Flugzeugabsturz bei Bremen Rettungsarzt vermutet Herstellerfehler

Ein Ausflug mit einem Sportflugzeug endete für einen Oldenburger und seinen Neffen tödlich. Schon kurz nach dem Start in der Nähe von Bremen verunglückte die Maschine. Für die beiden Insassen kam jede Hilfe zu spät. Jetzt wird über mögliche Herstellerfehler spekuliert.


Untersuchung an der Absturzstelle: Das Sportflugzeug stürzte kurz nach dem Start ab
DPA

Untersuchung an der Absturzstelle: Das Sportflugzeug stürzte kurz nach dem Start ab

Worpswede/Hamburg – Der 51-jährige Mann und sein 15-jähriger Neffe waren gestern Abend mit einem Ultra-Leichtflugzeug von einem Sportflugplatz in Worpswede in Richtung Hatten gestartet, teilte die Polizei heute mit. Kurz nach dem Start brach die rechte Tragfläche des Fliegers ab. Daraufhin geriet das Flugzeug in Rückenlage und stürzte auf eine Wiese. Es fing Feuer und brannte aus. Dabei kamen die beiden Oldenburger ums Leben.

Zur genauen Unglücksursache gab es zunächst keine weiteren Erkenntnisse. Die Braunschweiger Bundesstelle für Fluguntersuchung hat Ermittlungen aufgenommen. Ein Sprecher der Behörde wollte dazu keinen Kommentar abgeben.

Jörn Hock, der Rettungsarzt, der kurz nach dem Unfall an der Absturzstelle eintraf und selbst Erfahrung mit Sportflugzeugen hat, äußerte gegenüber SPIEGEL ONLINE die Vermutung, dass es sich um einen Herstellerfehler handeln könne. Das zweisitzige, einmotorige Ultraleichtflugzeug sei vom Typ "Fascination" gewesen. Dieser Typ wurde von der W.D. Flugzeugleichtbau GmbH im baden-württembergischen Heubach hergestellt. Die Website des Unternehmens ist nicht mehr erreichbar, die früher dort angegebene Telefonnummer ebenfalls nicht. Laut Hock ist die Firma mittlerweile pleite. In Deutschland sind die noch existierenden "Fascination"-Flugzeuge jedoch wegen ihrer leichten und sehr einfachen Bauweise weiterhin beliebt.

Bei den bis zu 250 km/h schnellen Maschinen besteht die Aufhängung der Tragflächen laut Hock aus Glasfieber. Anders als Metall könne man diesem Material Überstrapazierung nur schwer ansehen. Bereits früher habe es Probleme mit Maschinen des Typs gegeben. "Der Pilot hatte eine Runde über dem Flugplatz gedreht und dabei das Flugzeug geschwenkt. Bei diesem Manöver wird die Tragfläche maximal belastet", sagte Hock. "Wenn das Material vorher bereits beschädigt war, ist es erklärbar, dass der Flügel in diesem Moment abriss.

Eine Sprecherin der Polizei in Verden bestätigte gegenüber SPIEGEL ONLINE den Flugzeugtyp, machte aber keine weiteren Angaben zur Absturzursache. Die Ermittlungen dauern an.

har/ddp/ap



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