Tipps von Hamburger Stadtführern Wohin flüchten, wenn es gipfelt?

Die Hamburger Innenstadt ist während des G20 nicht gerade ein relaxtes Ausflugsziel. Stadtführer geben Tipps, wo Touristen und Einheimische jenseits von Sicherheitszonen und Protest-Brennpunkten entspannen können.

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Sie haben sich Hamburg für dieses Wochenende zum Reiseziel ausgesucht - und das nicht, weil Sie gegen die G20-Gipfel protestieren wollen? Oder Sie sind Hamburger und haben nicht vor, sich Ihren sommerlichen Unternehmungsgeist durch Polizeikonvois und Staus lahmlegen zu lassen?

Dann haben wir hier etwas für Sie: Fünf Stadt- und Naturführer verraten, welche kleinen Fluchten sie empfehlen, um in und um Hamburg gut gelaunt den Gipfel zu überstehen.

Alle Ausflugstipps sind mit öffentlichen Verkehrsmittel erreichbar. Nach Angaben der Hamburger Verkehrsbetriebe und aktuellem Stand sollen S- und U-Bahnen regulär fahren, ebenso wie die im Text genannten Buslinien. Allerdings können Bahnen und Busse während des G20 kurzfristig von Sperrungen und Verspätungen betroffen sein. Tagesaktuelle Infos finden Sie daher hier.

Ab auf Europas größte Flussinsel: Wilhelmsburg entdecken

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"Ahoi, Kinners! Wagt den Sprung ans südliche Elbufer. Gerade im bunten und pulsierenden Stadtteil Wilhelmsburg ist abseits des Hamburger Mainstreams jede Menge los. Eine tolle Aussicht auf die Skyline der Hansestadt hat man vom Energiebunker im Herzen des Viertels aus.

Hinkommen: Entweder mit der S-Bahn oder mit dem (Leih-)Fahrrad über die Freihafen-Elbbrücke."

Johannes Huhmann, Waterkant-Touren

Raus in die Natur I: Die Fischbeker Heide erkunden

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"Die meisten Hamburger kennen zwar die Lüneburger Heide, aber nicht ihre kleine Schwester, die Fischbeker Heide. Mit einer Fläche von 773 Hektar ist sie eines der größten Hamburger Naturschutzgebiete, direkt an der südlichen Hamburger Landesgrenze gelegen.

Wer die Ruhe liebt, ist hier richtig: Jetzt im Juli blüht zwar die Besenheide noch nicht, wohl aber die seltenere Glockenheide, die 'echte' Erika. Naturfreunde finden hier zahlreiche Raritäten wie die Krähenbeere, den Ameisenlöwen oder den Ziegenmelker.

Ausgeschilderte, sandige Wanderwege führen durch das Gebiet, stellenweise hat man von den Höhen der eiszeitlich geprägten, stark hügeligen Landschaft eine wunderbare Fernsicht über die Elbe bis nach Blankenese und ins Alte Land, die für den Anstieg über teils recht steile Serpentinenwege entschädigen. Das sehr interessante Informationszentrum Schafstall bietet eine Ausstellung zu Geschichte, Landschaft, Flora und Fauna der Heide.

Hinkommen: mit der S3 nach Neugraben, dann mit der Buslinie 250 bis Endhaltestelle "Fischbeker Heideweg". Weitere lohnenswerte Ziele in der Umgebung sind das Freilichtmuseum Kiekeberg und der Wildpark Schwarze Berge."

Uwe Westphal, Natur Erleben

Hamburg, deine Vororte: Raus nach Blankenese oder Bergedorf

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"Als Tourist verduften Sie am besten in die Außenbezirke: in das Neu-Hamburg, also in jene Quartiere, die erst mit dem Großhamburg-Gesetz in den Dreißigerjahren dazugekommen sind. Ich empfehle den Elbvorort Blankenese. Das ehemalige Fischerdorf ist vor allem Hamburgern, weniger den Touristen ein Begriff. Der Strand gehört zu den teuersten der Welt. Das Treppenviertel erkundet man entweder zu Fuß, oder man lässt sich mit dem Bergziegen-Bus (Linie 48) durch die engen Gassen kurven.

