Übergewichtige im Flugzeug: Bezahlt wird nach Gewicht

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Die Menschen werden immer fülliger - und bereiten Fluglinien damit Probleme. Eine Airline in Samoa hat jetzt eine einfache Lösung: Bei ihr richtet sich der Ticketpreis nach dem Körpergewicht. "Bestimmen Sie selbst, wie viel Sie zahlen", lautet der Werbespruch.

Samoa Air kennt da nix: Die winzige Fluglinie im Pazifikstaat Samoa ist die erste weltweit, die ihren Ticketpreis nach dem Gewicht ihrer Kunden berechnet. Von Mittwoch an setzt das Unternehmen, das lediglich über drei ein- und zweimotorige Flugzeuge verfügt, diese Regelung auch auf ihrem einzigen internationalen Flug in die USA in Kraft.

Dickere und längere Passagiere haben damit bei Samoa Air höhere Kosten als dünnere und kürzere. "Pay only for what you weigh!" - Zahlen Sie nur so viel, wie Sie wiegen! - wirbt das erst 2012 gestartete Unternehmen und versucht so, die für seine schwereren Kunden bedrohliche Ankündigung ins Positive zu drehen. "Nur so viel" ist auch auf Samoa keine Kleinigkeit, denn rund 90 Prozent der Insulaner über 15 Jahre gelten als übergewichtig.

Rund um die Welt wissen Fluggesellschaften nicht so richtig, wie sie mit der zunehmenden Fülle ihrer Kunden umgehen sollen. Sie haben Probleme mit Passagieren, die sich aufgrund ihrer Körpermaße nicht anschnallen, die Armlehnen nicht herunterklappen oder sich erst gar nicht hinsetzen können. Zum einen können sie in solchen Fällen die Sicherheit für die Übergewichtigen nicht gewährleisten. Zum anderen könnte der Komfort der Sitznachbarn eingeschränkt werden, was wiederum zu Beschwerden führt. Und nicht zuletzt steigen die Kerosinkosten.

Zwei für einen

Was die Fluglinien nicht tun: ihre Sitze generell ihrer in Länge und Breite wachsenden Kundschaft anpassen. In der Economy-Klasse stellen sie immer mehr Plätze in die Flugzeuge, um wirtschaftlicher fliegen zu können. Bestenfalls schrauben sie am Design der Stühle - etwa mit dünneren und geschwungen geformten Rückenlehnen -, um Raum für die Passagiere zu schaffen.

Der durchschnittliche Platz auf Langstreckenflügen in der Holzklasse ist 44 Zentimeter breit mit 81 Zentimetern Abstand zum Vordermann, worunter nicht nur breite, sondern auch lange Passagiere zu leiden haben. Immerhin zeigten Fluglinien in den USA Interesse an XXL-Sitzen von Airbus, die den Am-Gang-Sitzern fünf Zentimeter mehr Luft verschaffen - auf Kosten derjenigen auf den Fenster- und Mitte-Plätzen.

Der Lösungsansatz der Airlines bisher: Fettleibige Kunden müssen zumindest bei vielen US-Fluggesellschaften einen zweiten Sitzplatz buchen und bezahlen. Oder auf geräumigere Sitze etwa in der Business Class upgraden.

In Europa sind die Probleme bisher noch nicht so massiv wie in amerikanischen Ländern. Air France hat eine ähnliche Regelung wie die US-Konkurrenz - die Franzosen setzen allerdings eher auf Freiwilligkeit. Ebenso wie die Lufthansa: "Die betroffenen Passagiere wissen meist selber, was sie benötigen, und buchen gleich zwei Sitze beziehungsweise eine höhere Klasse", sagt ein Sprecher der Lufthansa. Ryanair sorgte bereits mit einer angedachten "Fat Tax" für Empörung.

"Sie reisen glücklich"

Crew von Samoa Air: "Ein Kilo ist ein Kilo ist ein Kilo" Zur Großansicht
Samoa Air

Crew von Samoa Air: "Ein Kilo ist ein Kilo ist ein Kilo"

Und Samoa Air? "Bestimmen Sie selbst, wie viel (oder wie wenig) Sie zahlen", verheißt die Fluglinie auf ihrer Webseite, als ob von Übergewicht geplagte Menschen ihre Kilos und lange Personen ihre Zentimeter einfach ablegen könnten. Die Buchung sei ganz einfach: Erst den Flug auswählen, dann die persönlichen Daten angeben - samt geschätztem Koffer- und Körpergewicht.

In Schritt drei wird der Ticketpreis berechnet (je nach Entfernung von 0,34 bis 0,72 Euro pro Kilo). Und "Schritt vier: Sie reisen glücklich, denn Sie wissen, dass Sie nur genau das bezahlen, was Sie wiegen - und nicht mehr."

