HON Circle: Lufthansa erschwert Vielfliegern Zugang zum Premium-Status

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Per Limousine zur Gangway, Hilfe bei der Einreise: Wer im Meilenprogramm der Lufthansa den höchsten Status hat, genießt am Flughafen Privilegien. Nun kommen auf HON-Circle-Mitglieder strengere Regeln zu - nicht nur das Meilensammeln wird erschwert.

First-Class-Lounge der Lufthansa auf dem Frankfurter Flughafen: Schwindende Privilegien Zur Großansicht
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First-Class-Lounge der Lufthansa auf dem Frankfurter Flughafen: Schwindende Privilegien

Verärgerte Kunden, ein in erster Instanz verlorenes Gerichtsverfahren um entwertete Bonusmeilen und möglicherweise auch noch Zoff mit Aktionären: Das Lufthansa "Miles&More"-Bonusprogramm steht unter Beschuss, in Blogs und in der Presse hagelte es in den vergangenen Wochen massive Kritik. Ungeachtet dessen führt Deutschlands größte Fluglinie weitere Änderungen ein - manche scheinen wieder dafür geeignet, vor allem Vielflieger auf die Barrikaden zu bringen. Denn das Meilensammeln wird weiter erschwert.

Die Änderungen betreffen ausgerechnet Kunden, die so viel fliegen, dass sie in den 2004 gegründeten HON Circle aufgenommen werden. Die Vorteile dieses Status sind zwar überschaubar, werden aber von Vielreisenden gern genutzt: In einigen Flughäfen gibt es spezielle Lounges sowie einen Limousinen-Fahrdienst, wenn das Flugzeug auf dem Vorfeld parkt. Die Besatzung soll den Kunden mit seinem Namen ansprechen, in manchen Ländern gibt es Hilfe bei der Einreise. Dafür müssen zuvor 600.000 HON-Circle-Meilen in zwei Jahren erflogen werden, das entspricht theoretisch 24 Flügen um die Erde.

Doch nun stellt Lufthansa neue Regeln auf: Ab dem 1. September 2012 können HON-Circle-Meilen ausschließlich bei Flügen in der First und Business Class gesammelt werden, auf Economy-Class-Flügen gibt es nur noch normale "Miles&More"-Status- und Prämienmeilen.

Schlechtere Upgrade-Regelungen

Das Programm müsse an "ökonomische Entwicklungen" angepasst werden, teilte die Lufthansa lapidar mit. Dies dürfte vor allem die dauerreisende Klientel der Berater und Geschäftsleute treffen, die oft in teuren und flexiblen Touristenklasse-Tarifen durch Europa reisen und fortan von der Qualifikation für den Premium-Status quasi ausgeschlossen sind.

Verschlechterungen gibt es auch bei den Upgrade-Regelungen. Upgrades von der Business in die komfortablere First Class über Meilen oder einen Voucher werden künftig nur noch aus den höchsten Buchungsklassen möglich sein. Ein neu eingeführter Business-Tarif soll weniger Meilen bringen als ein teurer Economy-Tarif. Bei der zum Lufthansa-Konzern gehörenden Fluglinie Swiss bleibt es weiterhin möglich, auch aus günstigeren Tarifen ein Meilen-Upgrade in die First zu bekommen - allerdings nur mittels eines happigen Meilenaufschlags.

Zudem wird der niedrigere Senator-Status weiter entwertet, indem Kunden ihn nun schneller erreichen: Bisher waren 130.000 Statusmeilen pro Jahr für Vielflieger aus Deutschland notwendig um die goldene Karte zu bekommen. Nun reichen 100.000 Statusmeilen im Kalenderjahr. In den Senator-Status lädt die Lufthansa auch eine größere Gruppe von potentiellen Kunden ein. So bekommen etwa Bundestagsabgeordnete die Karte einfach so zugeschickt. Schon jetzt ärgern sich "Senatoren" über zu volle Lounges und kaum Vorzugsbehandlung an Bord.

Mögliche Klagen gegen Meilen-Entwertung

Erst vergangene Woche gewann der IT-Professor und Berater Tobias Eggendorfer erstinstanzlich ein Verfahren gegen die Lufthansa vor dem Landgericht Köln. Ob die Lufthansa in Berufung gehen wird, ist unklar. Eine endgültige Entscheidung gebe es noch nicht, sagte ein Lufthansa-Sprecher SPIEGEL ONLINE. Man prüfe derzeit das Urteil und weitere Schritte.

Eggendorfer hatte geklagt, weil die Lufthansa die Veränderung bei der Bewertung von Prämienmeilen nicht rechtzeitig kommuniziert hatte. Dies brachte ein großes Medienecho; Eggendorfer legte ein Blog an, auf dem er fortwährend über den Verfahrensstand informiert.

Auch auf Twitter und bei Facebook wurde das Thema debattiert. Eggendorfer sagt, dass sich vor allem Premiumkunden bei ihm gemeldet hätten, um ihren Frust über die Lufthansa loszuwerden. Auch der auf Massenverfahren spezialisierte Münchner Rechtsanwalt Markus Klamert will ein großes Verfahren gegen die Lufthansa wegen ihres Meilenprogramms starten. Das Interesse sei "riesig".

Mittlerweile hätten auch die großen Rechtsschutzversicherungen zugesagt, etwaige Kosten zu übernehmen. Er will mit seiner bisher nicht eingereichten Klage ebenfalls erreichen, dass die bis zum 3. Januar 2011 erworbenen Meilen auch zum damaligen Wert verbraucht werden können.

