Tief "Friederike" Bahn stellt Zugverkehr im Westen Deutschlands ein

Sturm und Schnee über Deutschland durch das Tief "Friederike": Nach Nordrhein-Westfalen ist nun auch im Norden der Fernbahnverkehr unterbrochen. Der Flughafen Köln/Bonn wurde kurzzeitig geschlossen.


Wegen des Tiefs "Friederike" hat die Deutsche Bahn den Fernverkehr jetzt auch in Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen und Bremen komplett eingestellt. Dies teilte das Unternehmen in ihren aktuellen Meldungen zum Fernverkehr mit.

"Die Züge enden ab sofort an ihrem Zielbahnhof", teilte das Unternehmen per Twitter zum Stopp des Nah- und Fernbahnverkehrs in Niedersachsen mit. Vor der Unterbrechung war dort auf allen Strecken die Höchstgeschwindigkeit sukzessive auf Tempo 80 herabgesetzt worden. Die Privatbahn Metronom fährt zurzeit noch.

In Thüringen stellt die Bahn vorerst den Regionalverkehr ein. Die Züge würden nur noch bis zum nächsten geeigneten Bahnhof fahren und dort stehenbleiben, teilte die Bahn mit. Die Einschränkungen sollen voraussichtlich bis 19 Uhr andauern. Betroffen sind zahlreiche Regionalbahnen und S-Bahnlinien.

Schon zuvor war der Zugverkehr in Nordrhein-Westfalen bis auf Weiteres unterbrochen worden. Betroffen sind dort sämtliche Verbindungen für den Regional- und auch für den Fernverkehr. Voraussichtlich würden heute keine Züge mehr fahren, gibt die Bahn bekannt. Selbst für Freitag sei keine Prognose möglich, da die Schäden umfangreich seien.

Zunächst hatte die Bahn angegeben, dass auch in Rheinland-Pfalz der Verkehr eingestellt sei. Dort war er jedoch nur zum Teil unterbrochen, noch immer aber sind Strecken gesperrt oder Züge fahren mit reduzierter Geschwindigkeit.

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Unwetter: "Friederike" erschwert das Reisen

Die Zugausfälle und -verspätungen im Westen und Norden Deutschlands wirken sich auch auf die anderen Bundesländer und international aus, im Regionalverkehr kommt es unter anderem auch in Bayern zu Streckensperrungen. Im Fernverkehr sind viele Züge verspätet, weil die Höchstgeschwindigkeit vorsorglich auf 140 km/h begrenzt wurde. Die Bahn bittet ihre Kunden, sich vor Reiseantritt auf der Webseite über die Verbindung zu informieren. Seit Mittag ist eine kostenlose Sonderhotline unter 08000 996633 eingerichtet.

Das Tief "Friederike" ist inzwischen vom Deutschen Wetterdienst (DWD) zum Orkan heraufgestuft worden. Das Unwetter habe Orkanstärke erreicht, sagte ein Sprecherin Offenbach. Es treten Böen mit Geschwindigkeiten von bis 130 km/h auf. Betroffen seien die Bundesländer Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Hessen, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Sachsen, Bayern.

Flugausfälle auf deutschen Airports

Auf dem Flughafen Köln/Bonn hat "Friederike" zu Flugausfällen geführt. Die Deutsche Flugsicherung (DFS) unterbrach den Flugbetrieb um 11.25 Uhr für "vorerst eine Stunde", wie der Airport mitteilte. "Ab 12.30 Uhr sind Starts und Landungen nach jetzigem Stand wieder bedingt möglich", hieß es weiter. Am Mittag fand demnach keine Abfertigung auf dem Vorfeld mehr statt. Vier Ankünfte und vier Abflüge wurden gestrichen, es kam zu Verspätungen.

In Düsseldorf lief der Flugbetrieb vorerst weiter. Laut einem Flughafensprecher gab es 18 Annullierungen. Teils war dies demnach auf stürmisches Wetter an anderen Flughäfen zurückzuführen. Am Hamburger Flughafen gab es vereinzelte Ausfälle.

Am Flughafen Paderborn musste wegen eines schweren Gebäudeschadens am Mittag ein Terminal evakuiert werden. Wie die Polizei weiter mitteilte, drohte das Dach des Gebäudes abzuheben. Der Flugverkehr wurde demnach eingestellt.

Am Münchner Flughafen sind einige Flüge gestrichen worden. Acht Flüge von und nach Berlin, Düsseldorf, Hamburg und Köln der Lufthansa wurden annulliert, teilte der Flughafen München mit. Darüber hinaus fallen acht Flüge der niederländischen Airline KLM aus, die aufgrund des Wetters in Amsterdam nicht starten. Im Laufe des Tages könnten zudem noch weitere Flugausfälle hinzukommen, sagte ein Sprecher des Flughafens.

