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Flughafensicherheit: Niederländer haben kaum Bedenken gegen Nacktscanner

Die Niederländer nehmen es gelassen: Die Aufregung in Deutschland über den Einsatz von Ganzkörper-Scannern stößt im Nachbarland auf Unverständnis. Der Apparat sei "absolut diskret", sagt der niederländische Justizminister.

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Umstrittener Check am Flughafen: Scannen bis auf die Haut
Amsterdam - In den Niederlanden stößt die Vehemenz der Ablehnung sogenannter Nacktscanner durch deutsche Politiker auf Unverständnis. Der Apparat zur Durchleuchtung von Passagieren auf Flughäfen sei "absolut diskret", erklärte Justizminister Ernst Hirsch Ballin nach Medienberichten vom Samstag. "Ich würde mich selbst dafür entscheiden und davon Gebrauch machen", sagte der Christdemokrat nach Beratungen mit EU-Amtskollegen am Vortag in Luxemburg.

Hirsch Ballin habe sich die Funktionsweise der "Nackt-Scanner" auf dem Amsterdamer Flughafen Schiphol persönlich angesehen, berichtete die Zeitung "de Volkskrant". Dort sind mehrere dieser Geräte, mit denen Passagiere bis auf die Haut durchleuchtet werden, um eventuell am Körper versteckte Waffen oder Sprengstoffe erkennbar zu machen, bereits seit Mai 2007 probeweise im Einsatz.

Der Minister wies daraufhin, dass die Gesichter der Passagiere in jedem Fall völlig unkenntlich seien. Er befürchte auch keineswegs, dass eines Tages Scanbilder "von nackten prominenten Niederländern auftauchen", schrieb die Zeitung. "Solche Bilder würden an keinem Zeitungskiosk für einen höheren Umsatz sorgen", wurde Hirsch Ballin zitiert.

Vertreter linker und liberaler Oppositionsparteien in den Niederlanden kritisieren die Scanner, lehnen sie jedoch nicht grundsätzlich ab. Sie verlangen aber, dass die EU vor einer eventuellen allgemeinen Zulassung eindeutige Regelungen zum Schutz der Privatsphäre der kontrollierten Personen durchsetzt.

EU-Kommission: Nacktscanner nur auf freiwilliger Basis

Die EU-Kommission hat noch mal bekräftig, dass die umstrittenen Ganzkörperscanner auf Flughäfen nur auf freiwilliger Basis zum Einsatz kommen werden. Der Vizepräsident der Kommission, Günter Verheugen, sagte "Bild am Sonntag": "Es ist noch gar nichts entschieden. Aber zwei Dinge stehen bereits fest: Kein Flughafen wird gezwungen, solche Geräte einzusetzen, und wo es sie geben sollte, darf kein Reisender gezwungen werden, sich einer solchen Kontrolle zu unterziehen."

Die Bundesregierung hatte nach heftigen Protesten quer durch die Parteien einen Einsatz der umstrittenen Körperscanner rundheraus abgelehnt. "Da kann ich Ihnen mit aller Klarheit sagen, dass wir diesen Unfug nicht mitmachen", sagte eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums am Freitag in Berlin.

Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) kritisierte den derzeitigen Stand der Debatte als "ein wenig überzogen". "Ich lege schon einen gewissen Wert darauf, dass wir in der öffentlichen Wahrnehmung die innere Sicherheit nicht lächerlich machen", sagte er unter Hinweis darauf, dass für dieses Thema die Verkehrsminister zuständig seien: "Jene, die für innere Sicherheit zuständig sind, hätten das schon ein bisschen klüger gemacht."

abl/dpa/ddp

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