Unesco Hamburger Speicherstadt ist Weltkulturerbe

Hamburg hat sein erstes Weltkulturerbe: Die Unesco hat die Speicherstadt zusammen mit dem angrenzenden Kontorhausviertel in die begehrte Liste aufgenommen. Der Naumburger Dom schaffte es dagegen nicht auf das Dokument.

Corbis

Die Unesco hat die Hamburger Speicherstadt und das Kontorhausviertel zum Weltkulturerbe ernannt. Die Welterbe-Kommission beschloss die Aufnahme am Sonntag bei ihrer Sitzung in Bonn. Die Delegierten der Konferenz der Uno-Kulturorganisation applaudierten dazu. Es ist das erste Weltkulturerbe für Hamburg, damit stehen 40 Kultur- und Naturdenkmäler in Deutschland auf der Unesco-Welterbeliste.

"Das ist ein großer Tag für Hamburg", sagte Maria Böhmer, Staatsministerin im Auswärtigen Amt und Vorsitzende des Unesco-Komitees, unmittelbar nach der Entscheidung in Bonn. Der Komplex stehe für die Weltoffenheit Hamburgs und die deutsche Kaufmannstradition. Besonders gefalle ihr an der Speicherstadt, dass diese nicht nur als Denkmal konserviert, sondern Tag für Tag mit Leben erfüllt werde. Mit der Speicherstadt sei Architekturgeschichte geschrieben worden.

Die Speicherstadt gilt als das größte zusammenhängende und einheitlich geprägte Speicherensemble der Welt. Sie ist nach Unesco-Angaben bis heute in unveränderter historischer Gestaltung erhalten. Die Speicherstadt wurde zwischen 1885 und 1927 in drei Bauabschnitten auf einer Inselgruppe in der Elbe errichtet. Sie besteht aus 15 Backsteinbauten in neogotischer Architektur: Lagerhäuser und kleine Nebengebäude, die durch Straßen, Wasserstraßen und Brücken miteinander verbunden sind.

Das benachbarte Kontorhausviertel mit den Büros des Hafens und der Schifffahrtsunternehmen wurde zwischen 1920 und 1940 erbaut. Es ist das erste Büroviertel in Europa. Berühmt ist das von Fritz Höger errichtete Chilehaus - mit seiner an einen Schiffsbug erinnernden Spitze. Mit den Fassaden aus dunkelrot bis violett gebrannten Backsteinen gilt es als eine Ikone des "Klinkerexpressionismus".

Unesco-Siegel fördert den Tourismus

Eine Besichtigung der Speicherstadt - gern kombiniert mit einer Hafenrundfahrt - gehört schon jetzt für viele Hamburg-Besucher zum Besuchsprogramm. Seitdem sie 2003 aus dem Freihafengebiet herausgenommen und damit öffentlich zugänglich wurde, haben sich zahlreiche Touristenattraktionen angesiedelt: darunter mit dem Miniaturwunderland die größte Modelleisenbahn der Welt, das Hamburg Dungeon und das Speicherstadtmuseum. In Sichtweite liegen im neuen Stadtteil Hafencity das Maritime Museum, die Elbphilharmonie und das Kreuzfahrtterminal Cruise Center.

"Das Unesco-Siegel als einzige international anerkannte Kulturmarke bietet Orientierung bei der Auswahl eines Städtereiseziels", sagt Dietrich von Albedyll, Leiter der Hamburg Tourismus GmbH. Insbesondere auf Menschen aus dem skandinavischen Raum, den USA, England oder China übten historische Altstätten und architektonische Raritäten eine hohe Anziehungskraft aus.

Zusätzliche Kosten erwartet die Stadt kaum: "Da das Ensemble bereits unter Denkmalschutz steht und damit ausdrücklich geschützt ist, müssen keine neuen Auflagen eingehalten werden", sagt Enno Isermann, Sprecher der Kulturbehörde. Rund um das neue Weltkulturerbe werde jedoch eine Pufferzone entstehen. "So muss zum Beispiel gesichert sein, dass direkt neben dem Chilehaus kein Wolkenkratzer gebaut wird." Um im kontinuierlichen Austausch mit der Unesco zu bleiben, werde die Stadt einen Welterbe-Beauftragten einsetzen. Außerdem soll 2017 ein Besucherinformationszentrum eröffnen.

Fotostrecke

16  Bilder
Naturwunder und Baukunst: Welterbestätten in Deutschland
Naumburg bekommt zweite Chance

Naumburg dagegen ist beim ersten Anlauf nicht in die Welterbeliste aufgenommen worden, bekommt aber eine zweite Chance. Die Naumburger können ihren Antrag überarbeiten und neu einreichen, beschloss die Unesco. Zuvor hatte der Internationale Denkmalrat Icomos den Antrag "Naumburger Dom und hochmittelalterliche Herrschaftslandschaft an Saale und Unstrut" nicht zur Einschreibung empfohlen.

"Großer Erfolg für Saale-Unstrut und den Burgenlandkreis", schrieb der Vorsitzende der Bewerbungsinitiative Götz Ulrich in einer Kurzmitteilung. Die Region werde den Antrag zügig überarbeiten. "Dieser Beschluss des Komitees bringt uns auf dem Weg zum Welterbe weit nach vorn."

Zum ersten deutschen Welterbe wurde 1978 der Aachener Dom ernannt. Zuletzt wurden 2014 das Karolingische Westwerk und die Civitas Corvey in Höxter auf die Liste gesetzt.

Insgesamt umfasst die Welterbeliste derzeit gut tausend Denkmäler, historische Orte oder Landschaften. Die Unesco hatte bereits am Samstag elf weitere Stätten auf die Welterbeliste aufgenommen. Dazu gehören die Weinbauparzellen im französischen Burgund und die Weinberge der Champagne, der Botanische Garten in Singapur, die Festungsmauern der Kurdenmetropole Diyarbakir in der Türkei sowie Stätten in Iran, in Dänemark, China, Südkorea sowie in der Mongolei. Nominiert sind in diesem Jahr insgesamt 36 Stätten.

ric/abl/dpa

Mehr zum Thema
Newsletter
Die schönsten Reiseziele: Nah und Fern


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 49 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Orthoklas 05.07.2015
1. Wunderbar!
Eine richtige Entscheidung! Gut für Hamburg und Deutschland!
xxjay_jordanxx 05.07.2015
2. Herzlichen Glückwunsch
Ich freue mich sehr für alle die, die sich dafür eingesetzt haben und bedanke mich. Endlich ist Hamburg mit im "Club" !!!
walter.m 05.07.2015
3. Wieso diese?
Und ich hoffte, die Elbphilharmonie wäre das Weltkulturerbe Hamburgs.
bluebill 05.07.2015
4. Martialische Methoden
Was man bei all der bejubelung nicht vergessen darf: Die Speicherstadt entstand Ende des 19. Jahrhunbderts auf Betreiben der Kaufleute, die einen Freihafen brauchten. Das Vorhaben war damals schon sehr umstritten, denn das Gebiet war dicht besiedelt. Aber das Kapital konnte sich durchsetzen. Über zwanzigtausend Menschen verloren ihr Dach über dem Kopf und wurden zwangsumgesiedelt, über tausend Häuser wurden abgerissen. Auch solche, die man heute unter Denkmalschutz gestellt hätte. Das sollte man bedenken, wenn man ein bautechnisches Artefakt als kulturell wertvoll einstuft.
mainzelmännchen 1 05.07.2015
5. Hamburg hat´s verdient...
...der alte Elbtunnel gehört auch dazu.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.