Flugreisen Und fünf Euro fürs Klima

Gutes Gewissen inklusive: Wer seinen Urlaub bucht, kann neben Hotel und Flug den Umweltschaden gleich mitbezahlen - in Form einer Spende für Klimaprojekte. Große Reiseveranstalter wollen aktiv den freiwilligen Aufschlag anbieten. Alternative Anbieter sehen dies mit Skepsis.


Berlin/Freiburg - Ein Flug von Berlin nach Gran Canaria und zurück schlägt mit zwölf Euro zu Buche - und zwar an Zusatzkosten für den Umweltschutz. So ermittelt es der Kohlendioxid-Rechner auf der Webseite von Tuifly. Das Geld ist keine Gebühr, die zwingend anfällt, sondern kann vom Gast als Spende für Klimaschutzprojekte gezahlt werden.

Entspannung für das Klima: Für Fernreisen bieten Reiseveranstalter die Gelegenheit für freiwillige Klimaspenden.
GMS

Entspannung für das Klima: Für Fernreisen bieten Reiseveranstalter die Gelegenheit für freiwillige Klimaspenden.

Dieser Service, den auch andere Fluggesellschaften wie die Lufthansa seit einiger Zeit anbieten, wird künftig vielen Pauschalurlaubern bei der Buchung im Reisebüro begegnen. Denn die Branchengrößen TUI und Thomas Cook haben jetzt angekündigt, ihre Flugreisengäste bald ausdrücklich zu solchen Spenden zu ermutigen.

Die Veranstalter folgen damit nicht nur dem Beispiel einiger Airlines, sondern auch dem vieler kleiner Reiseveranstalter, die seit längerem zu solchen Klimaschutzspenden aufrufen. Darunter sind die 140 Anbieter, die im "Forum anders reisen" in Freiburg versammelt sind: Biblische Reisen, der DAV Summit Club und Lastminute.com. Sie alle arbeiten mit der Organisation Atmosfair zusammen, bei der nun auch Thomas Cook mit seinen Marken wie Neckermann zum Partner wird.

Reisebüros sollen aktiv für Spende werben

Vom 10. März an soll Kunden im Reisebüro die Klimaschutzspende "aktiv angeboten" werden, teilte Thomas Cook mit. Vom Sommer an werde die Zahlung dann automatisch in die Vorgänge im Computersystem eingebunden sein. "Das funktioniert nach einem ähnlichen Prinzip wie die Buchung eines Mietwagens oder einer Versicherung", sagt Konzernsprecher Mathias Brandes.

Die Höhe der Spende errechnet sich nach dem Schadstoffausstoß, den der Passagier verursacht; mindestens soll sie bei vier Euro pro Person liegen. Mit dem Geld soll der Bau eines Wasserkraftwerks in Honduras unterstützt werden, das mehreren Dörfern umweltschonend Strom liefern soll. "Die Spenden fließen direkt dorthin, es gibt keine Provisionen für uns, für die Reisebüros oder für die Buchungssysteme", versichert Brandes.

Welches Projekt die TUI unterstützen wird, steht noch nicht endgültig fest, sagte Firmensprecher Michael Blum am Freitag in Hannover. Der Marktführer arbeitet nicht mit Atmosfair zusammen, sondern - wie die eigene Fluggesellschaft Tuifly und zum Beispiel auch die Lufthansa - mit der Schweizer Stiftung Myclimate. "Wollen Sie eine Klimaschutzspende leisten?", werden TUI-Gäste zu hören bekommen, sobald ein Urlaub in der Wintersaison 2008/09 gebucht wird.

Mindestens zwei Euro für Klimaprojekte

Am Einbau des Bezahlvorgangs die Reisebürosysteme wird auch hier noch gearbeitet. Bei der TUI soll die Mindesthöhe der Spende zwei Euro betragen, und das Unternehmen legt für jeden Kunden, der freiwillig mitmacht, 50 Cent als eigenen Beitrag oben drauf.

Wie viele Touristen sich für die Projekte begeistern, mag im Moment niemand vorhersagen. Bei Tuifly geht nach Unternehmensangaben bisher zu acht Prozent aller Online-Buchungen eine Klimaspende ein.

Bei Deutschlands drittem großen Reisen-Anbieter, der Rewe-Touristik, stößt die Initiative aber auf Ablehnung: "Wir nehmen das Thema seit langem sehr ernst, werden aber nicht mit oberflächlichem Aktionismus reagieren", sagte Umwelt-Abteilungsleiter Andreas Müseler in Köln. Wichtig sei es, Urlauber seriös über Klimaschutz zu informieren, dazu biete die Gruppe auch eine ausführliche Broschüre an. Die Entscheidung, an welchem Kompensationsprogramm er sich beteiligen will, müsse jeder Gast dann allerdings selbst treffen.

Mit dem Hinweis auf das Reisen als ein "Grundbedürfnis des Menschen" begründeten TUI und Thomas Cook ihre neuen Klimaprogramme.

Für Rolf Pfeifer, den Geschäftsführer des "Forum anders reisen", führen solche Ansätze allerdings nicht in die richtige Richtung: "Es wird jetzt zwar einen enormen Schub geben für Klimaschutzprojekte", sagte er, "aber das löst ja das Problem nicht." Angetreten sei Atmosfair, "um ein Bewusstsein für die Probleme des Flugverkehrs zu schaffen - und nicht etwa nur deshalb, um den Touristen das schlechte Gewissen zu beruhigen". Genau dieser Effekt könnte nun allerdings verstärkt eintreten, so Pfeifer.

Christian Röwekamp, dpa



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