Flugreisen EU lockert erstmals Regeln für Handgepäck

Tübchen, Fläschchen, Tiegelchen und bitte alles in durchsichtigen Plastikbeuteln: Seit sieben Jahren müssen Flugpassagiere den Flüssigkeitsregeln fürs Handgepäck folgen. Die EU lockert diese jetzt zum ersten Mal, um sie langfristig abzuschaffen.

Nur Miniportionen: Flüssigkeitsmengen fürs Handgepäck gelten erst mal weiter
DPA

Nur Miniportionen: Flüssigkeitsmengen fürs Handgepäck gelten erst mal weiter


Brüssel - Die derzeit strengen Flüssigkeitsregelungen im Handgepäck bei Flügen werden etwas gelockert. Ab dem 31. Januar 2014 dürfen Passagiere laut einer EU-Verordnung Flüssigkeiten, die sie an Flughäfen außerhalb der EU gekauft haben, beim Umsteigen innerhalb der EU an Bord nehmen.

Das gilt etwa für einen deutschen Urlauber, der auf dem Rückflug von New York über London nach Berlin eine Whiskey-Flasche aus dem Duty-Free-Shop mitnehmen will. Voraussetzung ist jedoch, dass die Flasche in einer versiegelten Plastiktüte steckt. Auch für Passagiere aus Europa, die in den USA umsteigen, gelten die neuen Regeln.

Bisher mussten solche außerhalb der EU oder an Bord einer nichteuropäischen Fluggesellschaft erworbenen Duty-Free-Waren beim Umstieg an einem EU-Flughafen im Check-in-Gepäck verstaut werden - was meist nur theoretisch möglich war.

"Die Änderung im Januar ist wirklich ein ziemlich kleiner erster Schritt", betont Dale Kidd, Sprecher von EU-Verkehrskommissar Siim Kallas. Nach Ansicht von Experten könnte dies das Ende des Flüssigkeitsverbots bedeuten.

Wichtige Medikamente oder unverzichtbare Lebensmittel wie Babynahrung sind und bleiben grundsätzlich erlaubt. Auch Flüssigkeiten von Mengen bis zu 100 Milliliter schaffen es durch die Sicherheitsschleusen, wenn sie in durchsichtigen Ein-Liter-Plastiktüten stecken.

Die Flüssigkeitsauflagen wurden 2006 eingeführt, nachdem drei islamistische Terroristen versucht hatten, Sprengstoff in Getränkeflaschen an Bord von Transatlantikflügen zu schmuggeln. Seitdem hätte das Verbot eigentlich schon längst wieder fallen sollen.

Allerdings musste erst die nötige Technik funktionieren. Denn leistungsfähige Scanner, die Sprengstoff von harmlosen Flüssigkeiten unterscheiden können, sind Voraussetzung für die Erleichterungen.

Die Kosten tragen die Passagiere

Gefehlt hätten Tests im Normalbetrieb von Flughäfen, sagte Robert O'Meara vom Industrieverband ACI (Airports Council International). Außerdem hätten die USA sich nicht an den Planungen beteiligt. Doch jetzt zögen alle an einem Strang, die nötigen Feldversuche von 15 Flughäfen lägen inzwischen vor.

Für die Airports bringt die Umstellung Kosten mit sich. "Alle Flughäfen mit Anschlussverkehr mussten in die entsprechende Technologie, Beschaffung, Installation investieren", sagt O'Meara. Einige Flughäfen bauten eigens den Sicherheitsbereich um.

Am größten deutschen Drehkreuz in Frankfurt am Main sind die ersten neuen Hochleistungsscanner seit dem 2. Dezember im Transit in Betrieb. Ein weiterer Ausbau ist fest geplant. "Wir schulen jetzt die Mitarbeiter und passen die Prozesse an", berichtet Christian Altenhofen von der Bundespolizei, die beim Thema Sicherheit in Frankfurt die Feder führt.

