Gefahr durch Strahlung: US-Pilotengewerkschaften warnen vor Körperscannern

Piloten sollten sich nicht von Nacktscannern durchleuchten lassen - das legen zwei große US-Branchengewerkschaften ihren Mitgliedern nahe. Die Strahlung der Geräte stelle "eine erhebliche gesundheitliche Gefährdung" dar, wenn sie häufig genutzt würden.

Atlanta - Die Warnung ist deutlich: "Piloten sollten sich keinem Screening durch Körperscanner aussetzen", schreibt Mike Clearly, seines Zeichens Chef der US-Pilotengewerkschaft U.S. Airline Pilots (USAPA), in einem Brief an seine Mitglieder. Auch die Allied Pilots Association, die 11.000 Piloten der American Airlines vertritt, rät von der Durchleuchtung per Nacktscanner ab. Das berichtet der US-Nachrichtensender CNN auf seiner Website.

Die USAPA, zuständig für 5000 Piloten der Fluggesellschaft US Airways, begründet die dringende Warnung mit der Strahlenbelastung für die Cockpit-Besatzung. "Angesichts des neuesten medizinischen Wissensstands" sei die USAPA zur Überzeugung gelangt, dass das häufige Scannen durch die von der US-Flugsicherheitsbehörde TSA an Flughäfen eingesetzten Geräte "Piloten erheblichen gesundheitlichen Gefahren aussetzen kann", schreibt USAPA-Chef Clearly laut CNN in dem Brief.

Die Gewerkschaften verweisen auf die ohnehin schon enorme Belastung für Flugkapitäne und Crewmitglieder durch die erhöhte kosmische Strahlung in Flughöhe. Piloten sollten daher statt der Scanner-Screenings auf einen konventionellen Check durch Metalldetektoren und Abtasten beharren.

Auch die europäischen Pilotengewerkschaften warnten bereits vor der Strahlung durch die Körperscanner. Im März dieses Jahres hatte die European Cockpit Association (ECA) in einer Mitteilung ihre Besorgnis kundgetan. Der Dachverband, dem auch die deutsche Vereinigung Cockpit (VC) angehört, verwies auf die Tatsache, dass sich die Strahlenbelastung bei derart häufigen Screenings kumuliere - schließlich müssen Piloten und Crewmitglieder müssen die Sicherheitskontrollen an jedem Arbeitstag passieren. Die ECA sieht aber auch Vielflieger gefährdet.

Sowohl die europäischen als auch die US-Pilotenvertreter zweifeln ohnehin am Sinn einer intensiven Personenkontrolle für ihre Mitglieder. Ein Pilot sei "in der Lage, wann immer es ihm beliebt, das Flugzeug dorthin zu steuern, wo es ihm beliebt, unabhängig davon, welche Gegenstände er mit sich führt", lässt die Vereinigung Cockpit verlauten und kommt zu dem Schluss: "Die Kontrollen sind per se unsinnig."

