Hotelbuchungsportal HRS manipuliert offenbar Ranglisten

Je mehr Provision ein Hotel zahlt, desto höher wird es bei HRS gerankt. Der Haken dabei: Die Hotelbuchungsplattform kennzeichnet dies nicht als Werbung.


Angetreten waren die Hotelvergleichsportale einst, um Gästen mehr Transparenz bei der Übernachtungsbuchung zu verschaffen. Inzwischen scheinen sie selbst den wirklichen Vergleich zu erschweren: Zumindest HRS und die Tochter Hotel.de listen jene Hotels höher, die eine zusätzliche Provision zahlen. Das ergaben Recherchen des gemeinnützigen Portals Correctiv.org. Für die Nutzer der Buchungsseite sei das nicht zu erkennen, die Praxis daher illegal.

Das Kölner Unternehmen HRS bietet Hoteliers einen sogenannten Ranking Booster an: Gegen eine erhöhte Provision von 19 Prozent statt 15 Prozent sollte bei einem von Correctiv.org zitierten Fall ein Hotel in Nordrhein-Westfalen auf der Rangliste höher klettern. Das Portal selbst nennt dies "Marketingstrategie" und bewirbt das Tool im firmeneigenen Magazin: "Mithilfe eines Schiebereglers bestimmen die Nutzer selbst, um wie viele Plätze sie ihr Haus pushen möchten." Mit Nutzer meint HRS hier die Hoteliers.

Die gekaufte Platzierung ist auf der HRS.de-Seite nicht zu erkennen. Dabei müsste sie "deutlich als Werbung gekennzeichnet werden, um nicht gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb zu verstoßen", sagt Philip Scholz, Sprecher des Bundesjustizministeriums, dem Rechercheportal. "Provisionen sind ausschließlich legitim für die Vermittlung von Hotels", sagt Miika Blinn vom Bundesverband der Verbraucherzentralen, "aber nicht für das Erkaufen von Bestenplätzen in der Ergebnisanzeige."

Online-Hotelbuchungsportale haben inzwischen eine große Marktmacht, Hoteliers können sich dem nicht mehr entziehen. Rund ein Viertel aller Hotelbuchungen in Deutschland wird laut dem Branchenreport des Hotelverbands IHA über die Plattformen getätigt, über 80 Prozent davon bei den beiden Marktführern Booking.com und HRS.

Laut Correctiv.org will sich HRS nicht zu der Frage äußern, ob der Booster gegen das Wettbewerbsrecht verstoße. "Selbstverständlich beachten die Produkte und Services von HRS das geltende Recht", habe das Unternehmen mitgeteilt.

abl

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