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Hotelportale versus Hotels: Die Bestpreisversprecher

Von Helge Sobik

Hotelportale sind in kürzester Zeit zu Giganten im Web geworden. Sie begannen als Partner der Hotels - jetzt verbindet die einstigen Verbündeten bestenfalls noch eine Hass-Liebe. Die Kunden freut's.

Buchungsportal HRS: Bestpreisklausel ist rechtswidrig Zur Großansicht
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Buchungsportal HRS: Bestpreisklausel ist rechtswidrig

Als die Hotelbuchungsportale aufkamen, waren sie ein Glücksfall für die Branche - eine Chance gerade für vertriebsschwache kleinere, oft familiengeführte Hotels. Sie bekamen endlich die Möglichkeit, überhaupt gefunden zu werden. Ein paar schöne Fotos, ein bisschen Text, dazu gute Preise - fertig war die Rezeptur, die auch nicht kettengebundene Hotels plötzlich auf die Siegerstraße brachte. Einzig im Erfolgsfall waren Vermittlungsprovisionen an die Portale zu leisten.

Doch die Geschichte der Portale ist typisch für die Onlinewelt, es ist eine Geschichte von Fluch und Segen, in der Internetriesen mit ihrer Marktmacht die Preise der niedergelassenen Betriebe in den Keller treiben. Anders als in den meisten anderen Branchen aber sind die Hotelbuchungsportale auf die Hotels angewiesen - und auf ihre Zimmer.

Inzwischen sind 90 Prozent aller Hotels in Deutschland an mindestens einen dieser Zimmer-Broker angeschlossen - wie HRS, Hotel.de, Booking.com oder Expedia. Längst ist es keine Schwierigkeit mehr, vom heimischen Rechner aus ein Hotel irgendwo an der brasilianischen Küste bei Fortaleza oder aber in Bad Schwartau zu reservieren. Und weil das alles so herrlich einfach ist, gewannen die Vermittler rasend schnell Kunden - auf Kosten der Direktbuchung.

Allein das Hamburger Hotel Grand Elysée muss eigenen Angaben zufolge jährlich knapp eine Million Euro Provision an die Webriesen zahlen - und scherte aus: Besitzer Eugen Block inserierte in großen Tageszeitungen und warb damit, dass es künftig die beste Rate nur noch bei Direktbuchung über das Hotel gebe. In Regensburg riefen 38 Hotels die Website hotels-in-regensburg.com ins Leben. Binnen der ersten zehn Tage sparten sie durch dort generierte Buchungen rund 10.000 Euro an Provisionen und spendeten das Geld.

Bestpreisklausel ist rechtswidrig

War es für einen Hotelier anfangs attraktiv, auf einem angesagten Portal vertreten zu sein und unverhofft Gäste zugespielt zu bekommen, ist dieser Vorteil nun deutlich geschrumpft - denn auch der Konkurrent ist dort zu finden. Den Zuschlag des Onlinebuchers bekommt oft der Günstigste seiner Kategorie. Für unabhängige Hotels ist das in zweifacher Hinsicht ruinös: Sie müssen sehr billig sein und noch auf diese Günstigraten eine Provision abführen - oder ihre Zimmer stehen viel zu viele Nächte leer.

Je mehr aber die Marktmacht der Portale stieg, desto einseitiger wurde das Kräfteverhältnis, das in der sogenannten Bestpreisklausel in den Verträgen mit den Hoteliers gipfelte. Demnach dürfen diese ihre Zimmer über keinen anderen Vertriebskanal günstiger anbieten - nicht mal, wenn der potenzielle Gast mit Koffer in der Hand in die Lobby gestapft kam und sich nach einem freien Quartier erkundigte.

Ende vergangenen Jahres hat das Bundeskartellamt diese Bestpreisklausel in einem Verfahren mit HRS für rechtswidrig erklärt und nimmt seitdem die Verträge kritisch unter die Lupe. Diese Entwicklung gibt den Hoteliers neuen Spielraum in der Preisgestaltung. Für potenzielle Kunden bedeutet es mehr Mühe: Sie müssen wieder mehr vergleichen, zumindest wenn es ihnen darum geht, den letzten Euro Ersparnis herauszukitzeln.

Dabei gibt es ohnehin von Portal zu Portal teilweise deutliche Preisabweichungen. Das liegt an der unterschiedlichen "Paketierung", einer Hintertür, um der allzu leichten Vergleichbarkeit der Preise zu entgehen. Mal ist das Standardzimmer ohne Verpflegung ausgeschrieben, mal ein Deluxe-Zimmer mit Frühstück oder Halbpension, mit Spa-Gutschein oder kostenlosem Parkplatz in der Tiefgarage. Schon das beweist: Es lohnt sich für Kunden, vor jeder Buchung genau hinzuschauen.

