Reisefotos von Johan Lolos Darum in die Ferne schweifen

Der Mensch ganz klein, die Natur so groß. Der belgische Fotograf Johan Lolos sucht bei seinen Aufnahmen nach genau diesem Kontrast - hier ist eine Auswahl seiner besten Bilder.

Von Stephan Orth


Das grüne Einmannzelt wäre nichts für Schlafwandler, scheint es doch auf ein paar Grasbüscheln direkt vor einem Abgrund platziert worden zu sein. Über einer urtümlichen Seenlandschaft in pastellfarbenem Morgennebel steht daneben ein Wanderer und blickt in die Ferne. Am Lake Wanaka in Neuseeland gelang dem Belgier Johan Lolos eines dieser Bilder, bei denen der Betrachter am liebsten sofort den Rucksack packen würde, um diesen Ort zu finden.

Und genau so will es der Fotograf: "Ich versuche, Menschen oder zumindest Spuren von Menschen in meine Bilder zu bringen, damit die Leute denken: 'Ich könnte auch dort sein'", sagt der gelernte PR-Berater Lolos. Das Konzept geht auf, mehr als 300.000 folgen ihm bei Instagram, eine Zahl, die ihm hilft, Aufträge von Tourismusämtern und anderen Partnern zu bekommen.

Während eines einjährigen Australienaufenthalts vor drei Jahren begann er, sich ernsthaft mit Fotografie zu beschäftigen. Dann wohnte er für zehn Monate in Neuseeland, ging ständig mit der Kamera in die Wildnis, lernte dazu. Er fotografierte und postete, fotografierte und postete - und sammelte immer mehr Fans ein.

100.000 Follower seien die Schwelle, um für Werbekampagnen wirklich interessant zu werden, sagt Lolos. Doch einen weiteren Vorteil habe die Vernetzung über die App: "Ich rufe manchmal vor einer Reise die Leute dazu auf, mir Tipps zu schicken", sagt Lolos. "Einmal kontaktierte mich jemand vor einer Indonesientour, wir kamen ins Gespräch, und schließlich holte er mich auf Bali am Flughafen ab und zeigte mir drei Tage lang die tollsten Ecken. Er stellte sich als lokale Berühmtheit heraus, weil er Moderator einer Fernsehshow ist - ständig wurde er von Menschen angesprochen."

Ein Tipp für Fotos mit kleinen Menschen in großer Natur? "Das Wichtigste ist der Kontrast", sagt er. "Wenn der Hintergrund blau ist, sollte die Person eine rote oder gelbe Jacke tragen. Außerdem sollte der direkte Hintergrund der Person nicht von irgendwas blockiert sein, am besten ist da nur entweder Himmel oder Wasser." Dann sei natürlich noch die Lichtsituation entscheidend, Lolos' Bilder entstehen meist morgens oder abends. "Ansonsten: Zieht so oft wie möglich mit anderen Fotografen los, dabei lernt man am meisten", sagt der Autodidakt.

Instagram-Account von Johan Lolos: @Lebackpacker



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