"Garda by bike" Anwohner kritisieren Gardasee-Radweg

Ein 140 Kilometer langer Radweg soll um den Gardasee gebaut werden, ein Teilstück ist bereits eröffnet. Doch Kritiker bemängeln, dass das millionenschwere Projekt ausschließlich für Touristen gebaut wird.

Getty Images

Es soll einer der spektakulärsten Radwege der Welt werden: ein neuer Rundweg über dem Gardasee, etwa 140 Kilometer lang, an einem Berghang befestigt. Doch rund zwei Monate nach der Eröffnung einer Teilstrecke der Route wird Kritik laut.

"Es ist ein faszinierendes und wunderschönes Projekt, verfolgt aber ausschließlich touristische Zwecke und hat nichts mit der Verbesserung der Mobilität in der Region zu tun", sagte Annalisa Mancini, die sich für G.A.R.D.A., einen Zusammenschluss von Umweltschutzgruppen, engagiert. "Wir fordern ein überlegtes Modell für einen nachhaltigen Tourismus, der auch den Menschen vor Ort nützt." Statt sichere Fahrradwege für alle zu bauen, seien in einen nur knapp zwei Kilometer langen Weg 7,6 Millionen Euro gesteckt worden, kritisierte Mancini.

Mitte Juli war die "Ciclopedonale" eröffnet worden, eine Eisenkonstruktion, die wegen der schmalen Küste am Berghang etwa 50 Meter über dem Wasser befestigt wurde. Der Weg ist Teil des Projektes "Garda by Bike", das am Ende eine 140 Kilometer lange Rad- und Fußgängerstrecke entlang des beliebten Badesees vorsieht. Bislang verbindet die Strecke nur Limone und Riva del Garda. Vor wenigen Wochen wurde kurzzeitig ein kurzer Streckenabschnitt wegen herabgefallener Steine gesperrt.

Die Dachorganisation G.A.R.D.A. meldet nicht das erste Mal Bedenken mit Blick auf den Touristenboom am Gardasee an. Die Koordinatoren stellen aber klar, dass sich ihre Kritik nicht gegen die Touristen selbst richtet. Sie fordern von den Verantwortlichen auf lokaler Ebene, den Tourismus so zu gestalten, dass er nicht zulasten der Bürger gehe. Außerdem müsse mehr Aufmerksamkeit auf das ohnehin "sehr fragile" Gleichgewicht des Ökosystems des Sees gerichtet werden.

kry/dpa

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insgesamt 25 Beiträge
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RamBo-ZamBo 24.09.2018
1. asdf
Verstehe ich nicht, die Einheimischen können den Weg zwischen Limone und Riva del Garda doch auch nutzen.
hrboedefeld 24.09.2018
2. Für Mountainbiker eine Bereicherung!
viele legendäre Trails enden an der Küste, von wo aus man dann auf der Straße knapp neben den Autos, teilweise durch unbeleuchtete Tunnel, und immer im Abgas des Verkehrs zurück zum Ausgangspunkt muss. Für Rennradler scheinbar eine tolle Situation, für mich jedesmal so Sch***e, dass ich schon auf dem Weg zum Gipfel daran denke! Schön, dass das ein Ende hat jetzt...
Friedrich der Streitbare 24.09.2018
3. Schön zu sehen,
dass sich die italienischen Bedenkenhuber in keinster Weise von den deutschen unterscheiden. Der Radweg als bedenklicher Eingriff in ein labiles Ökosystem: lachhaft ( da reicht ein Blick auf das Bild). Vorwurf "nur für den Tourismus". Ja sicher doch - wovon lebt denn die ganze Region ? Ich war gerade dort eine Woche in Urlaub und habe kopfschüttelnd die lebensmüden Radtouristen auf der jetzigen Gardesana bemitleidet. Höchste Zeit für so einen Radweg !
chinadragon 24.09.2018
4. Ist doch ganz einfach, sollen die Anwohner
Statt auf stinkender 2- oder 4rädriger Macchina mal den Touris gleich tun. E-Bike wäre eine gute Alternative. Man muss es nur mal ausprobieren, vielleicht stellt man ja erstaunt fest, dass 2-Rädern keine Parkplatzprobleme haben.
thomas387 24.09.2018
5. Der nördliche Gardasee im Dreieck
Malcesine, Arco und Limone wäre mit einem Radweg so gut erschlossen, dass der Tourist, einmal angekommen, überhaupt kein Auto mehr braucht, alles mit dem Radl erreicht und endlich auch mal Limone besuchen kann, dessen Ortsparkplätze generell und ständig belegt sind, was die potentiellen Besucher veranlasst, gleich zum Vittoriale weiter zu fahren. Was die Region weit mehr als der Tourismus zu Grunde richtet, ist die Zupflasterung mit Gewerbeansiedlungen zwischen Riva und Arco. Hier wäre in der Tat ein ordentlicher Radweg vonnöten; es gibt aber nur Schleichpfade hinten rum über San Giorgio und auch diese sind ständig unterbrochen wegen irgendwelchen Fabrikhallenbaus. Der Tourist hingegen, als Segler, Surfer, Kletterer und Bergradler ist weitgehend emissionsfrei unterwegs und böte Voraussetzungen für absolut sanften Umgang mit den heimischen Ressourcen; die Lokalpolitik aber macht aus Olivenhainen und Apfelwiesen blühendes Gewerbe. Viele, viele Lastwagen. Naja, man hat halt seine Prioritäten.
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