Portale legen nach

Das wird nach der Kartellamtsentscheidung noch wichtiger. Denn den Hoteliers ist daran gelegen, ihre Zimmer provisionsfrei zu verkaufen, und das geht am besten im Eigenvertrieb - in der Lobby, am Telefon und über die eigene Hotel-Website. Es ist deshalb nun damit zu rechnen, dass dort wie im Beispiel des Grand Elysée stets der beste Preis zu finden sein wird - um den Kunden dazu zu bringen, auch künftig gezielt direkt zu buchen.

Für Gäste würden Hotelportale dann zu Vergleichstools schrumpfen, die eine griffige Orientierung über den lokalen oder regionalen Markt bieten - und abgeschlossen würde die Buchung immer öfter über die Hotelseite. Doch die Portale schlagen zurück: Sie optimieren die Konditionen an anderer Stelle - oder schließen Zugaben ein. Zum Beispiel ist die kostenlose Stornierungsmöglichkeit bis 18 Uhr am Anreisetag ein beliebtes Bonbon.

Und sie verbessern die Buchungstechnik, erleichtern über flotte Apps die Reservierung und sparen dem Kunden Zeit und Mühe. Auf dem Feld der Technik sind sie fast jedem Hotelier deutlich voraus. Und mehr noch: Sie erweitern ihr Geschäftsfeld. Booking.com und HRS haben bereits Apps für Last-Minute-Hotelbuchungen herausgebracht und versprechen zwischen 30 und 50 Prozent Rabatt bei Reservierungen direkt am Anreisetag.

Den Kunden freut es. Und der Hotelier kommt trotz allem Ärger schon wieder nicht an den Riesen vorbei. Denn ein leer stehendes Zimmer bringt ihm gar nichts. Eines aber, das er am Anreisetag mit Riesenrabatt und schmerzhafter Provision noch über so ein Portal und dessen Restplatz-App vertickt bekommt, spült wenigstens ein bisschen Geld in die klamme Kasse.

Und der Gewinner? Das ist der Kunde. Derjenige jedenfalls, der genau hinschaut.

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insgesamt 148 Beiträge
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1. über das Portalfinde ich das Hotel
tomasl 04.06.2014
gebucht wird dann meistens direkt, unter Umgehung eventueller Provisionen für das Portal
2. Sparen?
renele1 04.06.2014
Einfach im gewünschten Hotels anrufen und 30% unter den Portalen bezahlen!
3. Immerhin ...
hasimen 04.06.2014
Immerhin gibt es diese Möglichkeit zum "Preisvergleich". In dem Artikel wird richtig dargestellt die Abhängigkeit in der sich manche Unterkunft begibt, richtig aber auch, dass manche Kunden auf dergleichen HOTEL-Brooker angewiesen sind. Es macht einen Unterschied ob man alle drei Jahre mal ein Hotel braucht oder ob man z.B. beruflich bedingt regelmäßig auf eine fremde Unterkunft angewiesen ist. Da kommen dann diverse Hotel-Angebots-Portale ins Spiel und machen - zumindest für den Suchenden - einen sinnvollen Mehrwert aus. Ich bin ständig in der Situation auswärts übernachten zu müssen und benutze diese Brooker oft. Darüber hinaus - es ist ja jedem Hotel freigestellt sich derer Anbieter anzubiedern, ebenso wie sie dann auch nur mit Kunden rechnen die Zeit genug haben sich ihre Hotels aus den "Gelben Seiten" aus zu suchen, halt alle drei Jahre mal. Warum sollte die Gesetzmäßigkeit des Marktes für (FDP-) Hoteliers nicht gelten ? Meine Firma muss auch über die neuen Vertriebskanäle präsent sein und ebenso handeln und Rabatte einräumen. Also - lieber verkauft als "leerstehen" ... oder ?
4. So ist es
kraftmeier2000 04.06.2014
Zitat von sysophrs.deHotelportale sind in kürzester Zeit zu Giganten im Web geworden. Sie begannen als Partner der Hotels - jetzt verbindet die einstigen Verbündeten bestenfalls noch eine Hass-Liebe. Die Kunden freut's. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/hotelbuchungsportale-versus-hotels-kampf-um-den-bestpreis-a-968510.html
wenn man das Netz nutzen möchte um eine höhere Auslastung hin zu bekommen, wie wäre es wenn die Hotels selber diese Vermarktung machen würde, und das zu Preisen die eben diese Plattformen teilweise bieten. Habe es aber auch schon erlebt das eine direkte Buchung eines Hotels günstiger kam als über die diversen Portale von wegen "Bestpreisgarantie". Die größte Unverschämtheit ist für mich bei einigen Portalen, das z. B. die Kreditkarte gleich mit der Buchung belastet wird, auch wenn der Termin mehr als 6 Monate in der Zukunft liegt, das empfinde ich gelinde gesagt ist eine Frechheit.
5. Stornierung
fiutare 04.06.2014
Ich buche fast nur noch bei einem der bekannten Portalen und grundsätzlich nur dort, wo ich bis am Anreisetag 18:00 Uhr stornieren kann. Das kann man bei Direktbuchungen meist nicht. Und dafür bezahle ich lieber ein paar Euro mehr. Mir geht es nicht in allererster Linie um den Preis, sondern um Flexibilität.
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