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Blackpool in England: Hotel erhebt Gebühr für schlechte Internet-Bewertung

"Schmutziger, stinkender Schuppen": Diese Beschimpfung auf einem Buchungsportal kam einem Hotel im britischen Blackpool gerade recht. Die Besitzer berechneten den unzufriedenen Kunden eine Gebühr von umgerechnet 130 Euro - laut AGB.

Idylle von Blackpool: Ein Hotel erhebt Strafgebühren für Bewertungen Zur Großansicht
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Idylle von Blackpool: Ein Hotel erhebt Strafgebühren für Bewertungen

London - Ein britisches Hotel hat sich nicht gerade in Gastfreundlichkeit hervorgetan. Das Haus in Blackpool in Nordwestengland berechnete einem Ehepaar eine Extragebühr, weil die Gäste eine besonders schlechte Kritik auf dem Buchungsportal Tripadvisor hinterlassen hatten. Die Urlauber hatte das Broadway Hotel im nordenglischen Seebad Blackpool als "schmutzigen, stinkenden, verdorbenen Schuppen" bezeichnet.

Wenige Tage später wurden 100 Pfund (circa 130 Euro) von der Kreditkarte des Paares aus Whitehaven abgebucht. Auf Anfrage habe das Hotel seinen Gästen erklärt, in den Geschäftsbedingungen sei das Abgeben schlechter Beurteilungen unter Gebühr gestellt.

John Greenbank von der Verbraucherschutzbehörde in Nordengland erklärte dem britischen Sender BBC, er habe von so einer Gebühr noch nie zuvor gehört. Es könnte sich um eine Form unfairen Handels handeln. Auf BBC-Anfrage reagierten die Hotelbesitzer nicht, die Behörden von Blackpool sagten jedoch, dass die AGB inzwischen geändert worden seien.

Das Paar hatte sich Ende August auf der Buchungsplattform beklagt, dass weder der Heißwasserhahn noch der Kessel funktioniert hätten und dass die Front der Kommode beim Öffnen abgefallen sei. Es schloss seine Bewertung mit: "Bleiben Sie weg!"

Die Eigentümer müssen mit ihrem Vorgehen wohl ein gutes Geschäft gemacht haben: Denn auf Tripadvisor unterbieten sich die Kunden noch in den vergangenen Wochen mit ihren Bewertungen. "Ich würde lieber im Bates-Hotel übernachten", "Treppen wie Räume scheinen seit 25 Jahren nicht gesaugt worden zu sein", "Mäusekot überall" - die Liste der Beschwerden ist lang.

Shitstorm und Gerichtsurteil nach schlechten Bewertungen

Im August erlebte der Besitzer eines Gästehauses im US-Bundesstaat einen Shitstorm, als er auf seiner Webseite eine Warnung veröffentlichte: Gäste, die ihre Hochzeitsfeier in dem Hotel planen, dürften den Aufenthalt im Internet nicht schlecht bewerten. Geschehe dies dennoch, so müssten sie "500 Dollar Strafe zahlen, die von ihrer Kaution abgezogen wird". Später erklärte der Besitzer, die Forderung sei ursprünglich als Witz gedacht gewesen und sollte von seinen Angestellten niemals eingetrieben werden. Er entschuldigte sich.

So ohne Weiteres schlechte Bewertungen im Internet abzugeben, ist Kunden aber anscheinend nicht erlaubt. Ende Oktober erst musste ein Käufer nach einem Urteil des Oberlandesgerichts München seinen negativen Kommentar über einen Händler bei eBay löschen. Zuvor hatte er sich nach Angaben des Gerichts nicht direkt beim Verkäufer beklagt oder die Ware zurückgeschickt. "Es kann nicht sein, dass Internethändler gegen solche Bewertungen völlig schutzlos sind", hatte der Anwalt des Händlers gesagt.

abl/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 43 Beiträge
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1. Und schon zieht das E-Bay-Urteil neue
WwdW 19.11.2014
Kreise. Habe ich mir es doch gedacht. Eine neue Möglichkeit hat das OLG in München damit aufgemacht Kunden mundtot zu machen und mit Schadensersatzansprüchen bis in die Millionen zu überziehen. Und das nur weil man die Empfehlung abgibt dort nicht mehr zu kaufen oder zu nächtigen. Liebes OLG. Da habt ihr den Verbrauchern einen Bärendienst erwiesen. Heutzutage hat man als Verbraucher schon nichts mehr zu lachen und mit TTIP wird man dann vollends ruhiggestellt.
2. Vielleicht ist das einer der Gründe:
bande_de_malfaiteurs 19.11.2014
Wat nix kost is och nix.
3. Das wichtigste fehlt...
zuagroaster 19.11.2014
Mussten die Gäste die Gebühr nun hinnehmen oder wurde sie erstattet?
4. Nötigung
bonngoldbaer 19.11.2014
Solche AGBs sind ein Fall für den Staatsanwalt. Auch, wenn sie inzwischen geändert wurden.
5.
rus13 19.11.2014
Schwierige Sachlage: Einerseits muss es dem Kunden möglich sein, eine schlechte Sach- bzw. Dienstleistung auch so im Internet zu bewerten. Andererseits habe ich zwei Ebayhändler im Bekanntenkreis und beide hatten schon Kunden, die einfach so schlechte Bewertungen geben. (Verkauf von Hardware, Kunden beschweren sich wegen Software...). Der Händler hat es da sehr schwer, da er nur eine gewisse Anzahl an schlechten Bewertungen bekommen darf und das Geld bei Paypal auch eingefroren werden kann. Viel Schutz hat man als Händler, vor allem wenn es um ebay geht, nicht mehr.
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