Nach Stromausfall am Hamburger Flughafen Keine Entschädigung für Passagiere

Auch wenn der Betrieb am Hamburger Flughafen wieder angelaufen ist, es gibt weiterhin Verspätungen und Flugstreichungen. Die vom Stromausfall betroffenen Passagiere können nicht auf Ausgleichszahlungen nach EU-Recht hoffen.

Passagiere am Hamburger Flughafen
DPA

Passagiere am Hamburger Flughafen


Nach dem Stromausfall am Hamburger Flughafen ist der Betrieb am Montag wieder angelaufen. Es komme aber noch zu Verspätungen und Flugstreichungen, teilte der Betreiber mit. Die Ursache des Blackouts vom Sonntag, der Zehntausende Passagiere betroffen hat, ist weiter unklar. Klar hingegen ist, dass sie wohl nicht auf eine Entschädigung nach EU-Recht hoffen können. "Da werden die Airlines drum herumkommen", sagt der Reiserechtsexperte Paul Degott aus Hannover.

Ein Vorfall wie der Stromausfall sei als außergewöhnlicher Umstand zu betrachten - und dann ist eine Fluggesellschaft von der Zahlung befreit. Wird ein Flug annulliert oder verspätet sich um mehr als drei Stunden, steht Passagieren laut EU-Fluggastrechteverordnung eigentlich eine Entschädigung zu. Je nach Flugdistanz sind das 250 bis 600 Euro. "Die wird hier nicht zu zahlen sein", sagt Degott.

Wozu eine Fluggesellschaft allerdings verpflichtet ist: Für die Passagiere eine alternative Beförderung zum Zielort zu organisieren, etwa einen Ersatzflug oder eine Bahnfahrt. Und sie muss ihre Gäste bei Bedarf in einem Hotel unterbringen. Wenn die Airline sich nicht kümmert, könne ein Passagier sich eigenhändig eine Ersatzbeförderung organisieren und die Kosten der Fluggesellschaft in Rechnung stellen, so Degott. Denkbar sind Auslagen für Taxifahrten zum Bahnhof, Bahntickets und Ersatzflüge zum Urlaubsziel.

Weiterhin Verspätungen und Flugstreichungen

Bei einer Pauschalreise ist der Reiseveranstalter in der Pflicht. Er muss den Urlauber auf alternativen Wegen ans Ziel bringen. Geht durch die Verzögerung wertvolle Zeit am Urlaubsort verloren, lässt sich nachträglich der Reisepreis anteilig mindern.

Aktuell informiert der Hamburger Flughafen auf seiner Internetseite über den derzeitigen Stand bei den An- und Abflügen. Nach Angaben des Flughafens waren am Montag 214 Ankünfte und 214 Abflüge geplant. Davon fielen bis zum Vormittag 23 Abflüge und zwölf Ankünfte aus. Diese Zahl könne sich im Tagesverlauf noch erhöhen, hieß es. Der Flughafen arbeite "mit Hochdruck" daran, dass der Betrieb ab Dienstag wieder ganz normal laufen könne.

Passagiere, die von Flugausfällen am Sonntag betroffen waren oder für Montag einen Flug ab Hamburg buchten, werden gebeten, noch vor der Anreise zum Airport ihre Fluggesellschaft zu kontaktieren.

ele/dpa/AFP

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insgesamt 26 Beiträge
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Seite 1
DerBlicker 04.06.2018
1. falscher Ansprechpartner
Natürlich müssen die Airlines nicht zahlen, aber der Flughafen muss zahlen. Er hat klar Schadenersatz zu leisten, weil er keine Notstromversorgung vorgehalten hat, dazu ist ein sorgfältiger Flughafenbetreiber aber schon aus Sicherheitsgründen verpflichtet. Eine Klage gegen den Hamburger Flughafen hat daher sehr wohl Aussicht auf Erfolg.
sikasuu 04.06.2018
2. Ja, & sich auf HÖHERE Gewalt zu berufen dürfte auch schwierig sein!
Zitat von DerBlickerNatürlich müssen die Airlines nicht zahlen, aber der Flughafen muss zahlen. Er hat klar Schadenersatz zu leisten, weil er keine Notstromversorgung vorgehalten hat, dazu ist ein sorgfältiger Flughafenbetreiber aber schon aus Sicherheitsgründen verpflichtet. Eine Klage gegen den Hamburger Flughafen hat daher sehr wohl Aussicht auf Erfolg.
Die gab es sichtbar (Wetter, Streik usw.)nicht! . Un. soweit mit bekannt befreien höhere Planungfehler bzw. erhöhte Dum ..it nicht von einer Pflicht, für nicht erbrachte, massiv fehlerhaft Leitungen zu haften! . Da sehe ich im Zivilprozess auch gute Chancen für die Geschädigten. (Noch ein Grund mehr, endlich Sammelklagen-bzw. Musterklagen in solchen Fällen in Recht aufzunehmen!)
noalk 04.06.2018
3. Moment mal!
Hat nicht der HH-Airport verkündet, die Streichung von Flügen, zumindest am Montag, läge ausschließlich im Ermessen der Fluchgesellschaften? Zitat: "Am Sonntagabend waren auf der Homepage des Hamburg Airport auch für den Montag mehr als ein Dutzend gestrichene Flüge aufgelistet. Es seien die Airlines, "die entscheiden, ob ein Flug stattfindet oder gestrichen wird", twitterte der Flughafen."
sikasuu 04.06.2018
4. Bin mir nicht ganz sicher! Wer ist Vertragspartner? Die Airline!
Zitat von DerBlickerNatürlich müssen die Airlines nicht zahlen, aber der Flughafen muss zahlen. Er hat klar Schadenersatz zu leisten, weil er keine Notstromversorgung vorgehalten hat, dazu ist ein sorgfältiger Flughafenbetreiber aber schon aus Sicherheitsgründen verpflichtet. Eine Klage gegen den Hamburger Flughafen hat daher sehr wohl Aussicht auf Erfolg.
Wer hat die Panne zu vertreten, der Flughafen als Erfüllungsgehilfe der Airline, schadenersatzpflichtig gegenüber dem Endkunden ist mMn. immer der Vertragspartner, der sich dann im Innenverhältnis an seinen Sub-&Hilfsunternehmen schadlos halten kann. . Ein Hersteller haftet auch für Fehler der Zulieferer usw. . Wird mMn. eine spannende Sache für die Juristen & schreit nach einen Grundsatzurteil:-)
danreinhardt 04.06.2018
5. Erst Airline dann Flughafen?
Wie schaut es mit einer Regresshaftug aus? Schließlich sind ja doch die Airlines der erste Ansprechpartner, könnten aber im Anschluss ihre Zahlungsverpflichtungen auf den Flughafen abwälzen.
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