Streik am Mittwoch Lufthansa streicht fast 900 Flüge

Der Warnstreik im öffentlichen Dienst wird am Mittwoch Zehntausende Flugpassagiere treffen. Allein die Lufthansa streicht 60 Prozent ihrer Flüge.

Warnstreik von Verdi am Frankfurter Flughafen (Archivbild)
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Warnstreik von Verdi am Frankfurter Flughafen (Archivbild)


Zehntausende Passagiere müssen sich am Mittwoch auf Verzögerungen und Ausfälle im Flugverkehr einstellen. Grund sind Warnstreiks der Gewerkschaft Verdi, die einen Tag vor der nächsten Verhandlungsrunde ihren Tarifkonflikt im Öffentlichen Dienst auf sechs wichtige Flughäfen ausweitet und damit einen empfindlichen Punkt der Verkehrsinfrastruktur trifft.

Die Lufthansa hat wegen des Streiks insgesamt 895 Flüge gestrichen. Man könne nur rund 40 Prozent des regulären Flugprogramms fliegen, teilte die Airline in Frankfurt mit. Insgesamt seien rund 87.000 Passagiere betroffen - an diesen Flughäfen:

  • Im ganztägig bestreikten München können nach dem Sonderflugplan der Lufthansa nur 90 Flüge stattfinden, 545 Verbindungen sind gestrichen. Darunter seien laut Lufthansa alle Interkontinentalflüge, aber auch innerdeutsche und europäische Strecken seien betroffen.
  • In Frankfurt , wo nur bis 15 Uhr gestreikt werden soll, können rund 500 Flüge starten und landen, 350 Verbindungen wurden abgesagt. Der größte Teil der internationalen Flüge könne abgefertigt werden. Dagegen müssten hier der Großteil der innerdeutschen Verbindungen als auch zahlreiche Europaflüge annulliert werden.
  • Auch an den Flughäfen Düsseldorf , Köln/Bonn , Dortmund und Hannover werde es zu Flugstreichungen kommen, kündigte das Unternehmen an.

Der Flughafenverband ADV wie auch der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) hatten die Warnstreiks als völlig unangemessen kritisiert und schärfere Regeln für Arbeitskämpfe im Luftverkehr verlangt. Die Lufthansa-Personalchefin Bettina Volkens beklagte den Schaden für die Kunden: "Wieder einmal sind unsere Fluggäste von einem Arbeitskampf betroffen, bei dem Lufthansa selbst gar nicht Partei der Tarifverhandlungen ist."

Verdi-Chef Frank Bsirske verteidigte die Maßnahmen. "Wir haben die Aktionen bereits am Freitag angekündigt, um betroffenen Passagieren entgegenzukommen", sagte Bsirske den "Ruhr Nachrichten", "Die Arbeitgeber sollten ihre Haltung und ihr Angebot überprüfen, damit in der dritten Verhandlungsrunde am Donnerstag und Freitag eine Lösung gefunden werden kann."

In dem Tarifkonflikt fordern die Gewerkschaften Verdi und der Beamtenbund dbb sechs Prozent mehr Geld für die rund zwei Millionen Beschäftigten von Bund und Kommunen. Die Arbeitgeberseite hat drei Prozent mehr Lohn und Gehalt für zwei Jahre angeboten.

Hier Antworten auf wichtige Fragen:

Wer streikt?

Verdi hat die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes an den Flughäfen ab Schichtbeginn zu Streiks aufgerufen. Bestreikt werden sollen etwa Werkstätten, Luftsicherheitskontrollen sowie Bodenverkehrsdienste wie Vorfeld, Fracht, Gepäck und Verwaltung. Noch einschneidender sind Arbeitsniederlegungen bei den Flughafenfeuerwehren, die für Frankfurt, München und Köln/Bonn angekündigt sind. Ohne Feuerwehr ist ein Flugbetrieb aus Sicherheitsgründen nicht möglich.

Ist mein Flug betroffen?

Fluggäste sollten in jedem Fall ihren Flugstatus überprüfen. Bei Eurowings geht das hier und bei Lufthansa hier und bei Air Berlin hier. Fluggäste anderer Airlines können sich auch auf den Homepages der Flughäfen informieren.

Fallen bei Umbuchungen zusätzliche Kosten an?

Bei Lufthansa können Passagiere, deren Flug gestrichen wurde, kostenlos stornieren. Bei einem innerdeutschen Flug lässt sich das Ticket in eine Bahnfahrkarte umwandeln.

Soll der Flug stattfinden, dürfen Passagiere trotzdem einmalig kostenlos umbuchen. Das gilt für Fluggäste, die ein Ticket von Lufthansa, Swiss, Austrian Airlines oder Brussels Airlines am 26. April von, nach oder über Bremen oder am 27. April von, nach oder über Frankfurt, München, Düsseldorf, Köln, Dortmund oder Hannover haben. Das Ticket muss vor dem 25. April ausgestellt worden sein und das neue Reisedatum vor dem 31. Mai liegen. Außerdem müssen Abflugs- und Ankunftsort und die Serviceklasse beibehalten werden.

