Reiserecht: Ruhezeit der Crew ist kein Grund für Flugverspätung

Ausschlafen gilt nicht: Ein Ehepaar forderte eine Ausgleichszahlung, weil sich ihr Flug um vier Stunden verspätete. Die Airline weigerte sich zu zahlen. Als Begründung musste die Einhaltung der Crew-Ruhepausen herhalten - zu Unrecht.

Hannover - Verspätet sich wegen der Ruhezeit der Crew ein Flug, steht den Passagieren eine Ausgleichszahlung zu. Das gilt auch, wenn der Grund für die Verspätung des vorherigen Fluges schlechtes Wetter war. In solch einem Fall müsse die Airline eine Ersatzcrew einsetzen oder nachweisen, dass dies nicht möglich war. Das entschied das Amtsgericht Hannover. Auf das Urteil weist die Deutsche Gesellschaft für Reiserecht in ihrer Zeitschrift "ReiseRecht aktuell" hin.

In dem Fall hatte ein Ehepaar einen Flug von Madrid nach Teneriffa gebucht. Dieser verspätete sich jedoch um vier Stunden. Der Kläger forderte deshalb eine Ausgleichszahlung in Höhe von 400 Euro pro Person. Die Airline begründete die Verzögerung mit einem wegen schlechten Wetters verspäteten Flug am Vorabend. Die Flugzeugcrew habe danach die vorgeschriebenen Ruhezeiten einhalten müssen. Deshalb liege ein außergewöhnlicher Umstand vor, der laut EU-Fluggastrechteverordnung die Airline nicht zu einer Ausgleichszahlung verpflichtet.

Dem stimmte das Gericht nicht zu. Den Klägern stehe die geforderte Ausgleichszahlung zu. Die Verspätung habe nicht auf außergewöhnlichen Umständen im reiserechtlichen Sinn beruht. Zwar könne auch schlechtes Wetter bei einem vorhergehenden Flug ein außergewöhnlicher Umstand sein. Dazu müsse die Airline jedoch darlegen, dass sie sich bemüht hat, die Verspätung am Folgetag zu verhindern, es aber nicht geschafft hat. Dies sei in dem Fall nicht geschehen.

Aktenzeichen: 426 C 12868/10

dkr/dpa

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1. Idiotisches Recht
jdm11000 02.11.2012
Zitat von sysopAusschlafen gilt nicht: Ein Ehepaar forderte eine Ausgleichszahlung, weil sich ihr Flug um vier Stunden verspätete. Die Airline weigerte sich zu zahlen. Als Begründung musste die Einhaltung der Crew-Ruhepausen herhalten - zu Unrecht. Gerichtsurteil: Ruhezeit der Crew ist kein Grund für Verspätung - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/reise/aktuell/gerichtsurteil-ruhezeit-der-crew-ist-kein-grund-fuer-verspaetung-a-864897.html)
Solche Urteile und auch solche Begründungen, sind eher in die Kategorie des "idiotischen Rechts " einzuordnen. Was wäre denn gewesen, die Crew hätte weitergearbeitet und der Flug wäre deswegen abgestürzt? Dann hätte der gleiche Richter von unhaltbaren Zuständen gesprochen und die Passagiere unter Umständen darüber geklagt, daß die Angestellten hätten zu lange arbeiten müssen. Was wollen die Richter? Was wollen die Kunden? Alles kann man nicht haben -entweder Sicherheit oder eben Schnelligkeit. Beides in Perfektion geht nicht. Das sollte auch ein Richter mal sich überlegen - als nur nach dem formalen Recht zu entscheiden. Man könnte als Anbieter ja dann auch keine Zeiten für den Abflug mehr angeben - mal sehen, wer dann wieder schreit.
2. Übetrtrieben
guayaquil 02.11.2012
Früher dauerte eine Reise von Madrid nach Teneriffa mindestens 1 Woche wenn nicht 2. Heute haben wir die Möglichkeit, in Stunden an jeden Punkt der Welt zu kommen. Da sind 4 Stunden Verspätung doch nun wirklich ein "Klacks", den man lächelnd übergehen kann. Wir Menschen sind eben verschieden, der Eine nimmt's leicht und freut sich, daß er nicht zu Fuß und per Boot nach Teneriffa reisen muß, der Andere nutzt diese Verspätung (schamlos) aus, um eine Entschädigung rauszuschlagen. Mein vater sagte immer: Wenn's anfängt, dann im Kopf.....
3. Artikel nicht gelesen?
hman2 02.11.2012
Zitat von jdm11000Solche Urteile und auch solche Begründungen, sind eher in die Kategorie des "idiotischen Rechts " einzuordnen.
Ganz im Gegenteil. Sehr gute Entscheidung. Sie sehen da was falsch. Das Gericht hat nicht gefordert, dass die Crew weiterarbeitet. Ganz im Gegenteil. Das Gericht hat nur festgestellt, dass die Airline eine andere Crew hätte rankarren müssen.
4. Huch?
hman2 02.11.2012
Zitat von guayaquilFrüher dauerte eine Reise von Madrid nach Teneriffa mindestens 1 Woche wenn nicht 2.
Was ist für Sie "früher"? Zu Kaisers Zeiten? Eine Verspätung, die länger ist als die komplette Reisedauer (sogar fast doppelt so lang wie die Reisedauer), ist alles andere als ein Klacks. Wieso ist es eine "schamlose Ausnutzung" sein verbrieftes Recht, das glasklar in Form einer EU-Verordnung jedem Reisenden zugesichert wird, in Anspruch zu nehmen?
5.
DMenakker 02.11.2012
Zitat von jdm11000Solche Urteile und auch solche Begründungen, sind eher in die Kategorie des "idiotischen Rechts " einzuordnen. Was wäre denn gewesen, die Crew hätte weitergearbeitet und der Flug wäre deswegen abgestürzt? Dann hätte der gleiche Richter von unhaltbaren Zuständen gesprochen und die Passagiere unter Umständen darüber geklagt, daß die Angestellten hätten zu lange arbeiten müssen. Was wollen die Richter? Was wollen die Kunden? Alles kann man nicht haben -entweder Sicherheit oder eben Schnelligkeit. Beides in Perfektion geht nicht. Das sollte auch ein Richter mal sich überlegen - als nur nach dem formalen Recht zu entscheiden. Man könnte als Anbieter ja dann auch keine Zeiten für den Abflug mehr angeben - mal sehen, wer dann wieder schreit.
JEDE Airline hält i.d.R. an allen Zielen in der Welt Ersatzcrews vor. Wenn es um einen Flug von Madrid nach Teneriffa geht, kann man sogar mit grosser Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass es sich um eine spanische, in JEDEM Fall aber um eine europäische Fluggesellschaft handelt. Es wäre also in jedem Falle möglich gewesen, in der Zwischenzeit eine Ersatzcrew aufzutreiben, sie notfalls einfliegen zu lassen. DAS ist der Grund für das Urteil, und der ist durchaus nachvollziehbar. Denn Ailines lassen Ersatzcrews gerne weg, um Kosten zu sparen. Es muss sie also teurer kommen, KUnden Schadensersatz zu zahlen, als eine Ersatzcrew aufzutreiben.
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