Frankreich: Bahn gesteht nach 24-Stunden-Horrorfahrt schwere Versäumnisse ein
Ohne Licht, ohne Heizung und ohne Information: Für Hunderte Passagiere eines Nachtzuges in Frankreich geriet eine Fahrt kurz nach Weihnachten zur Odyssee. Das Bahnunternehmen SNCF räumt nun ein, dass der Hauptgrund das Fehlen eines Ersatzlokführers gewesen sei.
Paris - Nach einer 24 Stunden dauernden Horrorfahrt für 600 Nachtzug-Passagiere nach Weihnachten hat die französische Staatsbahn SNCF eine Reihe von schweren Versäumnissen eingestanden. Hauptgrund für die 15-stündige Verspätung des Nachtzugs von Straßburg nach Südfrankreich sei das Fehlen eines Ersatzlokführers gewesen, erläuterte Bahn-Reisechefin Barbara Dalibard am Dienstag vor Journalisten in Paris. Die SNCF kündigte Entschädigungen an. Ein Teil der Passagiere schließt dennoch eine Sammelklage gegen das Unternehmen nicht aus.
Der Zug war am Montagabend vergangener Woche in Straßburg abgefahren. Ein Teil der Waggons sollte am Dienstagmorgen im spanischen Grenzort Port Bou eintreffen, die anderen in Nizza an der Côte d'Azur. Nach einer Reihe von Pannen und immer neuen Verzögerungen mussten die Passagiere insgesamt rund 24 Stunden in dem Zug ausharren, teilweise ohne Heizung und ohne Licht. Außerdem war die Verpflegung sehr dürftig. Reisende klagten, sie seien stundenlang im Unklaren über die Lage gelassen worden.
Dienst nach Vorschrift
Dem am Dienstag veröffentlichten internen Bericht zufolge hatte der Lokführer im 160 Kilometer von Straßburg entfernten Städtchen Belfort seinen Dienst beendet, weil er das vorgeschriebene Stundensoll erfüllt hatte. Weil in Belfort kein Ersatz zur Verfügung stand, ließ die SNCF einen Lokführer aus Lyon anreisen - per Taxi. Dessen Fahrt wurde durch widrige Wetterbedingungen verzögert, so dass der Fahrer den Zug erst am Morgen übernehmen konnte. Neue Verzögerungen gab es, als ein Regionalzug wegen einer Panne das Gleis blockierte.
Anschließend war die Lok defekt und musste ausgetauscht werden, was einige Stunden dauerte. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Passagiere in 19 Stunden nur 400 Kilometer zurückgelegt. Die Bahn-Reisechefin räumte ein, dass der Zug bereits am Vortag wegen technischer Problem mit acht Stunden Verspätung in Straßburg eingetroffen war. Es sei wohl ein Fehler gewesen, die Passagiere dennoch einsteigen zu lassen. "Dies ist eine der wichtigsten Lehren aus dem Bericht."
abl/AFP
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