Findet der Flug statt und der Passagier möchte nicht umbuchen, sollte er mit ausreichend Zeit zum Flughafen anreisen, weil es zu längeren Wartezeiten kommen kann.

Auch Eurowings bietet an, annullierte Flüge kostenfrei zu stornieren. Wer ein Eurowings-Ticket für Flüge am 27. April von/nach Düsseldorf, Köln, Dortmund oder Hannover hat, darf einmalig kostenfrei umbuchen. Auch hier muss das Ticket vor dem 25. April ausgestellt worden sein und der neue Flug vor dem oder am 31. Mai liegen. Tickets für innerdeutsche Flüge, die annulliert wurden, können in Zugfahrkarten umgewandelt werden.

Air Berlin bietet Passagieren, deren Flug wegen des Streiks gestrichen wurde, an, auf ein Datum zwischen dem 28. April und 4. Mai auf der gleichen Strecke umzubuchen. Ist der Flug Teil einer Pauschalreise, rät die Airline, sich an den jeweiligen Reiseveranstalter zu wenden.

Was steht mir rechtlich zu?

Wird der Flug gestrichen, muss die Airline dem Passagier nach EU-Recht eine Ersatzbeförderung anbieten oder der Passagier kann stornieren. Eine Entschädigung bekommt der Fluggast nicht, erklärt Sabine Fischer-Volk von der Verbraucherzentrale Brandenburg. "Ein Streik entlastet die Airline, wenn sie alles getan hat, um die Passagiere dennoch zu befördern."

Verspätet sich der Abflug, stehen dem Passagiere je nach Dauer der Verspätung und Streckenlänge Betreuungsleistungen zu: auf der Kurzstrecke ab einer Verspätung von mindestens zwei Stunden, auf der Mittelstrecke ab drei Stunden und auf der Langstrecke ab vier Stunden. Geht der Flug erst am nächsten Tag, muss die Airline auch eine Hotelübernachtung und den Transfer bezahlen, erklärt die Reiserechtsexpertin.

Ab einer mindestens fünfstündigen Abflugverspätung können Passagiere außerdem kostenlos stornieren, wenn sie sich entscheiden, doch nicht mehr warten zu wollen. Sie bekommen dann ihr Geld zurück. Ist der Flug Teil einer Pauschalreise, wenden sich die Passagiere an ihren Reiseveranstalter.

abl/dpa



insgesamt 21 Beiträge
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Seite 1
charles964 26.04.2016
1. Meine Meinung über Streikerei!
Verdi soll benennen als STREIK-HANSA! Ey langsamm reicht es durch jeder Streik werden sooo viele verärgert und an unser Leben und Alltag so viel zerstört, ob auf Reisen und Kindergarten oder oder oder durch den übertriebenen Streikerei macht euch nicht mehr glaubwürdig und schadet dabei dies mehr als nutzt! Findet andere wege oder was weis ich kunde Zahlt und bekommt dafür nur Ärger und beschränkungen wie nirgendwo auf die WELT ausser hier in STREIK-LAND
r_dawkins 26.04.2016
2. @charles964
Na, immer mit der Ruhe! Welche Wege -ausser Streik- sollen denn Arbeitnehmer finden, um Tarifverhandlungen anzukurbeln?
SachDebattierer 26.04.2016
3. Streikhansa ... haha
Vielleicht hilft es, den Artikel erst einmal zu lesen: " .... bei dem Lufthansa selbst gar nicht Partei der Tarifverhandlungen ist. ..." Im Übrigen wird in Deutschland - im Vergleich zu anderen Ländern - besonders wenig gestreikt, ... viel sind Sie trotz ihrer beschränkten Deutschkenntnisse noch nicht herumgekommen, oder?
hevopi 26.04.2016
4. Verdi entwickelt sich zum
Weltmeister für Arbeitsplatzabbau. Unfähig zum Verhandeln, unfähig die Realität zu erkennen, aber Super, wenn es darum geht, die Zukunft eines Unternehmens zu ruinieren.
aktiverbeobachter 26.04.2016
5. Alternative
Zitat von r_dawkinsNa, immer mit der Ruhe! Welche Wege -ausser Streik- sollen denn Arbeitnehmer finden, um Tarifverhandlungen anzukurbeln?
Wie wärs denn z.B. mit Leistungsbereitschaft und Flexibilität. Dann muss man sich auch nicht hinter gewerkschaftlicher Erpressung und Sozialterrorismus verstecken sondern schafft es tatsächlich auch so das zu bekommen, was man verdient. Die AG sind ja schließlich auch nicht doof und haben ein Interesse daran gute Mitarbeiter/innen zu fördern. Probieren Sie es doch mal aus.
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