Gratis-Tipps für unterwegs: Wikipedia startet Reiseführer-Angebot

Wikipedia macht ernst auf dem Reiseführer-Markt: Das nutzergenerierte Angebot Wikivoyage soll Verlagen ernsthafte Konkurrenz bescheren - denn alle Informationen sind gratis. Die etablierten Anbieter reagieren trotzdem zunächst gelassen.

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Wikivoyage

Internetseite Wikivoyage: Kostenlose Tipps von Nutzern

Berlin - Die Online-Enzyklopädie Wikipedia wird um ein Reiseangebot erweitert. Sie nahm am Dienstag das Angebot Wikivoyage in ihr Repertoire auf, das Artikel zu Reisezielen in aller Welt enthält. Eine Beta-Version war bereits seit November online. Ebenso wie die Wikipedia selbst wird auch die Reiseseite von Freiwilligen befüllt. Sie beschreiben dort Städte, geben Hinweise auf Sehenswürdigkeiten und stellen Fotos ein.

Artikel werden in neun Sprachen verfasst, darunter Deutsch und Englisch. Die deutsche Version enthält bereits mehr als 12.000 Texte, die aus dem Fundus von Wikitravel stammen, einem Portal, das nun durch das neue Angebot abgelöst wird.

"Unser Ziel ist es, einen weltweiten Reiseführer zu erstellen", sagte der Vorsitzende des deutschen Wikivoyage-Vereins, Stefan Fussan. Dazu wolle er nicht nur Orte beschreiben, sondern auch thematische Tipps beispielsweise zu Radtouren oder Ausflügen zu Weltkulturerbestätten der Unesco sammeln. Subjektive Eindrücke der Autoren sind willkommen. "Wir wollen nicht nur die trockenen Empfehlungen haben", sagt Fussan. "Wir wollen den Leuten ein Gefühl für das Land vermitteln."

Der 42-Jährige arbeitet seit 2005 an dem Projekt, den Wikivoyage-Verein gibt es seit 2006. Von der jetzigen Aufnahme in die Wikipedia erhofft sich Fussan weitere Autoren und den Zugang zur besseren Infrastruktur der Stiftung. Mit einer wachsenden Autorengemeinschaft könnten auch die Qualitätsstandards des Portals auf den Prüfstand gestellt werden. Bisher sind viele Beschreibungen kaum mit Quellenangaben belegt, wie es in der Wikipedia üblich ist.

Für gedruckte Reiseführer, deren Verkaufszahlen allgemein rückläufig sind, könnte hier eine ernstzunehmende Konkurrenz entstehen. Brice Gosnell vom Lonely-Planet-Verlag sieht das jedoch gelassen: "Seit zehn oder zwölf Jahren haben wir diese Art von Konkurrenz, und wir haben gemerkt, dass die Leute weiterhin vertrauenswürdige Inhalte mit Markennamen suchen", sagte er dem Nachrichtenportal NBC News. "Bei nutzergenerierten Inhalten weiß man nicht, von wem er wirklich stammt und welche Erfahrungen die Schreiber haben."

sto/dpa

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