Chaos an britischem Flughafen Polizei fahndet nach Drohnenpiloten - Gatwick bleibt blockiert

Großbritanniens zweitgrößter Flughafen steht still - durch einen gezielten Sabotageakt: Unbekannte lassen Drohnen über Gatwick kreisen. Zehntausende Reisende sitzen fest. Die Polizei sucht unter Hochdruck nach den Tätern.


Drohnen über dem Londoner Flughafen Gatwick sorgen für ein Verkehrschaos am zweitgrößten Airport Großbritanniens: Für den gesamten Tag sind alle Flüge abgesagt, teilt der Airport via Twitter mit. Der Betrieb ist aufgrund der Drohnensichtung komplett eingestellt. Inzwischen geht der Flughafenbetreiber davon aus, dass es sich um einen "gezielten Versuch" handelt, den Flugverkehr zu unterbrechen.

Zurzeit sind laut der Polizei mehr als 20 Einheiten auf der Suche nach den Drohnenlenkern. "Momentan entdecken wir immer wieder Drohnen über dem und um das Flugfeld herum", sagt der Chef der Flughafenpolizei, Justin Burtenshaw, dem Sender BBC. Es gebe laut einem Tweet der Polizei von Sussex jedoch keine Hinweise auf Terrorismus.

Um 14.15 Uhr Ortszeit teilte der Flughafen Gatwick mit, dass Flüge bis mindestens 16 Uhr abgesagt wurden. Laut BBC würden Flüge sogar bis mindestens 19 Uhr ausfallen. Störungen im Flugverkehr werde es den ganzen Tag über bis in den Freitag hinein geben, schreibt der Airport auf seiner Website.

Fotostrecke

5  Bilder
Drohne über London-Gatwick: Airport streicht alle Flüge

Dass jemand in der Nähe vom Flughafen Drohnen fliegen lässt, bezeichnet ein Sprecher von Premierministerin Theresa May als "unverantwortlich und komplett inakzeptabel". Die Regierung habe Mitleid mit all den Passagieren, die von "der beträchtlichen Störung" betroffen seien.

Und das sind bisher Zehntausende Menschen - normalerweise nutzen täglich mehr als 100.000 Fluggäste den Flughafen. Etwa 760 Flüge sollten am Donnerstag landen und starten. "Es ist wirklich voll. Die Leute sitzen überall - auf Treppen, auf dem Boden", sagte ein Passagier, der schon am Mittwochabend abfliegen wollte, der Nachrichtenagentur Reuters.

Eine Frau aus Zypern musste am Flughafen übernachten: "Ich habe seit gestern Morgen nicht geschlafen", sagte sie zu AP. "Es ist eiskalt, wir frieren und haben all unsere Mäntel an." Schwangere Frauen müssten auf dem Boden schlafen und auch Familien mit kleinen Kindern.

Gatwick-Chef Chris Woodroofe riet Passagieren, ihre Fluglinie zu kontaktieren, bevor sie sich auf den Weg zum Airport machen. "Leider wird es massive Verspätungen und Flugausfälle geben", heißt es auf der Website des Flughafens.

"Natürlich wollen wir schnell wieder den Betrieb aufnehmen", sagte Woodroofe der BBC. "Aber erst, wenn es sicher ist." Bei einer der Drohnen handele es sich laut Woodroofe um ein professionelles Gerät. "Es ist definitiv keine Standarddrohne von der Stange", sagte er BBC Radio. Die Polizei sieht davon ab, die Drohnen mit Schüssen vom Himmel zu holen. Dies berichtet BBC unter Berufung auf den Airport Gatwick.

Schon am Mittwoch Drohnensichtungen

Erste Hinweise auf Drohnensichtungen über dem Flugfeld hatte es am Mittwoch gegen 21 Uhr gegeben. Danach wurden den Angaben zufolge alle Flugbewegungen ausgesetzt, um die Lage zu klären. Später seien zahlreiche weitere Hinweise eingegangen. Viele Passagiere saßen stundenlang in ihren startklaren Maschinen fest, während ankommende Flugzeuge zu - teils Hunderte Kilometer entfernten - Flughäfen umgeleitet wurden.

Erst um 3.01 Uhr war der Flugbetrieb wieder aufgenommen worden. Nachdem weitere Drohnen gesichtet worden waren, durften dann ab 3.45 Uhr erneut keine Maschinen mehr landen oder starten. Gemeinsame Untersuchungen mit der Polizei seien angelaufen, hieß es in einer Mitteilung auf der Twitter-Seite des Flughafens. "Wir entschuldigen uns bei allen Passagieren für die Unannehmlichkeiten, aber die Sicherheit unserer Passagiere und Mitarbeiter hat oberste Priorität."

Zahlreiche Passagiere hatten sich in den sozialen Netzwerken darüber beschwert, in ihrem Flugzeug auf dem Rollfeld festzusitzen. Die Fluggesellschaft British Airways entschuldigte sich bei einer betroffenen Frau und verwies auf den Drohnenzwischenfall: Derartige Störungen seien etwas, "was wir nicht unter Kontrolle haben".

Mit mehr als 45 Millionen beförderten Passagieren im vergangenen Jahr ist Gatwick der siebtgrößte Flughafen in der EU - und der zweitgrößte Großbritanniens hinter dem europaweiten Spitzenreiter London-Heathrow.

Ende Juli waren in Großbritannien neue Regeln in Kraft getreten, mit denen sich Drohnenbesitzer strafbar machen, sobald sich ihre unbemannten Fluggeräte einem Flughafengelände auf weniger als einen Kilometer nähern. Wird gar ein Flugzeug durch die Drohnen gefährdet, riskiert der Besitzer eine Gefängnisstrafe von bis zu fünf Jahren.

Auch in Deutschland gelten Drohnenaufstiege und -flüge über einem Flughafengelände als "gefährlicher Eingriff in den Luftverkehr". Darauf weist der Flughafenverband ADV in einer Mitteilung hin. Die deutschen Flughäfen fordern eine Verschärfung der Regeln, zum Beispiel eine Registrierungspflicht der Drohnen. Laut der Deutschen Flugsicherung (DFS) wurden bis einschließlich November in diesem Jahr 152 Behinderungen durch Drohnen gemeldet. Im bisherigen Rekordjahr 2017 waren es nur 88 Fälle.

jus/abl/dpa/Reuters



insgesamt 133 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
dasgrosseM 20.12.2018
1. Kleine Ursache, große Wirkung
Hier zeigt sich, dass es auch mal sinnvoll sein kann, das Betreiben eines Marktes durch sehr strenge Regeln einzugrenzen, und zwar weit bevor es zu wie auch immer gearteten Zwischenfällen kommt. Auf dem Schaden dürften der Flughafenbetreiber und die Fluggäste sitzen bleiben, fürchte ich. Oder lässt sich eventuell doch der Besitzer der Drohne dingfest machen?
JackGerald 20.12.2018
2. Na super
Wenn das erst Schule macht und die Verursacher nicht mit aller Härte bestraft werden, dann gute Nacht Marie.
werlesenkann 20.12.2018
3. Deswegen fliege ich nicht mehr...
Wegen Nichtigkeiten wird der gesamte Betrieb eingestellt, sei es weil jemand eine falsche Tür geöffnet hat, z. B. auf dem Flughafen München, oder nun, weil kleine Drohnen über dem Flugfeld kreisen. Wieso ist das ein Problem? Mit Vögeln kommen die doch auch klar. Betreiber und Airlines bieten den gleichen dilettantisch-schlechten Service wie die Bahn, die auch wegen irgendwelcher Kleinigkeiten ihren Betrieb nicht vernünftig aufrecht erhalten kann.
flaffi 20.12.2018
4. Ein Wort fehlt
"Nicht unter Kontrolle", da fehlt "mehr". Ich nehme an, unterm Weihnachtsbaum werden weitere dieser Geräte liegen und danach ihr Umfeld nerven. Hier gibt es nur eins, die Geräte müssen behandelt werden wie Schußwaffen. Streng reglementierter, registrierter Verkauf und scharfe Strafverfolgung bei Mißbrauch.
saprebupad 20.12.2018
5.
Zitat von dasgrosseMHier zeigt sich, dass es auch mal sinnvoll sein kann, das Betreiben eines Marktes durch sehr strenge Regeln einzugrenzen, und zwar weit bevor es zu wie auch immer gearteten Zwischenfällen kommt. Auf dem Schaden dürften der Flughafenbetreiber und die Fluggäste sitzen bleiben, fürchte ich. Oder lässt sich eventuell doch der Besitzer der Drohne dingfest machen?
Selbst wenn: Als ob der den angerichteten Schaden ansatzweise bezahlen könnte :-/
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.