Biblischer Garten Eden Irak will ersten Nationalpark eröffnen

Einst soll hier der Garten Eden gewesen sein, nun hoffen Naturschützer wieder auf paradiesische Zustände: Im Süden des Irak entsteht der erste Nationalpark des Landes. Die Region wurde allerdings im Krieg schwer beschädigt - und auch Konflikte mit Nachbarländern erschweren die Wiederherstellung.

AP

Die Naturlandschaft der mesopotamischen Sumpfgebiete im Süden des Irak soll wiederhergestellt werden. Hier entsteht der erste Nationalpark des Landes, wie die Zeitung "New York Times" berichtet. Gemeinhin gilt die Region zwischen Euphrat und Tigris als Garten Eden - Adam und Eva sollen hier laut biblischer Erzählung im Paradies gelebt haben.

Tatsächlich ist es der natürliche Lebensraum der Marsch-Araber, einer irakisch-beduinischen Bevölkerungsgruppe, die durch das Regime von Saddam Hussein unterdrückt und vertrieben wurde. Laut Uno-Unterlagen aus dem Jahr 2011 wurden 175.000 Menschen zur Flucht aus dem Gebiet gezwungen, viele wurden ermordet. Im Einklang mit der Natur lebend, nutzten die Marsch-Araber Schilf für Schiffs- und Hausbau, den Handel und die Energiegewinnung.

Bereits in den siebziger Jahren wurde der Wasserstand durch Dämme reduziert. Im zweiten Golfkrieg 1991 ließ Saddam Hussein dann mehr als 90 Prozent des Gebietes austrocknen - und beschädigte damit das mit rund 20.000 Quadratkilometern größte zusammenhängende Ökosystem im Mittleren Osten. Mit der Entwässerung wollte der Diktator den Aufstand der Marsch-Araber niederschlagen, die sich gegen ihn gestellt hatten. Allerdings ebnete er den amerikanischen Panzern den Weg, die Bagdad nun einfacher erreichen konnten.

Biologen gehen davon aus, dass trotz der Vertreibung und Vernichtung sämtliche Pflanzen- und Tiergattungen überleben konnten. Alle 278 Vogelarten, auch der seltene Basrarohrsänger, seien zurück, zitiert der "New Scientist" einen Wissenschaftler. Dies zeige, wie resistent die Natur sei. Mudhafer Salim, ein Vogelkundler, der für das Projekt zuständig ist, glaubt allerdings nicht an die vollständige Wiederbelebung des Paradieses.

Etwa die Hälfte des Areals ist bereits geflutet

Ohne die Beduinen, die nach dem Sturz von Hussein die Dämme brachen, würde es wohl noch weniger Leben in dem Feuchtgebiet geben. Heute soll bereits die Hälfte des Areals wieder geflutet sein, das Wildleben und die Marsch-Araber kommen langsam wieder.

"Alle Menschen der Erde, im Westen und Nahen Osten, stammen von diesem Land ab", sagt Bauingenieur Azzam Alwash, der zusammen mit den Behörden einen Masterplan für den Nationalpark erschaffen hat, dem "National Gegraphic". Für den Einsatz wurde er mit dem Goldmann-Umweltpreis ausgezeichnet.

Das größte Problem sei die Politik, sagt Alwash. Der Irak grenzt an die Türkei, Syrien und Iran, die den Fluss von Euphrat und Tigris reglementieren - internationale Wasserabkommen seien vonnöten. Hinzu kommt, dass Geld benötigt wird, um den Nationalpark zu betreiben. Alwash hofft, dass bald Einkünfte aus dem Tourismus helfen, den Garten Eden wieder blühen zu lassen. Doch bis die in größerer Zahl kommen, muss sich erst die Sicherheitslage im Land verbessern. Alleine in den vergangen Tagen wurde Dutzende Menschen durch Autobomben getötet.

lei



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