Gefährliches Strandspielzeug: TÜV warnt vor billigen Kinderschwimmsitzen

Knallrotes Gummiboot und quietschgelbe Schwimmente - ohne Wasserspielzeug ist kein Strandurlaub perfekt. Der TÜV hat Badeartikel aus Souvenirshops getestet und hält dort verkaufte Schwimmsitze für lebensgefährlich. Wir geben Tipps, wie man schlechte Produkte erkennt.

Strandspielzeug: TÜV warnt vor billigen Kinderschwimmsitzen Fotos
DPA

Köln - Das Gummitier muss mit - sonst gibt es Tränen. Doch solche noch schnell am Strand gekauften Spielzeuge können Gefahren bergen. Häufig sind Schwimmsitze für Babys und Kleinkinder sogar lebensgefährlich. Es bestehe ein "unmittelbares Risiko des Ertrinkens", warnte der TÜV Rheinland am Dienstag in Köln.

Das Prüfunternehmen testete Wasserspielzeug und Baby-Schwimmsitze aus Urlaubsorten in Deutschland, Spanien, Italien, Griechenland, Belgien und den Niederlanden. Untersucht wurden insgesamt 50 Produkte, darunter aufblasbare Schwimmtiere und Luftmatratzen aus Souvenirshops und Strandbuden. Der Preis lag bei höchstens zehn Euro. Das Ergebnis: 20 der 50 Badeartikel dürften in der Europäischen Union gar nicht verkauft werden. Sie erfüllten nicht einmal grundlegende Sicherheitsanforderungen.

In sechs Fällen fanden die Tester lebensgefährliche Schwimmsitze für Babys und Kleinkinder. Dabei bestehe entweder das Risiko des Herausrutschens oder des Kenterns. Die Schwimmsitze gaukelten den Eltern Sicherheit vor, seien aber lebensgefährlich, sagte TÜV-Expertin Christiane Reckter. "Deshalb sind solche Sitze absolut verboten."

Von anderen aufblasbaren Schwimmtieren lösten sich verschluckbare Kleinteile wie Ventilstöpsel. Sechs Wasserspielzeuge enthielten unerlaubt hohe Mengen verschiedener Schadstoffe. Darunter waren auch sogenannte Phthalat-Weichmacher, die über dem erlaubten Grenzwert lagen. Phtalate stehen im Verdacht, hormonell zu wirken und krebserregend zu sein. Einige Produkte enthielten zudem erhöhte Werte an Polyzyklischen Aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK), die ebenfalls im Verdacht stehen, Krebs zu verursachen

Der TÜV hat den Test mittlerweile zum vierten Mal gemacht. Insgesamt sei "ein leicht positiver Trend zu erkennen". So seien 2009 noch mehr als 60 Prozent der gekauften Artikel durchgefallen, jetzt seien es weniger. Aber immer noch seien viele gefährliche Produkte dabei. Deutschland schneidet im Vergleich mit den anderen Länder noch recht gut ab. Nur in zwei Fällen war der Warnhinweis auf der Verpackung nicht korrekt.

Der TÜV empfiehlt deshalb, auf Sicherheitshinweise zu achten und nur bei Handelsketten zu kaufen, die über eine Qualitätssicherung verfügten. Sichere Schwimmlernhilfen oder Kinderschwimmsitze dürften außerdem nicht wie buntes Wasserspielzeug gestaltet sein. Verdächtig sei es auch, wenn die Kunststoffprodukte einen starken unangenehmen Geruch hätten. In all diesen Fällen rät der TÜV: Finger weg!

Woran können Käufer schlechte Artikel erkennen?

  • Am Preis: "Bei Ein-Euro-Produkten würde ich sagen: Günstig ist schlecht", sagt TÜV-Expertin Christiane Reckter. Doch teuer muss es auch nicht unbedingt sein: Gute Schwimmsitze zum Beispiel sind laut TÜV schon zwischen 10 und 15 Euro zu haben.
  • Am Aussehen: Sind Kinderschwimmsitze wie buntes Wasserspielzeug gestaltet, sollten Käufer besser die Finger davon lassen. Zudem müssen die Sitze mit Benutzungs- und Sicherheitshinweisen gekennzeichnet sein und die Anforderungen der Normenreihe EN 13138-1 und EN 13138-3 erfüllen. Das muss auch so auf der Verpackung und dem Produkt stehen.
  • Am Material: Qualität lässt sich laut Reckter meist schon an der Folienstärke erkennen. Die Faustregel ist einfach: Je dicker, desto besser.
  • An der Gebrauchsanweisung: Wenn es in der Gebrauchsanweisung oder bei den Warnhinweisen Druckfehler gibt, hat das dazugehörende Produkt meist auch ein Sicherheitsproblem.
  • Am Verkäufer: Besser schon in Deutschland kaufen, am besten bei großen Handelsketten, die über eine Qualitätssicherung verfügen. In Shops am Strand gekaufte Produkte waren im TÜV-Test oft schlechter.
  • An der Herkunft: Made in China heißt nicht unbedingt schlecht. 75 Prozent aller Produkte werden laut TÜV Rheinland in China gefertigt. Dabei gebe es auch gute und sichere Produkte.
  • Am Geruch: Keine Kunststoffprodukte kaufen, die extrem stark und unangenehm riechen. Ein solcher Geruch kann ein Hinweis auf nicht erlaubte Inhaltsstoffe sein.

abl/dpa/AFP

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insgesamt 8 Beiträge
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1. wer billig kauft,
groller66 16.07.2013
der bekommt eben nur billig. Oder ist jemand wirklich der Meinung, fuer 5 ? im Shop ausreichende Sicherheit kaufen zu koennen? Geiz ist eben selten geil, oft aber sehr gefaehrlich.
2.
glen13 16.07.2013
Zitat von sysopKnallrotes Gummiboot und quietschgelbe Schwimmente - ohne Wasserspielzeug ist kein Strandurlaub perfekt. Der TÜV hat Badeartikel aus Souvenirshops getestet und hält dort verkaufte Schwimmsitze für lebensgefährlich. Wir geben Tipps, wie man schlechte Produkte erkennt. Gefährliches Spielzeug: TÜV warnt vor billigen Kinderschwimmsitzen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/reise/aktuell/gefaehrliches-spielzeug-tuev-warnt-vor-billigen-kinderschwimmsitzen-a-911355.html)
Jedes Jahr der selbe Bericht und es ändert sich leider nichts
3. Einfuhrerlaubnis
Peter-Lublewski 16.07.2013
Ja, mehr giftigen und mordsgefährlichen Schrott aus Asien hier ins Land. Möchte mal wissen, wer für einen solchen Dreck eine Einfuhrerlaubnis erteilt.
4.
ljamcoh 16.07.2013
Gegen das "unmittelbare Risiko des Ertrinkens" hilft doch nur die Aufsicht der Eltern (oder anderer Erwachsener). Nie würde ich meine kleinen Kinder mit irgendeiner Schwimmhilfe baden lassen und darauf vertrauen, dass schon nichts passiert. Wenige cm tiefes Wasser im Planschbecken kann schon reichen, wenn ein Kind hinfällt und die Orientierung verliert. Da hilft das beste Spielzeug nichts.
5. Darwin...
seppinger 16.07.2013
... das ist dann eben doch eine gewisse Selektion... Doof kauft billig - und stirbt aus...
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