Pilotprojekt in Hamburg Bahn will Autofahrer von der Straße locken

Aus der Haustür, direkt ans Ziel: Viele Reisende wollen auf den Komfort des eigenen Autos nicht verzichten. Die Bahn hat nun ein Konzept entwickelt, das genauso bequem sein soll - nur umweltfreundlicher.

Neue App Ioki
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Neue App Ioki


Mit einem verbesserten Angebot im Nah- und Fernverkehr will die Deutsche Bahn angesichts der zunehmenden Straßenverkehrsprobleme vor allem Autofahrer als neue Kunden gewinnen. In Hamburg startet die Bahn über ihre Digitaltochter Ioki dazu am Mittwoch mit dem Verkehrsverbund HVV ein Pilotprojekt.

Dabei sollen sich Kunden des Nahverkehrs per Smartphone-App von Shuttles zu Hause abholen und zum Nahverkehrspreis zur nächsten S-Bahn bringen lassen können. Das Angebot ist zunächst in den westlichen Stadtteilen Lurup und Osdorf verfügbar.

Die Mitfahrt ist laut einer Mitteilung der Bahn mit allen Zeit- und Einzelfahrtkarten des HVV möglich, sodass den Nutzern keine Mehrkosten entstehen. Fahrgäste mit ähnlichen Routen werden demnach mit Hilfe eines Algorithmus automatisch zu Fahrgemeinschaften gebündelt und gemeinsam befördert. In der Startphase ist der neue Shuttle montags bis freitags von vier Uhr morgens bis ein Uhr nachts im Einsatz - ab 8. August soll er dann täglich und rund um die Uhr fahren.

Im Video: Hamburger Hochbahn - Verkehrsunternehmen für Millionen

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Das Ziel sei, den öffentlichen Verkehr so komfortabel zu machen wie den individuellen, sagte Personenverkehrsvorstand Berthold Huber der "Süddeutschen Zeitung". "Es geht uns um mehr Mobilität, aber weniger Verkehr", sagte er. Die Bahn wolle vor allem Autofahrer von zu Hause bequemer in die Zentren bringen, "sodass sie ihr Auto nicht vermissen".

Zunächst sind dafür zehn Elektroautos im Einsatz. Auch ÖPNV-Nutzer andernorts sollen den Shuttle-Dienst künftig nutzen können. "Solche Angebote werden bald in anderen Städten folgen", sagte Huber. Die Nachfrage sei auch international groß.

Um den öffentlichen Verkehr auch auf langen Strecken attraktiver zu machen, will der Konzern zudem das Fernverkehrsangebot deutlich ausbauen. "Wir wollen in den nächsten Jahren zwischen den Metropolen vom Stunden- auf den Halbstundentakt kommen", sagte Huber. "Wir betreiben dann fast schon eine bundesweite S-Bahn."

kry/AFP



insgesamt 27 Beiträge
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lachina 18.07.2018
1.
ich bin gehbehindert und oft ist es für mich schwierig, von der Haustür zur Bushaltestelle zu kommen. So ein Shuttle wäre eine tolle Sache. Und natürlich für ängstliche Menschen bei Dunkelheit, die lieber bis zur Haustür gefahren werden wollen anstatt vom U- Bahnhof loszugehen. Und für Leute mit Einkäufen.....und ....und..... sehr begrüßenswert! Bei uns am Ort gab es eine zeitlang mal das Taxi, das 24Stunden jede Stunde fuhr und dass man auch mit Ticket benutzen konnte. Es wurde leider wieder abgeschafft .
hansiwalter 18.07.2018
2. Das kann der Schwabe schon länger
Da sind die Nordlichter aber früh dran. Die Stuttgarter haben sowas schon seit Anfang des Jahres. Heißt FlexPilot und jetzt ne SSB Flex. Eine tolle Sache! Mehr davon liebe Firma mit dem Stern!
tales.dom 18.07.2018
3. Die Bahn
sollte lieber die LKW´s, die Deutschland lediglich durchqueren mit einem entsprechenden Angebot auf die Schiene locken. Viele LKW´s fahren von Frankreich bis in die Ukraine etc. Diese sollte man von der Autobahn nehmen. Sleep and Travel. Die Fahrer könnten sich erholen, wie unser Umwelt. Damit wäre schon mal ein guter Schritt geschafft. Von der Unfallreduzierung gar nicht erst gesprochen.
hru 18.07.2018
4.
Zitat von tales.domsollte lieber die LKW´s, die Deutschland lediglich durchqueren mit einem entsprechenden Angebot auf die Schiene locken. Viele LKW´s fahren von Frankreich bis in die Ukraine etc. Diese sollte man von der Autobahn nehmen. Sleep and Travel. Die Fahrer könnten sich erholen, wie unser Umwelt. Damit wäre schon mal ein guter Schritt geschafft. Von der Unfallreduzierung gar nicht erst gesprochen.
Das Angebot gibt es ja schon lange, es fliegt aber nicht. Das Problem ist, dass die Kosten für den LKW überwiegend auch anfallen wenn der auf dem Zug steht. Ausserdem ist der Zug erstens langsamer als der LKW und dann kommen noch die Zeiten für Be- und Endladen. Das geht für Auflieger und Container, die rollende Landstr. funktioniert durch die Schweiz, weil da die 40ig Tonner nicht fahren dürfen. Sonst nicht.
shaboo 18.07.2018
5. Gut gemeint, aber ...
... letztlich doch nicht mehr als niedlicher Kokolores. Tatsache ist nun mal, dass der Hauptgrund für Autonutzung die Zeitersparnis ist und daran ändern solche Shuttle-Dienste nun mal praktisch gar nichts. Ich weiß, wovon ich rede: Ich verzichte tatsächlich konsequent auf ein Auto und pendle deshalb zur Arbeit jeden Tag 90 Minuten pro Strecke, während es nur etwa 30 Minuten pro Strecke wären, wenn ich ein Auto nutzen würde, und das obwohl ich mit dem Bus nur zehn Minuten bis zum Hauptbahnhof und zu Fuß ebenfalls nur zehn Minuten bis zur nächsten S-Bahn-Station brauche. Wer die massenhafte individuelle Alltagsmobilität tatsächlich eindämmen möchte, der braucht einfach mehr, schnellere und direktere Verbindungen, eine engere Taktung und (idealerweise) einen kostenlosen Nahverkehr. Natürlich ist das in einem Land, dessen Bürger man jahrzehntelang zu Spaß- und Überzeugungsautofahrern erzogen hat, nicht mehrheitsfähig, aber weniger als das kann man sich auch einfach schenken, Natürlich ist das für all diejenigen schön, die jetzt bereits auf das Auto verzichten, aber zum Umsteigen bewegen wird das niemanden.
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