Der Testlauf werde schnell in den Regelbetrieb übergehen und für die Reisenden keine zusätzlichen Belastungen bringen. Zu Umfang und Kosten der Investition will die Bundespolizei keine Angaben machen - zahlen müssen sie am Ende ohnehin die Passagiere über ihre Sicherheitsgebühren.

Wenn die erste Lockerung reibungslos über die Bühne geht, könnten weitere Erleichterungen kommen. EU-Sprecher Kidd kündigte an: "Die Auswirkungen dieses ersten Schrittes werden bewertet und machen damit den Weg frei für weitere Schritte. (...) Dies sollte zu einer kompletten Aufhebung der Beschränkungen für Flüssigkeiten 2016 führen."

bon/dpa



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insgesamt 4 Beiträge
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Seite 1
Hans58 27.12.2013
1.
Zitat von sysopDPATübchen, Fläschchen, Tiegelchen und bitte alles in durchsichtigen Plastikbeuteln: Seit sieben Jahren müssen Flugpassagiere den Flüssigkeitsregeln fürs Handgepäck folgen. Die EU lockert diese jetzt zum ersten Mal, um sie langfristig abzuschaffen. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/flugreisen-eu-lockert-fluessigkeitsregeln-fuers-handgepaeck-a-940923.html
Wie oft wurden "Lockerungen" in den letzten Jahren von der EU beschlossen und kurz vor dem geplanten Inkrafttreten "in die Tonne getreten"? Ich glaube erst dann daran, wenn sie in tatsächlich in Kraft getreten sind. Solange wir aber in Deutschland im jeweiligen Zuständigkeitsbereich der Regionalbehörde des LBA noch erkennbar keine einheitlichen "Vorschriften" haben, sollte man vielleicht erst mal an das "Problem" herantreten.
mundi 27.12.2013
2. Kontrolle wegen Generalverdacht
Zitat von Hans58Wie oft wurden "Lockerungen" in den letzten Jahren von der EU beschlossen und kurz vor dem geplanten Inkrafttreten "in die Tonne getreten"? Ich glaube erst dann daran, wenn sie in tatsächlich in Kraft getreten sind. Solange wir aber in Deutschland im jeweiligen Zuständigkeitsbereich der Regionalbehörde des LBA noch erkennbar keine einheitlichen "Vorschriften" haben, sollte man vielleicht erst mal an das "Problem" herantreten.
Was mich wundert, ist, dass sich die Datenschützer kaum über den Generalverdacht bei Flugreisen aufregen. Bei sonstiger Datenerfassung aber ja.
tartarin 27.12.2013
3. Überflüssig
Das Ganze wurde damals überhastet eingeführt und wird eigentlich nur deswegen aufrechterhalten, damit nicht irgendwelche Leute eingestehen müssten, das das Ganze Unsinn war. Die Einführung von Sprengstoff-detektierenden Scannern wäre, ob sie nun funktionieren oder nicht, eine Möglichkeit, ohne Gesichtsverlust dort wieder herauszukommen.
spon-1280943165745 27.12.2013
4. 1 Flasche Whisky
Eine überfällige Änderung und logisch das diese Hürde als erstes fällt, denn hier sind den Flughäfen Millionen EURO Umsatz durch die Lappen gegangen. Jeder Transitpassagier und das dürften in Europa die meisten sein hat keine Spirituosen kaufen können, da man ihm diese am Umsteigehub wieder abgenommen hätte. Das gleiche gilt auch für Nagelpflegenecessaires. Auch hier hätte es sicher kundenfreundlichere Lösungen gegeben, z.B. Mitnahme im Flugzeug gegen eine Extragebühr. Ich kann mich erinnern das ich in meiner Jugendmaienblüte mit einem Fahrtenmesser im Handgepäck nach Finnland fliegen wollte. Heue würde gleich die GSG9 auf den Plan gerufen, damals mußte ich das Messer abgeben und in Helsinki habe ich wieder bekommen. Aber wie gesagt das ist lange her.
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