Mancher Lufthansa-Kleinaktionär plant unterdessen, bei der Hauptversammlung des Konzerns am 8. Mai in Köln kritische Nachfragen zum Meilenprogramm zu stellen. Denn auch hier geht es um beachtliche Werte: Allein für das Geschäftsjahr 2010 musste die Lufthansa für ihr Bonusprogramm über 600 Millionen Euro an Rückstellungen in ihrer Bilanz bilden - es geht um nicht weniger als 198 Milliarden noch nicht eingelöste Meilen.

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insgesamt 41 Beiträge
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1. Diesen Trend
earl grey 22.03.2012
Zitat von sysopDPAPer Limousine zur Gangway, Hilfe bei der Einreise: Wer im Meilenprogramm der Lufthansa den höchsten Status hat, genießt am Flughafen Privilegien. Nun kommen auf "HON Circle"-Mitglieder strengere Regeln zu - nicht nur das Meilensammeln wird erschwert. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,823092,00.html
Diesen Trend gibt es bei der LH schon seit Jahren. Ich habe mich nach über 10 Jahren mit jährlich mind. 120 Flügen von dieser Gesellschaft schon lange verabschiedet. Wenn ich meine Stammkunden, von denen ich genauso abhängig bin wie die LH, so behandeln würde, dann wäre ich schon lange pleite. Diese "Privilegien" wie Bonusmeilen und die damit vergebenen Prämien werden uns nicht geschenkt - die haben wir vorher durch hohe Preise brav bezahlt. Nur werden diese Meilen immer weniger Wert, es findet schon seit Jahren ein schleichender Abbau statt, der - gepaart mit der oft herzerfrischenden Arroganz des Bodenpersonals - die Stammkunden nach Ausweichmöglichkeiten schauen lässt... Es ist halt in der Servicewüste Deutschland ein passendes Unternehmen.
2. andere Airlines
eigene_meinung 22.03.2012
nach schlechten Erfahrungen mit Lufthansa: - Weigerung, den gesetzlichen Ausgleich nach von Lufthansa verursachter Verspätung zu zahlen - Nicht-Anerkennung geflogener Meilen fliege ich jetzt mit anderen Airlines.
3. Was für ein Management.
gerdimaus 22.03.2012
Der Internet-Absatz ist gescheitert, Anstatt auf Qualität zu setzen begibt sich die LH in den Internetpreisstrudel,vergrämt die Reisebüros und Kunden. Aber das Hauptproblem: den Umgang mit Menschen haben die verlernt. Und wer Antipathie säht,erntet diese auch.
4.
kk280sl 22.03.2012
Zitat von earl greyDiesen Trend gibt es bei der LH schon seit Jahren. Ich habe mich nach über 10 Jahren mit jährlich mind. 120 Flügen von dieser Gesellschaft schon lange verabschiedet. Wenn ich meine Stammkunden, von denen ich genauso abhängig bin wie die LH, so behandeln würde, dann wäre ich schon lange pleite. Diese "Privilegien" wie Bonusmeilen und die damit vergebenen Prämien werden uns nicht geschenkt - die haben wir vorher durch hohe Preise brav bezahlt. Nur werden diese Meilen immer weniger Wert, es findet schon seit Jahren ein schleichender Abbau statt, der - gepaart mit der oft herzerfrischenden Arroganz des Bodenpersonals - die Stammkunden nach Ausweichmöglichkeiten schauen lässt... Es ist halt in der Servicewüste Deutschland ein passendes Unternehmen.
Kann ich nur bestätigen. Habe Hon und Senator Status alles hinter mir. Die Millen sind nichts Wert wenn wie jetzt meine Tochter um mit mir nach San Francisco zu kommen 422Euro Gebühren für ein Milen Ticket zahlen muss und man bei United das bereits für 570Euro bekommt, dann fragt man sich wofür man bei Lufthansa sich den hintern abgesessen hat. Musste letztes Jahr geschäftlich in Nah Ost und Asien verbringen. Einmal habe ich wegen einer Familienfeier nicht Lufthansa genommen, sondern Emirates (Lufthansa hat unmögliche Flugzeiten und keine Direktverbindung nach Abu Dhabi). Seit her kommt Richtung Asien Lufthansa nicht mal mehr entfernt in Betracht. Wesentlich billiger, bessere Flugzeiten, ein super Entertainment Program, wirklich freundliche Besatzung und seit neuestem auch in einer komfortablen A380 von Muenchen aus. Wer da noch Lufthansa nach Nah Ost oder Asien nimmt, der muss bei Siemens oder arbeiten wo es exzellente Tarife gibt und alle Business fliegen. Aber von denen muss noch genügend geben sonst hätte die Lufthansa bestimmt schon reagiert. Solange die Flieger annähernd voll sind warum reagieren ? Beste Grüße aus San Francisco
5.
Sherlock70 22.03.2012
Zitat von gerdimausDer Internet-Absatz ist gescheitert, Anstatt auf Qualität zu setzen begibt sich die LH in den Internetpreisstrudel,vergrämt die Reisebüros und Kunden. Aber das Hauptproblem: den Umgang mit Menschen haben die verlernt. Und wer Antipathie säht,erntet diese auch.
Deswegen heisst es jetzt bei LH: "Nonstop you" Der Umgang mit Menschen soll wieder in den Mittelpunkt wandern.
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