Stichproben Finnair bittet Passagiere auf die Waage

Wer zurzeit in Helsinki seinen Finnair-Flug antreten will, könnte diese Frage hören: "Dürften wir Sie wiegen?" Der finnische Nationalcarrier will wissen, wie schwer seine Passagiere sind.

REUTERS


Der männliche Durchschnittspassagier wiegt mit Kleidung 84,6 und der weibliche 66,6 Kilogramm - wirklich? Die finnische Fluglinie zumindest traut den Angaben einer Erhebung der europäischen Flugsicherheitsbehörde Easa von 2009 nicht mehr und benötigt eigene Daten.

Daher bittet Finnair seine Fluggäste auf die Wage. Seit Montag sucht sie an den Abfluggates des Flughafens Helsinki Freiwillige, die sich und ihr Handgepäck wiegen lassen - auf anonymer Basis. Insgesamt sollen Daten von rund 2000 Fluggästen gesammelt werden. Auch soll die Erhebung zu verschiedenen Jahreszeiten wiederholt werden.

"Wir wollen sicherstellen, dass wir die bestmöglichen Daten nutzen können - auch in dieser Hinsicht. Daher sammeln wir sie in unserem eigenen Netzwerk", sagte der Finnair-Manager Sami Suokas der Zeitung "Helsingin Sanomat".

Solche Angaben benötigen die Airlines, um die Flugsicherheit zu gewährleisten, aber auch, um in Zeiten schmaler Margen den Kerosinverbrauch so genau wie möglich berechnen zu können. Eine ähnliche Erhebung wurde vor zwei Jahren bei Uzbekistan Airways bekannt.

Nach eigener Aussage plant die Finnair mit ihrer Erhebung nicht, den Ticketpreis abhängig vom Körpergewicht zu gestalten. Dies allerdings ist im Pazifik schon Alltag: Samoa Air verlangt seit 2013 von seinen Kunden genaue Kiloangaben. Dickere und längere Passagiere haben dort höhere Kosten als dünnere und kürzere. In dem Pazifikstaat gelten 90 Prozent der Einwohner über 15 Jahren als übergewichtig.

Im vergangenen Jahr hat auch Hawaiian Airlines begonnen, seine Kunden auf den Routen nach und von Samoa zu wiegen, um das Gewicht in der Kabine besser austarieren zu können.

abl

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makromizer 02.11.2017
1.
Ist mir ohnehin schleierhaft, warum bei Übergepäck jedes kg ein Vermögen kostet, während Körpergewicht in beliebiger Höhe kostenlos transportiert wird. Dabei entstehen durch das Mehrgewicht reale Kosten im Flugbetrieb, und wer, wenn nicht die Verursacher sollen diese tragen? Beim PKW wird der Mehrverbrauch durch Übergewicht ja auch nicht von der Allgemeinheit finanziert.
2cv 02.11.2017
2. Gewichtsverteilung während des Flugs
Neulich hatte ich einen Fall bei der EuroWings erlebt, daß aufgrund einer insgesamt ungünstigen Gepäck- und Passagier-Verteilung die letzten 2 Reihen (und damit 6 Passagiere) gebeten wurden, in die ersten 2 Reihen der Business Class umzuziehen, um eine optimalere Fluglage und damit geringeren Verbrauch erzielen zu können. Das habe ich eh nie verstanden: wenn die ersten Reihen der Business Class frei sind, liegt der Flieger immer ungünstiger und "schiebt" mehr als dass er gleitet. Was in der konsequent durchdachten Version bedeutet, etwas überspitzt formuliert: die "100kg und mehr" Passagiere sitzen weiter vorn, die "80g +/- 10kg" in der Mitte, und die Leichtgewichte eher hinten... Aus rein akademischer Sicht betrachtet würde mich bei einem Durchschnittsflug mal interessieren, wieviel Kerosin da eingespart werden könnte: 3 oder 5 Prozent? oder nur eines?
ChristianHofmann 02.11.2017
3. Macht Sinn
Warum soll man nicht seine Fluggäste bitten sich wiegen zu lassen wenn man dadurch z.B Treibstoff sparen kann durch bessere Berechnungen. Das kommt doch allen zugute. Davon abgesehen ist es eh etwas seltsam das ein 150kg Fluggast einen normalen Ticketpreis zahlen muss während der 60kg Fluggast den selben Preis zahlen muss, aber für seinen kg Übergepäck kräftig gemolken wird. Da wäre es praktisch pro Flugticket eher eine Gewichtsfreimenge zu haben (Körpergewicht + Gepäckgewicht).
default_user 02.11.2017
4.
Als langer und dünner Mensch hätte ich dann aber auch gerne einen Sitzplatz mit mehr Beinfreiheit. Ich sitze im Flieger immer mit dem Knien am Vordersitz. 190 cm / 80 Kilo Ja ich weiß, ich kann ja auch auf den Flug verzichten. Fliegen ist freiwillig. Ich kann ja auch 1. Klasse buchen. Die Fluggesellschaften dürfen ja machen was sie wollen. Ist mir alles bekannt. Ich habe auch schon Frankfurt/New York neben 160 Kilo Mensch gesessen oder besser dieser halb auf mir. Shit happens. Wenn ich zu schwer bin dann würde ich auch mehr zahlen aber dann erwarte ich auch breitere Sitze und mehr Beinfreiheit. Das es sehr breite und lange Menschen gibt ist kein geheimnis und ich fühle mich auch nicht diskriminiert wenn ich dann einen extra Platz bekomme. 5 cm in alle Richtungen wirken Wunder. Ich verzichte dann auch gerne neben meiner Reisebegleitung zu sitzen.
sikasuu 02.11.2017
5. Ticketpreis nach Körpergewicht lehne ich auch ab, aber ein Ticket ...
für 100Kg "Tranportgewicht" frei verteilt auf Person&Gepäck würde Flugpreise a) transparent und b) fairer machen. Beim Einchecken "Pax&Koffer" auf die Wage, passt. Der Pilot hätte genaues reales, nicht nur angenommenes Startgewicht & dem Fluggast fiele mMn. "kein Zacken aus der Krone" weil ja NICHT sein Körpergewicht, sonder das zu transportierende Gesamtgewicht in die IT kommt. . Im Flieger interessiert doch nur das "Gewicht", vielleicht noch seine Verteilung im Flugzeug. Alles andere sind verschwiegene Kosten treibende Zusatzleistungen zum Verstecken des WAHREN PREISE vor der Buchung.:-( . Doch so wenig wie Mobilfunk- DSL- & USW-Verträge mit Koppelgerät verschwinden werden, werden wohl Fluggesellschaften auf das o.a. Tarifsystem umschwenken. . Die 160Kg auf dem Nebensitz muss ja nur bedingt die Gesellschaft ausbaden :-(! . Ps. Die Handgepäckspielchen mMn. sind nur noch grausam. Die "Prügelei" um die zu kleinen Fächer & die Zeit die dabei draufgeht ist nur noch ätzend, doch was wird nicht alles für einen optischen Preis von 29.99€ oder billiger gemacht? . Geiz ist geil, bis der 1. GEIZ-Flieger, in dem sogar die Piloten beim Tanken am Kerosin sparen, mal runter fällt!
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