Großeinsatz nach Sprengstoffverdacht: Polizei sucht Flüchtigen im Münchner Flughafen
Ausnahmezustand am Flughafen München: Beim Check eines Laptops haben Sicherheitsgeräte Sprengstoffalarm ausgelöst - der Besitzer flüchtete daraufhin in den Terminal 2. Die Polizei sperrte große Teile des Gebäudes, stoppte Flugzeuge, Tausende Passagiere sitzen fest.
München - Ein Teil des Münchner Flughafens ist am Mittwoch wegen eines Hinweises auf Sprengstoff gesperrt worden. Bei den Sicherheitskontrollen beim Einchecken habe der Laptop eines Passagiers positiv auf Sprengstoff angeschlagen, sagte ein Sprecher der Bundespolizei in München.
Während ein Sicherheitsbeamter das Gerät noch einmal genauer untersuchen wollte, "entfernte" sich der Mann in den nicht-öffentlichen Sicherheitsbereich des Terminals. Ob er davonrannte und sich absichtlich jener zweiten Kontrolle entzog, konnte ein Sprecher der Bundespolizei nicht sagen. Auch ob der Mann den Laptop mitnahm, ist derzeit unklar. Die Nachrichtenagentur AFP berichtet, der Mann habe das Gerät mitgenommen. Nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur wird der Computer jedoch derzeit untersucht.
Der Passagier sei bei der ersten Überprüfung am Flughafen aufgefallen, sagte ein Sprecher der Bundespolizei München. Üblich seien zwei. Bei der ersten würden mit einer Art Staubsauger sogenannte Staubpartikel des Gegenstands - in diesem Fall des Laptops - abgesaugt und anschließend chemisch analysiert. "Wenn sich herausstellt, dass Substanzen dabei sind, die auch in Sprengstoff enthalten sind, wird eine zweite Überprüfung durchgeführt", so der Sprecher. Als einer der Sicherheitsbeamten die zweite Überprüfung beginnen wollte, habe sich der Passagier "entfernt".
Polizei fahndet mit Bildern aus der Überwachungskamera
Der Vorfall ereignete sich gegen 15.30 Uhr, seither sind die Einsatzkräfte am Flughafen in Alarmbereitschaft: Einsatzkräfte suchen mit Spürhunden nach dem Mann, die Bundespolizei löste Großalarm aus und sperrte die Ebene 4 des Terminals 2. Diese Ebene dient der Abfertigung sogenannter Schengen-Flüge. Für diese Ziele innerhalb Europas muss der Fluggast nach Angaben der Bundespolizei nicht durch eine Passkontrolle, sondern lediglich durch die Sicherheitsschleuse.
Für die Fluggast-Kontrolle ist die Regierung Oberbayern zuständig. Sie wird allerdings von einer externen Sicherheitsfirma durchgeführt. Üblich ist, dass hierbei nur die Zugangsberechtigung in Form eines Flugtickets samt Ausweis hochgehalten wird, eine intensive Passkontrolle jedoch nicht stattfindet. Daher ist die Identität des Mannes noch unklar. Wohin der Mann fliegen wollte, ist ebenfalls bislang nicht bekannt.
Die Polizei sucht nun mit Hilfe von Bildern aus der Überwachungskamera nach dem Mann. Ein Sprecher der Bundespolizei sagte, er rechne mit einer schnellen Festnahme.
Dutzende Flüge wurden annulliert
Unklar ist, ob der Mann tatsächlich Sprengstoff in seinem Laptop versteckt hatte. Ein Sprecher der Bundespolizei vor Ort sagte, Auslöser des Alarms könnten durchaus auch andere chemische Stoffe wie etwa Parfüms sein. "Das muss nicht zwingend heißen, dass da Sprengstoff drin ist", sagte Polizeisprecher Albert Poerschke. Es könnte sein, dass der Mann nur "schnell, schnell" zu seiner abfliegenden Maschine hetzte und deshalb weggerannt sei. "Wir gehen davon aus, dass der Mann nicht mehr mitbekommen hat, dass noch was kommen sollte", so Poerschke.
Rund 60 Flüge wurden bislang annulliert oder sind verspätet. Passagiere, die bereits in Flugzeugen saßen, mussten wieder aussteigen. Sie und Reisende, die an den Gates warteten, mussten den Bereich verlassen und noch einmal durch die Kontrolle.
Alle Passagiere und das gesamte Personal der in Terminal 2 angesiedelten Geschäfte wurden überprüft, bevor sie den Bereich verlassen konnten.
Am Terminal 2 werden die Flugzeuge der Lufthansa und der Star Alliance abgefertigt. Es hat eine Kapazität zur Abfertigung von rund 25 Millionen Passagieren pro Jahr.
han/abl/dpa/AFP/apn
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- Mittwoch, 20.01.2010 – 17:47 Uhr
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