Oder: auf nach Bergedorf! Nur 20 Minuten vom Hamburger Stadtzentrum entfernt liegt im Südosten Bergedorf, eine ehemals eigene Stadt mit allerhand historischen Häusern, einem Stadthafen und dem Bergedorfer Schloss (Foto). Dort vergisst man wahrlich allen Großstadttrubel!"

Florian Brehmen, Abenteuer Hamburg

Raus in die Natur II: Auf Stadtparkvisite in Harburg

Bezirksamt Harburg

Ein Rundgang um den Außenmühlenteich im Harburger Stadtpark führt durch eine abwechslungsreiche, teilweise recht hügelige Landschaft mit malerischen Ausblicken. Vor allem der Bereich südlich der Außenmühle, die im 16. Jahrhundert durch den Aufstau der Engelbek zum Betrieb einer Mühle entstand, mutet sehr naturnah an, an manchen Stellen fast wildnishaft. Urige Erlenbruchwälder, von alten Buchen und Ahornen bewachsene, bis 30 Meter hohe Kuppen, Feuchtwiesen, mehrere kleine Teiche und der stellenweise renaturierte Bachlauf der Engelbek bieten Lebensraum für eine artenreiche Tierwelt.

Zahlreiche Vogelarten, darunter seltene Vertreter wie der Eisvogel, finden hier ebenso ein Zuhause wie Rehe, Füchse und Fledermäuse. Sogar eine kleine Orchideenwiese gibt es hier. Lohnenswert ist auch ein Abstecher in den nahegelegenen alten Ortskern des Stadtteils Marmstorf mit reetgedeckten Häusern und Kopfsteinpflasterstraßen.

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist der Stadtpark am besten vom Bahnhof Harburg aus mit der Buslinie 145 zu erreichen. Als Einstiegspunkte bieten sich der Haupteingang am Marmstorfer Weg (Haltestelle "Im Dahlengrund") an oder die Endhaltestelle "Zum Jägerfeld".

Uwe Westphal, Natur Erleben

Ab aufs Dorf: Den Stadtteil Ottensen entdecken

Jö Makrönchen

"Gegen den Gipfeltrubel hilft: Ab aufs Dorf! Denn so fühlt sich ein Bummel durch das verwinkelte Ottensen im Bezirk Altona mit seinen kleinen Straßen an. Entdecken Sie die Zeisehallen. Einst eine Fabrik für Schiffspropeller, nun eine Kulturfabrik mit tollem Architekturmix mit Kino, Restaurants und bezaubernden kleinen Läden.

Unser Tipp: Das Restaurant Kleine Brunnenstrasse 1 - ein Geheimtipp für Genießer in einer der schönsten Straßen des Stadtteils. Wer Hunger auf Süßes hat, dem empfehlen wir das Jö Makrönchen, eine Schweizer Patisserie der Extraklasse mit himmlischen Luxemburgerlis."

Antje Grimm, eat-the-world

Raus in die Natur III: Naturschutzgebiet Wittmoor

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"Ich empfehle einen Ausflug in das Naturschutzgebiet Wittmoor im Norden der Stadt. Einladende Wanderwege führen über ehemalige Lorendämme, hügelige Heidelandschaften und durch stimmungsvolle Moorbirken-Wälder. Beim Blick über den mystischen Moorsee sind Kiebitze, seltene Libellen und insektenfangende Pflanzen zu bestaunen. Achtung: Nehmen Sie ein Picknick mit, es gibt keine Einkehrmöglichkeit. Mit der S-Bahn fährt man bis Poppenbüttel oder Ohlstedt, von dort geht es mit den Buslinien 176 oder 276 weiter bis zu den Haltestellen Fiersbarg oder Tannenhof."