fdi

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1. .
frubi 12.11.2010
Zitat von sysopPiloten sollten sich nicht von Nacktscannern durchleuchten lassen - das legen zwei große US-Branchengewerkschaften ihren Mitgliedern nahe. Die Strahlung der Geräte stelle "eine erhebliche gesundheitliche Gefährdung" dar, wenn sie häufig genutzt würden. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,728761,00.html
Seltsam, dass der Scanner dann überhaupt aktzeptiert wurde. Das Vielfliegen betrifft doch sowieso nur Menschen, die einen Beruf haben, der dieses Verkehrsmittel voraussetzt. Also eher die Berufe in denen man ordentlich verdient und diese Menschen aktzeptieren das einfach so?
2. missverständlicher Bericht
karsten.burger 12.11.2010
Das abgebildete Gerät ist anscheinend ein L3 ProVision Gerät, das nicht "durchleuchten" kann, da es mit ungefährlicher mm-Wellen-Strahlung arbeitet, wie alle in Europa zugelassenen Geräte. In Amerika gibt es wohl einzelne sogenannte "X-ray backscatter" Geräte, die ein wesentlich schärferes Bild liefern und mit schwacher Röntgenstrahlung arbeiten. Diese Strahlung kann jedoch auch nur gerade so die Kleidung durchdringen und wird in den oberen Hautschichten schnell absorbiert. D.h. auch hier kein "Durchleuchten" des Menschen, nur der Kleidung. Das hat die Pilotenvereinigung wohl gemeint, da es bei täglichem Gebrauch doch eine gewisse Mehrbelastung gibt, die natürlich viel kleiner ist as die natürliche Belastung beim Fliegen, jedoch nicht Null. Die Berichterstatung ist leider sehr missverständlich und für den Laien unverständlich.
3. Was haben...
Alderamin 12.11.2010
Zitat von sysopPiloten sollten sich nicht von Nacktscannern durchleuchten lassen - das legen zwei große US-Branchengewerkschaften ihren Mitgliedern nahe. Die Strahlung der Geräte stelle "eine erhebliche gesundheitliche Gefährdung" dar, wenn sie häufig genutzt würden. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,728761,00.html
... Mikrowellenstrahlen mit der kosmischen Höhenstrahlung im Flugzeug zu tun? Das sind gänzlich andere Effekte. Mikrowellen sind mit der Strahlung von Handys verwandt, für die bei den verwendeten geringen Leistungen in 20 Jahren keine schädliche Wirkung nachgewiesen werden konnte. Kosmische Strahlen sind Röntgen- und Gammastrahlen, deren erbgutschädigende Eigenschaften lange bekannt sind. Da wird wieder mal eine Maus zum Elefanten gemacht. Man kann gegen die Nacktscanner sein, weil sie die Menschenwürde verletzen (die neueste Generation ja durch Abstraktion des Bildes angeblich nicht mehr, ich hoffe, diese Generation ist auch diejenige, welche in Längern außerhalb er EU zum Einsatz kommt). Wie können die Gewerkschaften von einer erheblichen Gesundheitsgefährdung sprechen, auf welche Untersuchungen berufen sie sich? Hier wird vermutlich mal wieder grundlos Panik verbreitet (Strahlen = gefährlich). Wenn Piloten den Scan verweigern sollen, was für ein Bild wird dann gegenüber normalen Reisenden vermittelt? Welche Schwangere traut sich dann noch in so ein Gerät?
4. X-Ray backscatter
Alderamin 12.11.2010
Zitat von karsten.burgerDas abgebildete Gerät ist anscheinend ein L3 ProVision Gerät, das nicht "durchleuchten" kann, da es mit ungefährlicher mm-Wellen-Strahlung arbeitet, wie alle in Europa zugelassenen Geräte. In Amerika gibt es wohl einzelne sogenannte "X-ray backscatter" Geräte, die ein wesentlich schärferes Bild liefern und mit schwacher Röntgenstrahlung arbeiten. Diese Strahlung kann jedoch auch nur gerade so die Kleidung durchdringen und wird in den oberen Hautschichten schnell absorbiert. D.h. auch hier kein "Durchleuchten" des Menschen, nur der Kleidung. Das hat die Pilotenvereinigung wohl gemeint, da es bei täglichem Gebrauch doch eine gewisse Mehrbelastung gibt, die natürlich viel kleiner ist as die natürliche Belastung beim Fliegen, jedoch nicht Null. Die Berichterstatung ist leider sehr missverständlich und für den Laien unverständlich.
Das erklärt natürlich einiges. Vermutlich wird in den USA dann auch nicht die Körperform abstrahiert. Durch den Artikel werden Normalbürger verunsichert, die den Unterschied zwischen Mikrowellen-Scannern und Röntgenstrahl-Reflektions-Scannern im allgemeinen nicht kennen werden.
5. .
Pfeiffer mit drei F 12.11.2010
Die Geräte sind nutzlos, wie schon im Artikel an einer Stelle geschrieben wurde. Ersten kann es niemals eine 100%ige Sicherheit geben und zweitens gibt es ganz einfache Wege, um die Sicherheitskontrollen zu umgehen.
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Fotostrecke
Körperscanner: Smarter Spanner

