Hotel-Klassifikationen Nicht jeder Stern glänzt

Griechische Hotels können zur Sauna werden, wenn sie keine Klimaanlage haben. In norwegischen Herbergen sind Temperaturregler dagegen meist überflüssig - bekommen sie also einen Stern weniger? Für Hotelbewertungen gibt es diverse Kategorien. Doch wofür stehen diese eigentlich?


Hamburg - Beim Aussuchen ihres Hotels werden Urlauber nicht selten durch widersprüchliche Bewertungen verwirrt. Mal gibt es Sterne, dann wieder andere Symbole oder Buchstaben. Hinzu kommen Unterschiede für das In- und Ausland. "Die deutsche Hotelklassifizierung mit Sternen ist einheitlich, geschieht aber auf freiwilliger Basis", sagt Stefanie Heckel, Pressesprecherin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga). Die Kategorien reichen von einem Stern bis fünf Sternen, von Touristen- bis Luxusklasse. Für die Bewertung der Hotels gibt es objektive Kriterien – etwa in Bezug auf Zimmergrößen und Service-Dienstleistungen. Jede Kategorie hat bestimmte Mindestanforderungen.

Hotel-Sterne: Nicht selten variieren die Bewertungen
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Hotel-Sterne: Nicht selten variieren die Bewertungen

"Vielen Hotelgästen ist nicht klar, dass die Vergabe der Hotelsterne sehr formal abläuft", sagt Karl Born, Professor für Tourismuswirtschaft an der Hochschule Harz in Wernigerode. An der Kategorie könne man den Komfort eines Hauses ablesen, nicht aber die Freundlichkeit des Personals oder andere subjektive Qualitätsmerkmale.

Neben den offiziellen Sternen gibt es in Deutschland auch andere Hotelempfehlungen. "Die wenden sich meist an Gäste mit besonderen Interessen oder Bedürfnissen", erläutert Heckel. Sinnvoll seien sie für Leute, die zum Beispiel als Fahrradreisende oder Feinschmecker zu einer besonderen Zielgruppe gehören. Um eine Empfehlung richtig einschätzen zu können, sollte man sich aber über die bewertende Organisation informieren.

Keine einheitlichen Vorgaben in Europa

Immer öfter lassen sich für einzelne Hotels auch Gästebewertungen Finden, im Internet zum Beispiel unter holidaycheck.de oder votello.de. Diese subjektiven und meist anonymen Einschätzungen sollte man unbedingt mit Vorsicht genießen. "Einzelne Beschwerden oder auch lobende Erwähnungen sollte man nicht so ernst nehmen", sagt Tourismusexperte Born. Erst wenn sich positive oder negative Stimmen häuften, könne man dies als Hinweis nehmen.

Für die Klassifizierung von Hotels gibt es keine einheitlichen europäischen Vorgaben. Deutsche und ausländische Sterne unterscheiden sich deshalb immer in ihrer Bedeutung. "Dies hat zum Beispiel mit den verschiedenen klimatischen Erfordernissen zu tun", erläutert Heckel. Während etwa eine Klimaanlage in Griechenland ein wichtiges Qualitätsmerkmal sei, wäre diese in einem österreichischen Hotel meist nicht wichtig. Einige Informationen und Links zu europäischen Hotelklassifizierungen finden sich im Internet.

"Die internationalen Unterschiede haben auch reiserechtliche Konsequenzen", sagt Bettina Dittrich, Juristin der Verbraucherzentrale Sachsen. Reklamationen über ein ausländisches Vier-Sterne-Hotel, die allein mit den höheren deutschen Maßstäben für Vier-Sterne-Häuser begründet werden, haben rechtlich kaum Chancen. "Maßgeblich sind die vertraglichen Vereinbarungen und die Versprechungen im Katalog - und ob diese mit der Realität übereinstimmen", erklärt Dittrich.

Um Missverständnisse mit Hotelsternen zu vermeiden, haben sich viele Reiseveranstalter eigene Symbole ausgedacht. Beim Vergleichen der Angebote sollte man sich die einzelnen Bewertungssysteme also genau ansehen.

har/ddp



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