Am Frankfurter Flughafen herrscht dagegen Regelbetrieb. "Wir haben keine Probleme", sagte ein Sprecher des Flughafenbetreibers Fraport. Am Morgen habe es keine wetterbedingten Ausfälle gegeben. Laut Prognosen soll es auch ein normaler Tag werden. "Wir sind voraussichtlich nicht direkt betroffen", sagte der Sprecher.

Zug- und Flugverkehr in den Niederlanden eingestellt

In den Niederlanden ist wegen des heftigen Sturms der Flug- und Zugverkehr zeitweilig eingestellt worden. Vom Amsterdamer Flughafen Schiphol könnten nur vereinzelte Maschinen abfliegen, teilte der Flughafen mit. Bereits am Vormittag waren 260 Flüge annulliert worden. Der Betrieb sollte am frühen Nachmittag wieder gestartet werden.

Vorausschauend hatte die Fluggesellschaft KLM 220 Flüge für Donnerstag gestrichen. Auch die niederländische Bahn meldete Chaos. Durch den Wind würden Objekte und Bäume auf die Gleise und Züge geblasen, begründete die Bahn die Einstellung des Verkehrs. Auch verschiedene Bahnhöfe waren vom Sturm beschädigt worden.

Nach Einschätzung eines DWD-Experten sollte "Friederike" allerdings nicht so große Schäden anrichten wie Sturmtief "Xavier" im Oktober. Damals hätten die Bäume wesentlich mehr Laub getragen und damit dem Wind mehr Angriffsfläche geboten als jetzt im Januar, sagte DWD-Meteorologe Markus Eifried.

Bei "Xavier" waren sieben Menschen durch umstürzende Bäume oder herabfallende Äste getötet worden, der Bahnverkehr im Norden und Osten wurde lahmgelegt.

Aktuelle Informationen

BBC-Dokumentation: Warum das Wetter immer unberechenbarer wird

abl/dpa

insgesamt 59 Beiträge
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Seite 1
mfeldtn 18.01.2018
1. Alle reden vom Wetter - wir fahren!
Wo sind die Zeiten geblieben, als dies ein Slogan der Bahn war...
spaceagency 18.01.2018
2. Betrieb reduzieren
Betrieb reduzieren oder Geschwindigkeit senken ist ok, aber gleich einstellen ist absurd. Das kommt nur der DB in den Sinn. Die Bahn ist kein Flughafen sondern sollte das beste Reisemittel sein auch bei Sturm. So etwas gibt es nirgends in Europa ausser in Deutschland
whugo 18.01.2018
3. Das Land schwimmt im Geld!
Ich verstehe es nicht, das Land schwimmt im Geld, die Steuereinnahmen sprudeln wie nie, aber die Bahn kann schon bei kleinen Wetterereignissen nicht mehr fahren, pünktlich schon gar nicht, bei der Bundeswehr fliegt kaum noch ein Hubschrauber, kaum ein Transportflieger, nur wenige Kampfflugzeuge, die Schulen sind marode, die Internetversorgung mangelhaft, die Liste ist endlos. Wo nur fließt das ganze Geld hin? Bei Antworten darauf drohen Ecken!
postit2012 18.01.2018
4. Nun nun,
Zitat von mfeldtnWo sind die Zeiten geblieben, als dies ein Slogan der Bahn war...
es ist halt alles komplexer geworden und das Wetter macht mit ;-) Im Ernst: Den Slogan hat damals anders als heute niemand so richtig auf seine Gültigkeit überprüft. Ich kann mich noch sehr gut an wetterbedingte "Strandungen" in idyllischen Provinzbahnhöfen im Schwarzwald erinnern, wo keineswegs "alles geklappt" hat. Man war allerdings auch nicht so verwöhnt wie heute...
BuntesLeben 18.01.2018
5.
Zitat von spaceagencyBetrieb reduzieren oder Geschwindigkeit senken ist ok, aber gleich einstellen ist absurd. Das kommt nur der DB in den Sinn. Die Bahn ist kein Flughafen sondern sollte das beste Reisemittel sein auch bei Sturm. So etwas gibt es nirgends in Europa ausser in Deutschland
Nun, lieber Mitforist, dann schauen Sie doch bitte mal in die Niederlande... Auch da ist der Zugverkehr eingestellt worden. Dieses Bashing, dass nur die DB nix auf die Reihe bekommt, ist ermüdend....
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