Flughafen Heathrow Airline testet Datenbrillen beim Check-in

Durchleuchten mal anders: Passagiere von Virgin Atlantic werden am Flughafen Heathrow neuerdings von bebrillten Mitarbeitern der Airline begrüßt. Der Einsatz der Google-Glass-Technologie soll Reisenden eine persönlichere Erfahrung bescheren - und dem Unternehmen liefert sie nützliche Daten.

Herzlich willkommen, Herr Meier: Persönliche Begrüßung dank Google Glass
Virgin Atlantic

Herzlich willkommen, Herr Meier: Persönliche Begrüßung dank Google Glass


Die Zukunft des Flugreisens sitzt auf der Nase - zumindest wenn es nach Virgin Atlantic geht. Die britische Fluggesellschaft testet derzeit am Flughafen London Heathrow die "topaktuelle Technologie" Google Glass, wie das Unternehmen jetzt bekanntgab. Die kleinen, in einen Brillenrahmen integrierten Computer zieren ab sofort die Gesichter von allen Mitarbeitern des Begrüßungspersonals im "Upper Class"-Flügel am Terminal 3, heißt es im Firmen-Blog. Neben anderen tragbaren Technologien teste man zudem iBeacon, eine Lokalisierungstechnik, mittels derer man Informationen an in der Nähe befindliche Geräte mit iOS-Betriebssystem senden kann.

Das Prozedere: Passagiere, die die obere Preisklasse gebucht haben, werden per Limousine zum Terminal gebracht. Dort begrüßen die mit der Datenbrille ausgestatteten Mitarbeiter sie mit Namen und beginnen mit dem Check-in. Über die Google-Technologie rufen sie die neuesten Informationen zu Flug, Wetter und lokalen Ereignissen am Ankunftsort ab. In Zukunft könnten die Datenbrillen zudem Informationen beispielsweise zu den Präferenzen der Fluggäste beim Essen und Trinken liefern - "alles, was einen besseren und personalisierteren Service ermöglicht", so das Unternehmen.

Der Vorstoß sei aus dem Resultat einer Befragung von 10.000 Flugpassagieren aus aller Welt entstanden, erklärte Virgin Atlantic. Demnach befanden 42 Prozent der Stichprobe, dass Fliegen heute nicht mehr so glamourös sei wie früher. Der Einsatz der neuen Technik soll zu Hinweisen führen, wie man den Erlebniswert steigern und die gestiegenen Erwartungen der Reisenden erfüllen kann. Zudem hofft man durch die Vernetzung auf eine bessere Effizienz dank reibungsloserer, besser abgestimmter Abläufe.

Glückwunsche und Kritik: Innovation oder Geldverschwendung?

Laut der Umfrage der Fluggesellschaft wünschen sich 30 Prozent der britischen Passagiere personalisierte Bordmenüs, die sie im Voraus bestellen können, und 19 Prozent würden gerne elektronisch einchecken, statt ihr Ticket weiter auf Papier ausgedruckt mitbringen zu müssen. Noch mehr Befragte wünschten sich allerdings dringender noch größere Fenster, mehr Platz sowie W-Lan an Bord - und ruhigere Flugzeuge. Laut IT-Direktor Dave Bulman will man auch diese Vorstellungen in Zukunft erfüllen. Fliegen solle schließlich "ein Vergnügen sein, keine Last".

Ob die Begegnung mit den Datenbrillen für die Passagiere von Virgin Atlantic erfreulich sein wird oder - auch angesichts der gesammelten Daten - doch eher Unbehagen hervorruft, wird sich mit Sicherheit wohl erst nach der vierwöchigen Testphase und bei einer dauerhaften Einführung zeigen. Die Kommentare auf dem Facebook-Profil von Virgin Atlantic enthielten neben Glückwünschen zur Innovationsfreude des Unternehmens auch viele kritische Anmerkungen - von "Geldverschwendung" über Fragen zur Sicherung der Privatsphäre zu Bedenken, der "menschliche Touch" würde durch die Vorab-Übermittlung persönlicher Details verschwinden.

Google Glass ist noch nicht im freien Handel erhältlich, der Verkaufsstart ist für dieses Jahr geplant. Interessenten aus den USA können sich aber beim "Glass Explorer Program" bewerben, um die Datenbrille vorab zu testen. Neben Virgin Atlantic experimentieren nach Medienberichten derzeit auch andere Unternehmen wie beispielsweise die Westpac-Bank in Neuseeland und die New Yorker Polizei mit einem Einsatz der Technologie. Datenschützer befürchten einen Missbrauch.

emt

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insgesamt 4 Beiträge
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Mertrager 12.02.2014
1. Fliegen
... ist heute alles andere als komfortabel. Daran wird auch eine solche Spielerei nichts ändern, denn sie wird nicht mehr leisten, als man auch ohne diese Technik leisten könnte, wenn man wollte. Heutzutage ist der Passagier das Mittel zum Zweck. Und der heißt Geld. Rechte und Annehmlichkeiten sind abgeschminkt. Begründet wird das meist mit der Terrorgefahr und "Kosten". Natürlich trägt auch der Kunde seinen Teil dazu bei, in dem er oftmals das billgste Angebot bevorzugt. Nicht bedenkend, dasz Schlechtes nicht billig sein muß.
rockyrod 14.02.2014
2. Gut zu wissen, um welche Airline ich
künftig einen Bogen mache. Wer mich online identifizert und Datensätze über mich anlegt, kann auf mich als Kunden sicher gerne verzichten.
Paul Lenz 15.02.2014
3. Erlebniswert steigern?
Da sehe ich kaum Chancen. Entweder die Fluggesellschaft gibt bares Geld aus (mehr Platz pro Sitz, mehr Platz für Handgepäck, Stromversorgung für Notebooks etc.) oder der Flughafen muss investieren (kürzere Schlangen an Schaltern, Kontrollen etc.) Datenbrillen bringen nichts wesentliches für den Erlebniswert.
swnf 03.07.2014
4. Lassen Sie es lieber ganz bleiben
Zitat von rockyrodkünftig einen Bogen mache. Wer mich online identifizert und Datensätze über mich anlegt, kann auf mich als Kunden sicher gerne verzichten.
Dann sollten Sie aber mit dem Fliegen komplett Schluss machen - das machen nämlich alle Airlines (ob mit oder ohne Glass)! Willkommen in der Gegenwart!
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