Panne am Münchner Flughafen Drei Sicherheitsleute von Aufgaben entbunden

Ein Plausch unter Kollegen soll sie abgelenkt haben: Nach der folgenreichen Panne am Münchner Flughafen sind drei Sicherheitsleute zunächst freigestellt worden.

Flughafen München am Samstag
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Flughafen München am Samstag


Nach den Chaostagen am Flughafen München sind drei Mitarbeiter der Sicherheitsfirma von ihren Aufgaben entbunden worden. Das teilte die Regierung Oberbayern mit, die für die Sicherheitskontrollen verantwortlich ist. Über mögliche weitere Konsequenzen werde nach Abschluss der Prüfungen des Vorfalls entschieden, sagte eine Sprecherin.

Am Samstagmorgen war eine Frau durch eine Sicherheitsschleuse gegangen, ohne vorher kontrolliert worden zu sein. Daraufhin räumte die Bundespolizei zwei Abflughallen. 330 Flüge wurden abgesagt, insgesamt 31.121 Passagiere waren bis Sonntag betroffen.

Den Angaben nach war die zuständige Kontrollkraft der staatseigenen Sicherheitsgesellschaft am Flughafen München (SGM) durch ein Gespräch mit Kollegen abgelenkt. In diesem Moment sei die Passagierin unkontrolliert durch die Schleuse gegangen. Eine andere Sicherheitskraft habe den Fauxpas bemerkt und Kollegen gebeten, die Reisende zurückzuholen.

Weil diese aber nicht mehr auffindbar gewesen sei, informierte der Sicherheitsdienst eine Viertelstunde später einen Vorgesetzten. Dieser wiederum alarmierte den Angaben zufolge die Bezirksregierung. Die Behörde habe dann der Bundespolizei Bescheid gegeben. Daraufhin ordneten die Beamten an, Terminal 2 und das dazugehörige sogenannte Satelliten-Terminal zu räumen.

Gesuchte Frau war bei Räumung schon an Bord

Während der Räumung saß die Frau schon im Flugzeug. Die 40-Jährige hatte den Flughafen vor dem Abfertigungsstopp mit einem Flugzeug verlassen, wie die Regierung von Oberbayern mitteilte. "Die Passagierin konnte durch Auswertung der Bordkartenleser ermittelt werden", sagte die Pressesprecherin. Der Zeitpunkt der Bordkartenkontrolle sei über die Kameraaufzeichnungen festgestellt worden. Nähere Angaben zu der Frau und ihrem Ziel machte die Sprecherin nicht.

Dass die Frau schon am Samstagmorgen abgeflogen war, sei aber erst nach aufwendigen Recherchen um 15.30 Uhr ermittelt worden. "Aus derzeitiger, vorläufiger Sicht sehen wir insbesondere keinen Raum für ein strafrechtliches Vorgehen gegenüber der Passagierin", so die Sprecherin. Die Prüfung sei aber noch nicht endgültig abgeschlossen.

Gerade diese Ereignisse zeigten deutlich, wie anfällig und sensibel das System auf Störungen reagiere, sagten Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) und Lufthansa-Chef Carsten Spohr nach einem Gespräch über aktuelle Herausforderungen in der Luftfahrtbranche. Beide sehen dringenden Handlungsbedarf.

Flughafenchef Michael Kerkloh rechnet damit, dass der Schaden für den Airport eher bei einer als bei vier Millionen Euro liege. Die Summe setzt sich unter anderem aus Start- und Landegebühren, Einnahmen für die Abfertigung sowie Ausfällen bei der Gastronomie im geräumten Bereich zusammen. Nun werde die Haftungsfrage geklärt. Laut Maria Dalhaus, der geschäftsführenden Prokuristin von Terminal 2, wird geprüft, ob und an wen Schadensersatzforderungen gestellt werden können. Wie hoch der Schaden für die Fluggesellschaften ist, ist noch unklar.

52 Menschen medizinisch versorgt

Das vergangene Wochenende gehörte Kerkloh zufolge zu den verkehrsreichsten des Jahres. Es sei ein großes Glück gewesen, dass die Fluggäste die Situation so gelassen aufgenommen hätten. "Für die betroffenen Passagiere wird ein Entgegenkommen überlegt." Die Fluggäste mussten rund 20 .00 Koffer und Gepäckstücke zurücklassen. Etwa die Hälfte davon sei schon wieder auf dem Weg zu den Besitzern, sagte Kerkloh.

Dalhaus sagte, die Belüftungsanlagen im Terminal 2 seien am Samstag wegen der hohen Außentemperaturen und der vielen Menschen im Check-in-Bereich an ihre Grenzen gelangt. Die Feuerwehr hatte mit Großlüftern Frischluft ins Gebäude geblasen. 50 Mitarbeiter der Flughafenfeuerwehr sowie etwa 140 Mitarbeiter von Rettungsdiensten aus dem Umland waren im Einsatz, wie der Leiter der Unternehmenssicherheit am Flughafen, Alexander Borgschulze, sagte.

52 Menschen wurden laut Kerkloh medizinisch versorgt, vier kamen in Krankenhäuser. Mitarbeiter hätten Zehntausende Wasserflaschen und Essensgutscheine ausgegeben. Kritik an der Informationspolitik des Flughafens entgegnete der Airport-Chef, gesicherte Informationen seien sofort veröffentlicht worden - per Lautsprecherdurchsagen und auch über den Kurznachrichtendienst Twitter.

Betroffene Passagiere können sich mit finanziellen Forderungen an die Lufthansa wenden, die hauptsächlich vom Terminal 2 aus fliegt. Ein Unternehmenssprecher verwies auf die EU-Fluggastrechteverordnung.

abl/dpa

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