"Falsch und böswillig" Franzose muss Strafe wegen Restaurantkritik im Internet zahlen

Eine Restaurantkritik kam einem Franzosen teuer zu stehen. Der Mann verunglimpfte das Loiseau des Ducs im Internet als überbewertet und überteuert - dabei konnte er es noch gar nicht getestet haben.


Das Restaurant war noch gar nicht eröffnet, da schrieb ein Franzose schon einen abfälligen Internetkommentar über das Lokal. Dafür ist er nun zu 2500 Euro Strafe sowie 5000 Euro Justizkosten verurteilt worden.

Fünf Tag vor der Eröffnung des Loiseau des Ducs im Juli 2013 kommentierte der Nutzer, der sich selbst als "Der Aufklärer" bezeichnete, in einem französischen Onlineportal: "Ein sehr überbewertetes Restaurant, das prunkvoll daherkommt, aber wenig auf die Teller bringt. Das Üppigste ist die Rechnung."

Ein Gericht in der ostfranzösischen Stadt Dijon bewertete den voreiligen Eintrag zu einem Restaurant als falsch und böswillig. Die Bewertung könne "nicht auf tatsächlicher Erfahrung beruhen". Wegen Rufschädigung wurde der Nutzer daher zu der Geldstrafe sowie zur Erstattung der Kosten verurteilt, die bei der Suche nach seiner Identität anfielen.

"Die Bewertung hat uns sehr überrascht", kommentierte Restaurantmanagerin Ahlame Buisard. Sie hätten nichts gegen positive oder negative Bewertungen, solange sie von echten Kunden kämen. Aber: "Wir wollten diese Sache bis ganz zum Ende verfolgen und denen, die mit ihren Kommentaren nur Schaden verursachen wollen, eine Lektion erteilen", sagte die Managerin. "Unsere Branche leidet stark unter solchen Verunglimpfungen."

Potenzielle Kunden erhielten übrigens an anderer Stelle eine ganz andere Einschätzung des Lokals: Anfang 2014 zeichnete der renommierte Restaurantführer Guide Michelin es mit einem Stern aus.

abl/AFP

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insgesamt 12 Beiträge
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Hamberliner 28.10.2015
1. Sophokles
Wenn er zu "einfach strukturiert" war um sich zu anonymisieren und bis nach der Eröffnung zu warten greift natürlich Sophokles: Die Dummheit ist meist der Bosheit Schwester. Im übrigen ist die Bewertung nicht unbedingt nachteilig. Sie trifft doch auf alle sog. "Sternerestaurants" zu. Yuppies stehen darauf. Da kann der Kellner hinterher fragen: "Wie fanden Sie das Essen?" und der Gast antwortet: "Ganz leicht. Ich brauchte nur die Petersilie anzuheben, und - schwupp - da war es auch schon."
hermanngaul 28.10.2015
2. satt
Also ich bin noch nie hungrig aus einem Sternelokal gegangen. Und außerdem: Ich bin zwar (noch gerade so) jung aber bestimmt nicht professionell.
box-horn 28.10.2015
3.
Einmal abgesehen davon, daß es natürlich auch für rufschädigende Spaßbewertungen eine Grenze geben muß, ist so ein Verhalten natürlich einfach saudämlich. Im Idealfall würde man dem mit Gelächter begegnen, wenn man da nicht Gefahr liefe, wegen rufschädigender Diffamierung und Mobbing dieses intellektuellen Minderleisters in Haftung genommen zu werden... Bei einer Klage geht man dieses Risiko natürlich nicht ein.
schropc3 28.10.2015
4. #1 - Wie selbstherrlich!
Sie machen etwas Ähnliches: Urteilen, ohne zu prüfen, zusätzlich massen Sie sich an, Ihren (ggf. einfachen) Geschmack als allgemeinverbindlich zu erklären.
tubermagnatum 28.10.2015
5. @hamberliner
Scheinbar ist auch Ihre Aussage auf Unkenntnis und Vorurteile begründet. In der Summe auch nicht besser als der freundliche Herr aus Frankreich. Ich habe von geschätzten 100 Essen in der Sternegastronomie nur ein einziges mal nicht ausreichend zu essen gehabt.
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