Glamour-Camping: Zeltlager für Besserverdiener

Kingsize-Bett statt Isomatte, Luxus-Zelte mit Polstergarnitur: Glamouröses Campen ist schon lange ein Trend in den USA. Auch in Europa gibt es inzwischen einige "Glamping"-Plätze. Hier schlafen Outdoor-Fans in Oldtimer-Vans, Deluxe-Tipis - oder mongolischen Jurten.

Glamour-Camping: Deluxe-Zelten in Europa Fotos
TMN

Muffige Schlafsäcke, schnarchende Nachbarn, schmuddeliges Gemeinschaftsklo - wie war man froh, das hinter sich zu haben und statt in Papas Drei-Mann-Zelt in einem richtigen Hotel Urlaub zu machen. Mit gedeckter Tafel statt Plastikgeschirr, mit Designerbad statt Gartenschlauchdusche. Doch irgendwann fiel auf, dass dabei einiges verloren ging: Schlafen unterm Sternenhimmel, Naturerlebnis, Lagerfeuer. Mit der Romantik eines Outdoor-Urlaubs kann auch das schönste Hotel nicht mithalten.

Wer trotzdem nicht in enge, undichte Zelte und auf harte Isomatten zurückkehren möchte, kann es auch etwas luxuriöser haben. Als "Glamping" - eine Abkürzung für "glamouröses Camping" - wird der Trend für wohlhabende Naturfreunde bezeichnet: Zelten mit Luxus-Touch. In den USA und Großbritannien ist das nichts völlig Neues. Selbst Prominente wie Kate Moss und der Fernsehkoch Jamie Oliver haben sich bereits als Glamper geoutet.

Beliebt ist Glamping vor allem bei einer Klientel, die zwar Luxus im Urlaub als selbstverständlich betrachtet, sich aber politisch korrekt verhalten möchte und sich über die ökologischen Folgen eines Fünf-Sterne-Urlaubs inklusive Fluganreise Gedanken macht.

So wie manche Hollywoodstars - George Clooney zum Beispiel - von der Luxuskarosse auf Hybridautos umsteigen, so propagieren die Glamping-Anhänger ein Zurück zur einfacheren Lebensweise. Der Öko-Ansatz funktioniert natürlich nur, wenn man im eigenen Land glampt - wer dafür extra von Europa nach Australien fliegt, vergrößert seinen ökologischen Fußabdruck gewaltig.

Verfälschtes Naturerlebnis

Hat man sich für einen Glamping-Urlaub entschieden, erwarten einen geräumige Zelte, in denen es statt Isomatten richtige Betten gibt, statt Klappstühlen schöne Holzmöbel und oft auch fließendes Wasser. Auf Websites wie goglamping.net und glampinggirl.com kann man sich ein Bild von dieser Urlaubsform machen.

Mancher mag sich darüber mokieren, dass der Glamper sein Zelt nicht selbst aufstellt, geschweige denn durch die Wildnis trägt und dass der Luxus das Naturerlebnis verfälscht. Wie auch immer man dazu steht: Das Angebot wächst längst auch außerhalb Großbritanniens und der USA. In den Niederlanden, wo Camping traditionell beliebt ist, gab es bereits erste eigene Glamping-Abteilungen auf den großen Touristikmessen, berichtet Klaus Schneider, Geschäftsführer der deutsch-holländischen Vacanceselect Gruppe, die Camping auf gehobenem Niveau anbietet.

In Italien, Spanien, Portugal und Frankreich sind die Voraussetzungen für Glamping besser als hierzulande: Es gibt mehr unberührte Natur und meist besseres Wetter. Vor allem die Franzosen haben das Glampen für sich entdeckt. Im sonnigen Languedoc, in der ursprünglichen Dordogne oder im wildromantischen Massif Central finden sich Dutzende von Glamping-Plätzen. Ob waschechte Indianer-Tipis oder riesige Beduinenzelte, mittelalterliche Turnierzelte oder mongolische Jurten - die Schlafstätten sind oft Monate im Voraus ausgebucht.

Zigeunerwagen mit Glasdach

Oder wie wäre es mit Urlaub im Roulotte, einem bunt bemalten Zigeunerwagen, durch dessen gläsernes Dach man nächtens zum Firmament aufschaut? Der Anbieter Roulottes de Campagne hat sie aktuell bereits auf mehr als 60 Plätzen in Frankreich aufgestellt - und kündigt weitere an.

Zu den ungewöhnlichen Wohnwägen gehören auch jene silberglänzenden Ostereier, denen selbst Outdoor-Muffel die Bewunderung kaum verwehren können: die Camping-Vans der Marke Airstream. Sie kosten ein Vermögen, was erst recht gilt, wenn es sich um Oldtimer handelt. Deshalb mietet man sie besser. Tage- oder wochenweise geht das zum Beispiel im Belrepayre Airstream Trailer Park südlich von Toulouse, der von zwei ehemalige Zirkusartisten geführt wird. Oder im Camp Silver auf der niederländischen Insel Texel. Dort hat ein Designer die Wagen im Sixities-Stil ausgestattet.

In Deutschland sind die Ansätze noch zaghaft. Man muss lange suchen, bis man eine Einrichtung findet, bei der sich hinter der Bezeichnung "luxuriöser Campingplatz" der wahre Geist des Glamping zeigt.

Im Ostseebad Dahme an der Lübecker Bucht versucht man, der Idee nahezukommen: Im Eurocamping Zedano stehen sie tatsächlich, die Zeltbehausungen der Oberklasse. Fertig aufgestellt - was für den Bezieher ja schon ein erster Luxus ist -, riesengroß und eingerichtet wie Meryl Streeps Farm in "Jenseits von Afrika". "Luxus-Safari-Zelt" heißt dieser Camping-Palast mit Himmelbett, Badewanne und sandfarbener Polstergarnitur. Und die Betten sind: frisch bezogen.

Barbara Kolb, dpa

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Reise
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Aktuell
RSS
alles zum Thema Camping
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback