Streik an drei Airports Polizei sperrt Zugänge zu Hamburger Flughafen ab

Flugreisende müssen jetzt viel Geduld haben. An drei deutschen Airports streikt den ganzen Tag lang das Sicherheitspersonal. In Stuttgart sind die Warteschlangen mehrere hundert Meter lang, in Hamburg brach die Abfertigung komplett zusammen.

DPA

Hamburg - Das Sicherheitspersonal an drei deutschen Airports ist wegen eines Tarifkonflikts der Sicherheitsbranche in einen ganztägigen Warnstreik getreten. An den drei bestreikten Flughäfen in Hamburg, Hannover und Stuttgart spielen sich chaotische Szenen ab.

In Hamburg brach die Abfertigung zusammen. Die Polizei habe am Morgen für zwei Stunden die Türen geschlossen, weil die Terminals überfüllt gewesen seien, sagte eine Flughafensprecherin. Zeitweise warteten mehr als 5000 Menschen vor den Türen. Die Reisenden hätten auch an den Sicherheitskontrollen vier bis fünf Stunden warten müssen, nur wenige der 24 Sicherheitschecks waren geöffnet.

"Man hat eigentlich heute gar keine Chance, seinen Flieger zu erreichen", sagte die Sprecherin. Bislang seien 100 von 400 geplanten Flügen gestrichen worden. Von dem ganztägigen Warnstreik könnten nach früheren Angaben des Flughafens rund 40.000 Passagiere betroffen sein.

In Stuttgart bildeten sich am Morgen mehrere hundert Meter lange Warteschlangen. Auf seiner Webseite meldete der Flughafen Wartezeiten von eineinhalb bis zwei Stunden vor den Passagierkontrollen. Nur einer von vier Terminals sei besetzt, so ein Sprecher des Airports. Es kommt zu Verzögerungen und Flugausfällen.

Am kleineren Regionalflughafen Hannover habe es keine Verspätungen gegeben, erklärte eine Sprecherin. Die Bundespolizei habe die Kontrollen der privaten Sicherheitsfirmen übernommen.

Die drei Flughäfen gehören zu den zehn größten deutschen und kommen zusammen auf durchschnittlich gut 80.000 Passagiere täglich. Viele Fluggäste dürften die Sicherheitskontrollen wohl nicht rechtzeitig passieren, schätzten die Airportbetreiber. Die Fluggesellschaften hätten angekündigt, nur leichte Verspätungen zu akzeptieren und die Flüge nicht warten zu lassen.

Reisende werden aufgerufen, möglichst früh am Flughafen zu sein, sich vorab über den Status ihres Flugs zu informieren und bei Rückfragen ihre jeweilige Fluggesellschaft zu kontaktieren. (Hier finden Sie aktuelle Informationen der Flughäfen in Stuttgart , Hamburg und Hannover).

Worum es in dem Streik geht

Hintergrund der Arbeitsniederlegungen ist ein Tarifstreit im Wach- und Sicherheitsgewerbe in mehreren Bundesländern - er betrifft also auch Beschäftigte im Objektschutz jenseits der Flughäfen, in militärischen oder kerntechnischen Anlagen. Die Gewerkschaft Ver.di hat die Mitarbeiter der Flughafenkontrollen, die für private Auftragnehmer der Bundespolizei tätig sind, deshalb am Montag zu einem 24-stündigen Warnstreik zwischen 0 Uhr und 24 Uhr aufgerufen.

Ver.di will in den festgefahrenen Tarifverhandlungen den Druck auf die Arbeitgeber in den Bundesländern Baden-Württemberg, Hamburg und Niedersachsen erhöhen. Die Tarifforderungen sind laut der Gewerkschaft je nach Bundesland und Beschäftigtengruppe unterschiedlich und bewegen sich zwischen 0,70 Euro bis 2,50 Euro mehr Stundenlohn.

Peter Bremme von der Gewerkschaft Ver.di zeigte sich in Hamburg mit dem bisherigen Verlauf des Arbeitskampfs zufrieden: "Die Streikbeteiligung ist grandios. Auch die Bodenverkehrsdienste haben sich solidarisch gezeigt und mitgemacht."

Die Bundesverband der Sicherheitswirtschaft (BDSW) hält die Warnstreiks hingegen für "ungerechtfertigt". Verdi nehme schon wieder Zehntausende unschuldige Passagiere in Geiselhaft, um die mediale Aufmerksamkeit von Streiks an Flughäfen zu nutzen, teilte BDSW-Verbandschef Harald Olschok mit.

Er warf der Gewerkschaft vor, mit falschen Zahlen zu operieren. Die Luftsicherheitskontrolleure gehörten seit Jahren zu der mit Abstand höchsten Lohngruppe in der Sicherheitsbranche. Die Arbeitgeber seien bereit, deren Stundenlöhne in Niedersachsen um 6,13 Prozent, in Hamburg um 6,4 Prozent und in Baden-Württemberg um 3,53 Prozent zu erhöhen. In Hamburg würden die Verhandlungen am Mittwoch fortgesetzt und auch in Hannover hätten die Arbeitgeber einen ersten Verhandlungstermin angeboten, sagte Olschok.

In Nordrhein-Westfalen hatten sich der BDSW und Ver.di bereits am Donnerstag auf einen neuen Tarifvertrag geeinigt. Er sieht bis Ende 2016 in zwei Stufen - je nach Berufsgruppe - Erhöhungen zwischen 3,5 und 12 Prozent vor. Die dortige Ver.di-Verhandlungsführerin Andrea Becker nannte den Abschluss "eine brauchbare Grundlage für die Verhandlungen in den anderen Tarifbezirken".

ssu/abl/dpa-AFX/AFP/Reuters

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