Von Martin U. Müller
Eine E-Mail-Aktion der Lufthansa hat eine mittelschwere Protestwelle im Internet ausgelöst. Die Gesellschaft informierte damit ihre Kunden über einen eigentlich längst bekannten Fakt: Ab 1. Juli wird Lufthansa sich komplett aus dem Flächengeschäft zurückziehen und selbst nur noch Flüge von den Drehkreuzen Frankfurt und München anbieten. Alle anderen Flüge - der sogenannte Direktverkehr, etwa zwischen Hamburg und Köln oder Berlin und Paris - sollen von der konzerneigenen Billigfliegertochter Germanwings übernommen werden.
Das sorgt für Unmut bei den Kunden. "Ich stelle mir gerade so ein wenig die Frage, ob es bei der Lufthansa irgendwo etwas hackt", schreibt ein verärgerter Passagier auf der Facebook-Seite der Fluglinie. "Frechheit", "Ärgernis", "Wut" - viele der Postings sind aufgeregt. Die Reaktion kam für Lufthansa offenbar nicht ganz überraschend: Im Dezember 2012 schrieb die Fluglinie ihren Premiumkunden mit HON-Circle-Status bereits, dass man sich bewusst sei, dass die Umstellung "bei unseren treuesten Gästen auch zu Bedenken führt". Die Marktbedingungen seien daran schuld, trotzdem "diesen Weg" gehen zu müssen.
Besonders angegriffen fühlt sich nun die Gruppe der sogenannten Frequent Traveller, der ersten von drei Qualifikationsstufen im Vielfliegerprogramm "Miles and More". Sie fliegen relativ oft, die meisten von ihnen häufig im Kurzstreckenverkehr. Durften sie bisher in die Business-Class-Lounge, geht das mit der Streckenübernahme durch Germanwings nicht mehr. Auch den Check-in am Business-Class-Schalter oder einen Fast-Track-Zugang bei der Sicherheitskontrolle dürfen sie dann nicht mehr nutzen.
Passagiere fühlen sich degradiert
Geschätzt gibt es 500.000 Vielflieger im Frequent-Traveller-Status, manche von ihnen haben extra Meilen gesammelt, um die silberne Karte zu bekommen. "Das ist ja wohl die größte Frechheit!!! Ich gebe doch nicht tausende von Euro pro Jahr aus um dann einfach so, ruck-zuck auf Grund einer Strategieänderung Eures Konzerns als Dauerkunde degradiert zu werden! Geht's noch??! Nur weil auf dem Produkt jetzt Germanwings steht, soll ich jetzt wieder meine Kohle am Flughafenimbiss lassen und früher aufstehen??", schreibt ein Kunde.
Tatsächlich ist schon jetzt der Silber-Status von Lufthansa auf den meisten Verbindungen kaum noch von Wert: Lounges dürfen etwa schon seit letztem Jahr auch auf Lufthansa-Strecken in Verbindung mit einem Economy-Class-Ticket nur noch dann benutzt werden, wenn sie Lufthansa selbst gehören.
Auch stört viele Kunden offenbar der Umgang der Airline mit dem Protest. Im schönsten Marketing-Sprech versuche man, Verschlechterungen als "innovative Angebote" zu verschleiern, die "neue Maßstäbe setzen". Verschiedene User berichten, dass ihre Facebook-Postings auf der Seite von Lufthansa gelöscht worden seien. Der meiste Protest bleibt zwar stehen, oft aber schlicht unbeantwortet. Nach Angaben eines Sprechers der Fluggesellschaft wurden die Social-Media-Betreuer im Rahmen des Mailings nicht aufgestockt.
Versprechen einer "neuen Germanwings"
Schon seit längerem steht die wirtschaftlich angeschlagene Lufthansa in der öffentlichen Kritik. Vor allem Geschäftsreisende wehren sich dagegen, künftig oft keine Möglichkeit mehr zu haben, Lufthansa zu fliegen. Manche drohen damit, auf Air Berlin umzusteigen, bevor man Maschinen des Billigfliegers Germanwings nutze. Dabei ist Lufthansa bemüht zu kommunizieren, dass es sich um die "neue Germanwings" handele, die mit dem bisherigen Produkt nicht vergleichbar ist.
"Viele Reaktionen beziehen sich auf ein Angebot, das erst ab Juli im Markt ist und erst dann erlebbar sein wird", sagt Lufthansa-Sprecher Andreas Bartels. "Wir sind überzeugt, dass die neue Germanwings bei den Fluggästen gut ankommen wird." In Hamburg wird die Umstellung bereits ab Ende März beginnen. Abgesehen von den Verbindungen nach Frankfurt und München werden dann alle Verbindungen von Germanwings bedient. Je nach Tarif sind verschiedene Extras enthalten.
Schon im vergangenen Jahr brachten zahlreiche Neuerungen bei "Miles and More" Lufthansa Kundenärger ein: HON-Circle-Meilen in der Economy Class wurden gestrichen, Upgrades eingeschränkt. Auch der Gerichtsprozess um die Meilenentwertung, den der Hamburger IT-Professor Tobias Eggendorfer führt, ließ Lufthansa als wenig kundenfreundlich dastehen. Nun will er den Fall vor den Bundesgerichtshof bringen.
Eine Nutzerin macht auf Facebook nun einen ganz anderen Vorschlag: "Von Hamburg nach Paris fährt man auch ganz prima mit der Bahn. Und da wir demnächst eh nur noch von Hamburg Germanwings fliegen sollen, ist das eine feine Alternative!" Und in Anlehnung an den Iata-Code "4U" von Germanwings schreibt ein Noch-Kunde: "4U not 4me".
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