Angela Dreyer, Naturbegegnungen im Alsterland

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Seite 1
ayumu 05.07.2017
1. ausgerechnet Hamburg
Ich frage mich eh, wieso man für ein paar Hanseln eine ganze Stadt lahmlegen muss. Können die nicht auf eine Burg mit Burggraben ausweichen, so wie früher? Oder in Brandenburg tagen wo eh nichts ist? Aber nein, es muss unbedingt in Hamburg sein, mitten drin, damit möglichst viele Leute dadurch eingeschränkt werden. Jeder muss ausweichen, damit die feinen Herren und Damen plaudern können. Kein Wunder, dass viele die Nase voll davon haben.
MeineMeinung75 05.07.2017
2. Es nervt...
....und zwar nicht der G20 Gipfel (wir wohnen nicht in der Speerzone aber schon "nebenan") sondern dieses konstante kreiseln um das Thema wie schlimm das alles ist. In den Medien, in der Kantine, auf der Straße. Wenn nicht gerade ein Vollidiot einen Molli wirft werden wir diese paar Tage ALLE überleben. Man geht doch als durchschnittlicher Hamburger sowieso nicht jedes Wochenende in die Innenstadt oder auf die Schanze. Also ersteres vermeide ich sogar gezielt. Mein Beileid an alle die in der Sperrzone wohnen, der Rest sollte mal runter kommen!
mam71 05.07.2017
3.
Zitat von ayumuIch frage mich eh, wieso man für ein paar Hanseln eine ganze Stadt lahmlegen muss. Können die nicht auf eine Burg mit Burggraben ausweichen, so wie früher? Oder in Brandenburg tagen wo eh nichts ist? Aber nein, es muss unbedingt in Hamburg sein, mitten drin, damit möglichst viele Leute dadurch eingeschränkt werden. Jeder muss ausweichen, damit die feinen Herren und Damen plaudern können. Kein Wunder, dass viele die Nase voll davon haben.
Das wurde doch nun schon hundertmal erklärt: 2000 Gipfelteilnehmer plus 500 (oder mehr) Journalisten, kann man nun mal nicht in "einer Burg" oder in "Brandenburg" unterbringen, weshalb bisher jeder G20-Gipfel in einer grösseren Stadt (oder touristischen Region) stattgefunden hat.
observerlbg 05.07.2017
4. Man kann es sich auch schön reden
Zitat von MeineMeinung75....und zwar nicht der G20 Gipfel (wir wohnen nicht in der Speerzone aber schon "nebenan") sondern dieses konstante kreiseln um das Thema wie schlimm das alles ist. In den Medien, in der Kantine, auf der Straße. Wenn nicht gerade ein Vollidiot einen Molli wirft werden wir diese paar Tage ALLE überleben. Man geht doch als durchschnittlicher Hamburger sowieso nicht jedes Wochenende in die Innenstadt oder auf die Schanze. Also ersteres vermeide ich sogar gezielt. Mein Beileid an alle die in der Sperrzone wohnen, der Rest sollte mal runter kommen!
Oder ist das Pfeifen im Walde? Als typischer Hamburger meidet man doch sowieso Karolinen- und Schanzenviertel. Und die Innenstadt muss auch nicht sein. Aber die G20-Teilnehmer blockieren den gesamten Alsterbereich und große Teile zwischen Kaiserkai und Fuhlsbüttel. Die Tips hier, auf Randbezirke auszuweichen, sind schon richtig. Harburg, Bergedorf, Blankenese sind schon mal gut. Ich würde sogar Sasel, Wedel, Nordheide empfehlen, nur weg, weg, weg. Ich habe noch die Bilder von Genua 2001 vor dem Auge.
powerbernd 05.07.2017
5. Alternative: Kreuzfahrtschiff
Zitat von mam71Das wurde doch nun schon hundertmal erklärt: 2000 Gipfelteilnehmer plus 500 (oder mehr) Journalisten, kann man nun mal nicht in "einer Burg" oder in "Brandenburg" unterbringen, weshalb bisher jeder G20-Gipfel in einer grösseren Stadt (oder touristischen Region) stattgefunden hat.
Dann können die armen Saudis zwar eventuell nicht ihre Kamele zur Milchgewinnung mitnehmen, aber 2.500 Leute passen mittlerweile doch auf jedes aktuelle Kreuzfahrtschiff. Statt 15.000 Polizisten reichen dann zwei Fregatten oder so zur Bewachung und die feinen Herrschaften können trotzdem ausreichend Luxus fernab vom Volke genießen. Sinnvolle Resultate/Lösungen wird dieser tolle Gipfel doch wie immer eh nicht bringen.
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