugfeld gesichtet worden war. Viele Passagiere saßen stundenlang in ihren startklaren Maschinen fest, während ankommende Flugzeuge zu - teils Hunderte Kilometer entfernten - Flughäfen umgeleitet wurden.

In den frühen Morgenstunden war der Betrieb kurzzeitig wieder aufgenommen, dann aber erneut gestoppt worden. Mehr als 14 Stunden nach den ersten Drohnensichtungen wurde am Donnerstagvormittag erneut eine Drohne über dem Flugfeld entdeckt.

Ende Juli waren in Großbritannien neue Regeln in Kraft getreten, mit denen sich Drohnenbesitzer strafbar machen, sobald sich ihre unbemannten Fluggeräte einem Flughafengelände auf weniger als einen Kilometer nähern. Wird gar ein Flugzeug durch die Drohnen gefährdet, riskiert der Besitzer eine Gefängnisstrafe von bis zu fünf Jahren.

Auch in Deutschland gelten Drohnenaufstiege und -flüge über einem Flughafengelände als "gefährlicher Eingriff in den Luftverkehr". Laut der Deutschen Flugsicherung (DFS) wurden bis einschließlich November in diesem Jahr 152 Behinderungen durch Drohnen gemeldet. Im bisherigen Rekordjahr 2017 waren es nur 88 Fälle.

Deutsche Luftverkehrsverbände forderten schärfere Regeln für den Betrieb der unbemannten Flugkörper in Deutschland. "Wir weisen schon seit geraumer Zeit darauf hin, dass wir eine Registrierungspflicht für Drohnen brauchen, damit Verantwortung und Haftung klar zugewiesen werden können", erklärte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft, Matthias von Randow, in Berlin. Das müsse auf europäischer Ebene geregelt werden. Die bislang vorgeschriebene Plakette an der Drohne reiche nicht aus.

Der Flughafenverband ADV verlangt zudem, die Drohnen mit einem System auszustatten, das sie wie Flugzeuge elektronisch sichtbar macht.

abl/dpa/AP/Reuters



insgesamt 77 Beiträge
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cor 20.12.2018
1. Dilettanten sind am Werk
"Je größer sie sind, desto größer ist auch ihre Reichweite" Eine technische korrekte Analyse der Reichweite von Drohnen. Der Chef der Flughafenpolizei scheint grosse Erfahrung mit dem Thema zu haben. 1. Die Reichweite ist überhaupt nicht von der Grösse abhängig. Die meisten handelsüblichen Drohnen sind auf 2km beschränkt. Physikalisch und technisch ist deutlich mehr möglich. 2. Mit einer mit Autopilot vorprogrammierter Route ist die Reichweite des Sender/Empfängers sowieso kein Problem mehr. Fazit: Wenn der IQ der Piloten auch nur knapp über Zimmertemperatur liegt, halten sie sich nicht direkt neben dem Flughafen auf, sondern irgendwo im Grossraum London.
guidomuc 20.12.2018
2. Eine ehemalige Großmacht...
...schafft es nicht, den Himmel über einem wichtigen Flughafen von Spielzeug zu befreien, wahrscheinlich gibt es weder die entsprechenden Tools noch Regularien und Verantwortlichkeiten, das ist zum Totlachen. Aber Brexit-en. God save the Queen!
MehrSeinalsSchein 20.12.2018
3. Schöne neue Welt!
Da haben wir kurz vor dem Weihnachtsreiseverkehr eine sich wie der Horror-Clown als Hype entwickelnde Situation und unsere Hoheit, der wir alle unser Gewaltmonopol abgetreten haben ist ein weiteres Mal hilflos! Die Engländer können zumindest das Militär beteiligen - ich frage mich, was das in Deutschland auslösen wird!
Violator 20.12.2018
4. Ich hoffe sie finden den/die Verursacher
und lassen ihn/sie bis ans Lebensende blechen. 1a Munition für die Totalüberwacher, herzlichsten Dank.
kurzanbinden 20.12.2018
5. terror?
man kann nur hoffen das, falls es Terror ist, dies Schule machen wird in dem sinne das Terroristen als Terrorakte in Zukunft Zeit stehlen werden statt Leben zu nehmen. aber womöglich ist es nur ein Teenager Streich. Drohnen Kosten nicht mehr die Welt. aber stutzig macht "Die Polizei setzt britischen Medienberichten zufolge inzwischen Scharfschützen und einen Helikopter ein". soll das heissen dafür wird man ohne Warnung erschossen?? und was ist mit den gross angekündigten "Drohnen Kanonen" die durch gebündelte Signale Drohnen vom Himmel holen können sollen? aber die uk bekommt halt nichts mehr hin dieser Tage.
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