Neuer Guide Michelin Frankreich feiert neue Sterneköche

Frankreich hat zwei neue Drei-Sterne-Restaurants - eins davon haben Vater und Sohn von einer Skihütte zum Gourmettempel geadelt. Insgesamt führt der Guide Michelin nun mehr als 600 Küchen im Mutterland der "Haute Cuisine" auf.

René und Maxime Meilleur ("La Bouitte"), Yannick Alléno ("Pavillon Ledoyen") (v.l.n.r.): Drei Sterne für ihre Spitzenküche
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René und Maxime Meilleur ("La Bouitte"), Yannick Alléno ("Pavillon Ledoyen") (v.l.n.r.): Drei Sterne für ihre Spitzenküche


Paris - Im Februar kocht in Frankreich traditionell die Gerüchteküche fast über: Wer wird bei dem Sterneregen des roten Fressführers von Michelin befördert, wer bekommt sein Fett weg und verliert bei der kulinarischen Klassifizierung einen Rang?

So war es auch diesmal vor der feierlichen Bekanntgabe der neuen Spitzenköche des Landes, das seinen Ruf als Wiege der "Haute Cuisine" gegen die Kochkunst anderer Länder behaupten muss. Seit 115 Jahren gibt es nun den "Guide Michelin" des Reifenherstellers aus Clermont-Ferrand. Und ungebrochen sind die Neugierde und der Medienandrang, wenn es darum geht, wer aus seiner Küche heraus in den Sternenhimmel gehoben wird.

Zwei Restaurants sind es in diesem Jahr, die von jetzt an auch drei Sterne führen dürfen: Diese Goldmedaillen der Kochkunst, ermittelt von dem Heer anonymer Tester, bekommen "Le Pavillon Ledoyen" mit dem Chef Yannick Alléno auf den Pariser Champs-Elysées und "La Bouitte" von René und Maxime Meilleur in dem Skiort Saint-Martine de Belleville. Sie stiegen in die illustre Reihe der Spitzenrestaurants auf - 26 sind es insgesamt, die wegen ihrer Küche "eine Reise wert" sind.

Starkoch Yannick Alléno war bereits im Jahr 2007 als Koch des Restaurants "Meurice" in Paris mit drei Sternen geehrt worden. Im Juli übernahm der 46-Jährige das "Ledoyen", das unter seinem Vorgänger Christian Le Squer schon drei Sterne gehalten hatte - die Alléno nun verteidigte.

Das "La Bouitte" bot früher Raclette und Käsefondue für Skifahrer an - jetzt bringen die Sterne das "kleine Haus" "auf den Gipfel, das ist unglaublich", sagte der 64-jährige René Meilleur, der zusammen mit seinem Sohn Maxime am Herd steht. "Das ist, als wäre ich mit meinem Vater Biathlon-Champion geworden", sagte Maxime Meilleur. Ihr Hotel auf fast 1500 Meter Höhe in Savoyen wurde vor knapp 40 Jahren eröffnet. Menüs kosten zwischen 115 Euro für drei Gänge und 225 Euro für acht Gänge.

Außenminister lobt Gastronomie als Botschafter

Erstmals wählte Michelin das französische Außenministerium, um seinen neuen Essführer vorzustellen. Dutzende Männer mit weißen Kochmützen und Schürzen bevölkerten den prachtvollen Ehrensalon am Pariser Quai d'Orsay. "Die Gastronomie ist ein außerordentlicher Botschafter", sagte Außenminister Laurent Fabius, auch für Tourismus und Außenhandel zuständig.

Frankreichs Kochkunst - die sogar Unesco-Welterbestatus hat - hat mit Fabius einen erstrangigen Förderer. Er steht auch hinter einer weltweiten Aktion, die am 19. März auf die französische Küche aufmerksam machen soll: Mehr als tausend Küchenchefs auf allen Kontinenten werden ihre jeweiligen Menüs "à la française" zubereiten, eine Art kollektive Huldigung der französischen Esskultur.

Kritiker meinen, dies sei wohl auch nötig: International gebe es doch immer mal wieder Schlagzeilen über die Restaurants des Landes, in denen oft gar nicht frisch zubereitet werde und es an Service mangele, aber nicht an hohen Preisen.

"Gute Küche findet sich überall im Land, Frankreich liebt seine Gastronomie und seine Restaurantchefs", hält der Guide-Michelin-Chef Michael Ellis entgegen. Die Stärke der Regionen in der Kochkunst wird vor allem bei den 37 neuen Restaurants mit einem Stern deutlich - 30 von ihnen liegen außerhalb des Großraums Paris. Neben den jetzt 503 Restaurants mit einem Stern gibt es noch 80 mit zwei Sternen. Darunter sind sieben neue Sterneköche, die in überwiegender Zahl nicht in Paris kochen.

abl/dpa/AFP

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