Geocaching in Bayern Waldbesitzer kritisieren GPS-Schnitzeljagd

Wenn es nach den bayerischen Waldbesitzern geht, dann haben Geocacher auf ihrem Grund und Boden nichts zu suchen. Nach ihrem Empfinden verschrecken diese die Tierwelt und schädigen die Natur. Der Staat soll nun helfen.

GPS-Gerät: Moderne Schnitzeljagd durch die Wälder
dapd

GPS-Gerät: Moderne Schnitzeljagd durch die Wälder


München - Versteckte Schätze, zurückgelassener Unrat, zertrampelte junge Pflanzen - für die einen ist Geocaching eine moderne Schnitzeljagd und ein Grund, sich in der freien Natur aufzuhalten. Für Waldbesitzer ist die neue Trendsportart allerdings zunehmend ein Ärgernis.

Ausgerüstet mit einem GPS-Gerät und den geografischen Koordinaten eines versteckten "Schatzes" bahnen sich Geocacher ihren Weg durch die Natur. An welchen Orten die sogenannten "Caches" versteckt sind, können die Sportler vorher im Internet nachlesen. Am Zielort befindet sich meist ein wasserdichter Behälter mit einem Logbuch und einem kleinen Gegenstand. Ist dieser "Schatz" erst einmal gefunden, tragen sich die Geocacher mit einem Fantasienamen ins Logbuch ein und tauschen den Gegenstand gegen einen mitgebrachten neuen "Schatz" ein.

Die genaue Anzahl von Geocachern sei schwierig zu schätzen, meint Jörg Bertram, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Wanderjugend. Hinter den in den Logbüchern vermerkten Nicknames versteckten sich oftmals ganze Familien und Gruppen. Bundesweit gehe er aber von 50.000 bis 60.000 Sportlern aus.

Während immer mehr Freizeitsportler Geocaching austesten, zeigen sich die Waldbesitzer in Bayern zunehmend verärgert. "Das ist überall ein Problem", meint der Geschäftsführer des Bayerischen Waldbesitzerverbandes, Hans Baur. Tag und Nacht streiften mittlerweile Geocacher ohne Kenntnis der Waldbesitzer durch die Natur und verschreckten so die dort ansässigen Tiere und schädigten die Natur.

Rechtliche Handhabung gestaltet sich schwierig

Jedoch sei die Beweislage schwierig. "Ich kann ja nicht nachts warten, bis da einer mit einer Stirnlampe kommt", erklärt Baur. "Unser Problem ist, dass es überhandnimmt." Mehrere Versuche hätten die Waldbesitzer bereits unternommen, um das Problem in den Griff zu bekommen, jedoch bislang erfolglos. Schwierig sei die Situation, weil es keine Vereine als konkrete Ansprechpartner gebe.

Auch die rechtliche Handhabung des Problems gestaltet sich schwierig. "Das Betretungsrecht der freien Natur gilt für alle, aber immer in Einklang mit dem Naturschutzrecht", betont die stellvertretende Pressesprecherin des bayerischen Umweltministeriums, Barbara Litzlbeck-Siebert. So sei das Suchen sogenannter Caches allgemein erlaubt. Das Verstecken von Schätzen kann jedoch unter Umständen unzulässig sein und erfordert deshalb die Zustimmung des Grundeigentümers.

"Wir sind nicht gegen das Betretungsrecht des Waldes", betont Baur. Bei der Novellierung des bayerischen Naturschutzgesetzes im März 2011 wollte der Bayerischer Waldbesitzerverband das Geocachingproblem jedoch eigentlich schon berücksichtigt wissen. "Wir wollten, dass internetgestützte Veranstaltungen als organisierte Veranstaltungen gelten", sagt Baur. Auf diese Weise wäre nicht nur das Verstecken, sondern auch das Suchen nach Caches ohne die Zustimmung der Waldbesitzer ordnungswidrig. Letztlich sei jedoch keine entsprechende Regelung vorgenommen worden, bedauert der Waldbesitzer. Vom Staat fordert Baur nun eine Lösung, um das Problem endlich in den Griff zu kriegen.

Maike Hagedorn/dapd/dkr



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