Dabei solle der Passagier ganz beruhigt sein, denn: "Wir werden Sie auf dem Flughafen erneut wiegen", um die angegebenen Daten zu überprüfen. "Glücklich reisen" beginnt für so manchen und manche wohl anders. Die Angabe des eigenen Körpergewichts ist bei Fluglinien, die wie Samoa Air mit kleinen Cessna- und BN2A-Islander fliegen, aufgrund der Gewichtsverteilung oft Usus - bezahlt wird dennoch pro Person.

Der Chef von Samoa Air, Chris Langton, aber hält das Angebot für "die fairste Art des Reisens" und das "Konzept der Zukunft", wie er verschiedenen Medien sagte. Es gebe keine Extragebühr für Übergepäck, "ein Kilo ist einfach ein Kilo ist ein Kilo".

Langton verknüpft seine wohl lukrative Preispolitik mit einem Erziehungsauftrag: Er glaubt, dass die neue Strategie helfen werde, das Bewusstsein für Gesundheit und Übergewicht zu erhöhen. Die Airline, die auf ihrer Webseite lächelnde samoanische Crew-Mitglieder mit beachtlichem Körperumfang zeigt, verteile sogar Freiflüge an Stammgäste, die abgenommen hätten.

Auch die Chefin von Samoas Gesundheitsbehörde begrüßt die "gute Art, das Abnehmen und gesundes Essen zu bewerben", wie die Nachrichtenagentur AP berichtet. Allerdings könnte nun der Ticketpreis bei dieser Airline für manche großen Menschen zu teuer sein.

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insgesamt 77 Beiträge
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1. sehr gut
mr.oizo 03.04.2013
ist auch fair. nur in Europa leider nicht durchsetzbar. schade
2.
Fliegenklatsche. 03.04.2013
Zitat von sysopSamoa AirDie Menschen werden immer fülliger - und bereiten Fluglinien damit Probleme. Eine Airline in Samoa hat jetzt eine einfache Lösung: Bei ihr richtet sich der Ticketpreis nach dem Körpergewicht. "Bestimmen Sie selbst, wie viel Sie zahlen", lautet der Werbespruch. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/fluglinie-berechnet-ticketpreis-nach-gewicht-a-892146.html
Das ist bei der Post auch so: Je schwerer das Paket umso höher die Gebühr. Muß sich deswegen ein dickes Paket diskriminiert fühlen ?
3. Finde ich gut
WILHHERDE 03.04.2013
Warum soll ich mit 75 kg Körpergewicht und 45 kg Gepäck, (darin 10 kg Übergepäck) mehr zahlen als ein Mensch mit 130 kg und 35 kg Normalgepäck. Der 130 kg schwere Mensch kommt mit einem Mini-Auto auch nicht aus und muss ein größeres kaufen. Auch muss er mehr Geld für Benzin ausgeben, denn jedes Kg will auch noch beschleunigt werden. Es gibt ein altes Sprichwort: "der Wind weht wohl große Schneehaufen, aber keine dicken Bäuche" Das soll heißen, Solidarität ist hier unnötig..
4. Endlich!
cor 03.04.2013
Alle Fluglinien sollten das Durchsetzen. Aber wird wegen vermeintlicher Diskriminierung sowieso nie kommen. Dabei fühle ich mich als normal-BMIler schon lange diskriminiert: Von Leuten, die neben mir sitzen und nur aufgrund ihrer Körpermasse versuchen, meinen Sitzplatz ebenfalls zu okkupieren. Während ich genau das gleiche bezahlt habe. Jetzt kommt bestimmt gleich einer mit "Was ist mit den ganzen , die nicht abnehmen können aufgrund unheilbarer Krankheit XY". Das sind absolute Ausnahmen und im 0,0001% Bereich, also völlig irrelevant in dieser Diskussion.
5.
muellerthomas 03.04.2013
Zitat von mr.oizoist auch fair. nur in Europa leider nicht durchsetzbar. schade
Ist es das? Um wieviel Liter Kerosin steigt denn der Verbrauch? Moderne Maschinen verbrauchen ca. 4l je Passagier je 100km. Bei einem Flug Deutschland - NYC sind das also 250l Kerosin für einen durchschnittlichen Passagier. Selbst ein stark übergewichtiger Fluggast wird den Verbrauch aber wohl kaum exorbitant in die Höhe treiben, doch selbst wenn es dann für einen solchen Flug 400l Verbrauch wären, erhöht das die Kerosinkosten um 75-100 Euro. Sicher spürbar, aber bei einem Flug Deutschland - NYC nun auch anteilsmässig nicht die Welt.
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