Flughafen von Bangkok Erpresser beschuldigen Touristen des Diebstahls

Neue Betrugsmasche auf dem Bangkoker Flughafen: Touristen aus Irland und England waren beim Bummel durch Duty-Free-Shops des Ladendiebstahls beschuldigt worden - eine angebliche Kaution sollte sie vor einem langwierigen Verfahren schützen.


Bangkok - Ausländische Touristen scheinen am Flughafen von Bangkok zunehmend ins Visier von Erpressern zu geraten. Mehrere Europäer haben berichtet, wie sie beim Gang durch den Duty-Free-Shop plötzlich des Ladendiebstahls beschuldigt wurden.

Bangkoker Flughafen Suvarnabhumi: Berüchtigt für Gepäckdiebstahl
REUTERS

Bangkoker Flughafen Suvarnabhumi: Berüchtigt für Gepäckdiebstahl

Ihnen wurde dann mit einem langwierigen Verfahren gedroht - es sei denn, sie zahlten eine hohe "Kaution". Da sich solche Fälle in letzter Zeit häuften, wird nicht ausgeschlossen, dass ein ausgeklügeltes System dahinter steckt, in das auch Polizisten verwickelt sein könnten. "Wir sind sehr besorgt über solche Berichte", erklärte die Sprecherin des thailändischen Außenministeriums, Vimon Kidchob.

"Die Regierung von Thailand tut alles, was in ihrer Macht steht, um die Sicherheit der Touristen zu garantieren." Die irische Regierung hat bereits eine Warnung an Reisende herausgegeben, beim Einkaufen am Flughafen Suvarnabhumi äußerst vorsichtig zu sein. Zuvor war eine irische Wissenschaftlerin bei der Rückkehr von einer Konferenz in Bangkok am Flughafen beschuldigt worden, Kosmetika gestohlen zu haben. Details ihres Falls wurden nicht bekannt, doch ein britisches Ehepaar aus Cambridge wandte sich mit seinem unfreiwilligen Erlebnis an die Medien.

Demnach wurde die Frau beschuldigt, im Duty-Free-Shop eine teure Brieftasche gestohlen zu haben. Die Überwachungskamera zeigte, dass die Britin vor dem Stand in ihre Handtasche griff - ihr wurde daher vorgeworfen, sie habe ihr Beutegut in der Tasche verschwinden lassen. Weiteres Beweismaterial gab es allerdings nicht, und die angeblich gestohlene Brieftasche wurde weder bei der Frau noch bei ihrem Mann gefunden.

Sargnagel für die Tourismusindustrie

Beide wurden zunächst zur Polizei gebracht, und mussten die Nacht im Gefängnis verbringen. Am nächsten Morgen kam dann ein Übersetzer - ein Sri Lanker namens Tony - hinzu, der ihnen erklärte, ihr Prozess könnte sich über Monate hinziehen. Er könnte aber ihre sofortige Freilassung gegen Kaution erwirken. Die beiden zahlten schließlich 400.000 Baht (8200 Euro) - die Hälfte als Kaution, die andere Hälfte als "Gebühr" für Tony.

Polizeioberst Teeradej Panurak erklärte später, Tony sei nur zum Übersetzen bestellt worden. Welchen Deal die beiden Briten mit ihm ausgehandelt hätten, sei der Polizei nicht bekannt. Das Paar sei wegen Mangels an Beweisen freigelassen worden. Einige Zeit später wurde Tony jedoch wieder eingesetzt, um in einem ähnlich gelagerten Fall für eine Dänin zu "dolmetschen". Sie zahlte ihm nach dänischen Medienberichten schließlich 250.000 Baht.

Seitdem wird auch in thailändischen Medien über systematische Erpressung auf Suvarnabhumi spekuliert. Der Flughafen gilt schon seit langem als berüchtigt für Gepäckdiebstahl, so dass an den Uniformen der Gepäckträger sämtliche Taschen entfernt wurden.

Berichte über rabiate Taxifahrer, die astronomische Preise verlangen, machen ebenfalls immer wieder die Runde - nun scheint man es auch Duty-Free-Einkäufer abgesehen zu haben. In einem Leserbrief an die Bangkoker Zeitung "The Nation" hieß es: "Das sind weitere Nägel im Sarg der bereits stark angeschlagenen thailändischen Tourismusindustrie."

Jocelyn Gecker/AP



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