Forschertreffen in Sibirien "Russische Yetis sind scheu"

Er ist groß und haarig, klaut Truthähne und liebt Hafer: Ist der Yeti doch mehr als eine Legende? Forscher aus sieben Ländern haben sich in Sibirien versammelt und verblüffendes Wissen über den Schneemenschen ausgetauscht. Auf einer Expedition wollen sie sogar Spuren gefunden haben.

Fußabdruck im Schnee (Archiv 1951): Eine Expedition schrieb den Abdruck dem Yeti zu
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Fußabdruck im Schnee (Archiv 1951): Eine Expedition schrieb den Abdruck dem Yeti zu


Moskau - Eine Expedition im tiefen Sibirien hat ein erstaunliches Ergebnis: Die Existenz des Yetis sei nun "unwiderlegbar" bewiesen, teilte die Regionalverwaltung im russischen Gebiet Kemerowo mit. Es seien eindeutige Beweise für die Existenz des Schneemenschen erbracht worden, das berichteten örtliche Medien am Montag nach einer internationalen Yeti-Konferenz. Zu einer Begegnung mit dem haarigen Riesen kam es in der Region rund 3200 Kilometer östlich von Moskau aber nicht.

Auf dem Ausflug am Wochenende seien Markierungen gefunden worden, mit denen der Yeti sein Revier kennzeichne, sagten die Forscher. Außerdem entdeckten sie nach eigenen Angaben seine mutmaßliche Schlafstätte, "möglicherweise" Haare und auch Fußspuren. Der Yeti-Fuß sei "sehr interessant gebaut", sagte der Anthropologe Jeff Meldram aus dem US-Bundesstaat Idaho und verweist auf vermeintliche Abdrücke des Wesens im Yellowstone-Nationalpark. "Yetis heben ihre Ferse fast senkrecht an." Die neuen Fundstücke sollen nun in einem Labor untersucht werden.

Zur Konferenz waren Wissenschaftler aus sieben Ländern angereist - sie präsentierten in der sibirischen Stadt Taschtagol verblüffendes Detailwissen über den sagenumwobenen Schneemenschen. "Bei uns heißt der Yeti Bigfoot und jagt Hirsche", erklärte der kanadische Biologe John Bindernagel. Dagegen seien russische Yetis Vegetarier, merkte der Moskauer Experte Anatoli Fokin an: "Er liebt Hafer." Die fehlende Sichtung des einheimischen Waldmenschen entschuldigte der Leiter der Yeti-Konferenz, Igor Burzew: "Russische Yetis sind eben scheuer als etwa der Bigfoot in Amerika."

"Mindestens 30 Yetis" in Kemerowo

Die Legende des Yeti ist viele Jahrzehnte alt. Seriöse Beweise für die Existenz eines solchen haarigen Wesens gibt es zwar nicht. Die Expertenrunde in Sibirien nimmt ihre Forschungen dennoch ernst. "Das Interesse am Yeti ist international geradezu explosionsartig gestiegen. In den USA wurden jetzt seine DNS-Spuren gesichert", sagte Burzew.

Auch Prominente ließen sich vom "Yeti-Fieber" anstecken. Der russische Profi-Boxer Nikolai Walujew, Ehrengast der Konferenz, beteiligte sich im September an einer Expedition in Kemerowo. "Die Chance, einen Yeti zu treffen, ist ungefähr so groß wie das Ungeheuer von Loch Ness zu finden oder Atlantis zu entdecken", hatte der Ex-WBA-Weltmeister dann aber eingestanden. Konferenzleiter Burzew teilte diese pessimistische Sicht nicht. Er schätzte die Zahl der Yetis allein in der Region auf "mindestens 30". Eine seiner Theorien: Der Yeti könnte ein menschenähnliches Wesen sein, das auf der Entwicklungsstufe eines Neandertalers stehengeblieben ist.

Zum Abschluss der Tagung berichtete die Amerikanerin Robin Linn aus dem US-Bundesstaat Michigan von eigenen "Yeti-Sichtungen". Jedes Jahr an Weihnachten brate sie gleich zwei Truthähne: "Einen für meine Familie, den anderen stelle ich raus für den Yeti. Am anderen Morgen ist der Braten weg." Wie in Russland seien aber auch in den USA Filmaufnahmen des Wesens schwer möglich, betonten die Experten. Der Yeti könne eine Kamera "erfühlen" und mache sich rechtzeitig davon.

In einem Leitantrag sprachen sich die Konferenz-Teilnehmer für die Einrichtung eines Lehrstuhls zur Yeti-Forschung an der Universität des Gebiets Kemerowo aus, in dem Taschtagol liegt. Die Kommunalverwaltung hatte wiederholt betont, dass sie Schneemenschen auf ihrem Gebiet nicht ausschließe.

Eine offizielle "Yeti-Warnung" nach Bränden

Die vielen bisherigen "Yeti-Sichtungen" in dem Gebiet Kemerowo sind für die Forscher von "unschätzbarem Wert". "Er ging seltsam gebückt und war sicher kein Bär", sagt der Jäger Sergej Karpow nach Angaben der Agentur Interfax. Und er schiebt gleich hinterher: "Ich schwöre, dass ich nicht betrunken war." Der Hirte Asat Chaschijew spricht von einem "menschenähnlichen Wesen mit dunkler Wolle".

Wildhüter installierten unlängst vor der Asass-Höhle bei Taschtagol eine Kamera mit Bewegungsmelder. Ein "Beweisfoto" gelang aber noch nicht. Lokale Medien bezweifeln die vermeintlichen Augenzeugenberichte. "Es gibt wenig Abwechslung in Sibirien - das sorgt offenbar für blühende Phantasie", schrieb jüngst eine Zeitung.

Für die örtlichen Behörden von Kemerowo ist der Schneemensch alles andere als ein Fabelwesen. Die Bergbau-Region geht dem Yeti seit einigen Jahren nach, um den Tourismus anzukurbeln. Mit dem Verkauf von Yeti-Souvenirs verdiene sich die Kommune ein gutes Zubrot, berichtet die Zeitung "Moskowski Komsomolez". Tourangebote für ausländische

Kemerowo gab sogar eine offizielle "Yeti-Warnung" heraus. Nach den verheerenden Bränden vom Sommer 2010 seien die mysteriösen Wesen gezwungen, außerhalb der Wälder nach Futter zu suchen, hieß es darin. "Sie stehlen sogar Haustiere und machen auch nicht davor Halt, Bären das Futter wegzufressen."

abl/dpa



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