Nacktscanner
Was ist der Vorteil eines Nacktscanners?
Körperscanner sind Geräte, mit denen die Oberfläche des menschlichen Körpers unter der Kleidung abgebildet werden kann. So sollen versteckte Gegenstände sichtbar gemacht werden - etwa Sprengstoff oder sogenannte Nichtmetallwaffen wie Keramikmesser, die bei herkömmlichen Scannern unerkannt bleiben.
Wie funktioniert das Gerät?
REUTERS/ TSA
Für die Nacktscanner gibt es zwei technische Methoden: Röntgenstrahlen und die Terahertzstrahlen. Bei der Röntgenmethode ist die mittlere Gesamtstrahlenbelastung geringer als beim konventionellen Röntgen. Die dabei anfallende Strahlung entspricht nach Angaben der US-Flugsicherheitsbehörde TSA in etwa der Dosis, der ein Passagier innerhalb von zwei Minuten in einem Flugzeug auf Reiseflughöhe ausgesetzt ist.

Die Terahertzmethode setzt elektromagnetische Strahlung im Grenzbereich zwischen Infrarotlicht und Mikrowellenstrahlung ein. Die sogenannten T-Wellen sind Teil der natürlichen Wärmestrahlung. Bis vor wenigen Jahren waren diese technisch noch gar nicht zugänglich. Die Terahertzmethode wird untergliedert in eine aktive und eine passive Form. Bei der aktiven Methode scannt ein fokussierter Strahl den Körper ab und konstruiert aus der Rückstreuung ein Bild. Bei der passiven Methode wird nur die natürliche Wärmestrahlung des menschlichen Körpers erfasst, wodurch ein Bild ohne anatomische Details erzeugt wird. Im Vergleich zur Röntgenmethode ist die auf den menschlichen Körper wirkende Energie bei der aktiven Terahertzmethode wesentlich geringer, im Passivmodus wirkt sogar überhaupt keine Strahlenquelle auf den Körper.
Warum ist der Scanner umstritten?
Datenschützer halten den flächendeckenden Einsatz von Scannern für unverhältnismäßig. Besonders kritisiert wird an den Geräten, dass die erzeugten Nacktbilder die Privatsphäre oder sogar die Menschenwürde verletzen. Außerdem können die Scanner keine Substanzen oder Gegenstände erkennen, die in Körperöffnungen wie Mundhöhle, Gehörgang oder Rektum eingeführt wurden.
Wird der Körperscanner in Europa eingesetzt?
Sogenannte Nacktscanner werden in der EU bislang nur zu Testzwecken eingesetzt. Die EU-Kommission erklärte zwar im Herbst 2008, den Einsatz dieser Geräte an Flughäfen zulassen zu wollen, doch das Europaparlament stoppte das Vorhaben. In Deutschland begannen im Dezember 2008 Laborversuche bei der Bundespolizei, ab September 2010 sollen erste freiwillige Tests am Hamburger Flughafen stattfinden.

DPA
Eine neue Generation von Scannern wird derzeit in Amsterdam, London und Zürich getestet - ebenso wie in Moskau und US-amerikanischen Städten. Laut Experten sind diese Geräte vollkommen automatisiert. Die Scanbilder von unbekleideten Körpern bekommt - angeblich zumindest - kein anderer Mensch mehr zu sehen, sondern nur noch der Computer. Sobald dem Rechner an einem Körper etwas gefährlich erscheint, sendet er eine Warnmeldung.
Fotostrecke
Herbst 2010: Der durchleuchtete Minister