Studie in Deutschland Wo es das beste und wo das schlechteste Hotel-WLAN gibt

In puncto WLAN ist die deutsche Hotellerie noch ein Jammertal. Vor allem die großen Ketten bieten teure und lahme Internetverbindungen an, wie eine Untersuchung ergab. Ein Ranking für die fünf größten Städte.

Von manager-magazin.de-Redakteurin

DPA

Als Gast sollte man im Hotel Zugang zum Internet haben. Sollte. Das finden auch die großen Hotelverbände einschließlich dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga). Seit Januar gilt daher: Wer auch nur einen bescheidenen zweiten Stern für sein Hotel will, muss Internetzugang anbieten. Aber oft ist das WLAN im Hotel vor allem immer noch eines: ein Ärgernis.

Zu diesem Fazit kommt eine Untersuchung des Online-Reputationsmanagement-Anbieters Reputami. Mit einer semantischen Bewertungsanalyse hat der Dienstleister vier Millionen Gästebeurteilungen von 13.000 deutschen Hotels zwischen zwei und fünf Sternen unter die Lupe genommen und auf die Zufriedenheit mit dem Internetzugang hin untersucht - hier ist die Reputami-Untersuchung abrufbar.

Fast jede zehnte Bewertung nahm auf diesen Punkt Bezug - und mehr als ein Drittel der Gäste ist mit der WLAN-Qualität unzufrieden. Im Vergleich mit anderen europäischen Ländern bildet Deutschland damit klar das Schlusslicht; in Schweden etwa, dem Spitzenreiter, sind nur 19 Prozent unzufrieden.

"Große Ketten liegen eher im Mittelfeld"

Zu Recht weist Reputami-Geschäftsführer Oliver Pitsch darauf hin, dass allein die Tatsache, dass Gäste das WLAN überhaupt so ausgiebig bewerten, Bände spricht: Bettdecken etwa würden kaum bewertet - es werde schlicht vorausgesetzt, dass anständige Decken vorhanden seien. Eine Selbstverständlichkeit eben.

Mit dem Internet für Gäste sieht das offenbar immer noch anders aus. Aus den Beurteilungen ließ sich auch filtern, welche Hotels in den fünf größten deutschen Städten jeweils die Nase vorn haben - und wer am blamabelsten hinterherhinkt. In der Fotostrecke zeigen wir die Tops und Flops der Großstädte.

Überraschend bei den Bewertungen ist, dass offenbar die größeren Unternehmen am wenigsten Erfolg bei der digitalen Aufstellung haben. "Die großen Ketten liegen alle eher im Mittelfeld", sagt Pitsch, "oft ist das Internet dort teuer und lahm. Die haben noch nicht verstanden, wie wichtig dieser Punkt für die Gäste ist."

Selbst habe er einmal in einem teuren Hotel erlebt, dass trotz der satten WLAN-Gebühr von 16 Euro pro Tag das Netz "so langsam war, dass noch nicht mal eine E-Mail rausging".

Auch Premium-Häuser wie etwa das Sheraton Berlin Grand Hotel Esplanade bieten ihren Gästen kostenloses Internet nur bei Vorausbuchung über selbiges - wer schon Gast ist und sich dann noch erdreistet, ins WLAN zu wollen, muss knapp zehn Euro pro Tag bezahlen.

Und selbst wenn ein Haus "Gratis-WLAN" anbietet, ist das oft eine Mogelpackung: Das gibt es dann in der Lobby oder im Café, gern auch auf eine Stunde befristet. Wer auf dem Zimmer surfen will, muss trotzdem immer noch löhnen. In der Werbung auf den Buchungsportalen wirkt "Gratis-WLAN" eben besser.

Dabei sind vor allem auf Geschäftsreisen mobile Geräte unverzichtbar, wie eine Untersuchung des Deutschen Reiseverbandes erst jüngst zeigte. Eine Umfrage des Geschäftsreiseanbieters Egencia ergab sogar, dass Reisende lieber auf ein kostenloses Frühstück verzichten würden als auf ein schnelles Gratis-WLAN.

Der Artikel erschien zuerst bei Manager Magazin online.

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