Hubschrauber-Höhenrekord "Wird es bald einen Lift zum Everest geben?"

Ein Eurocopter hat das bisher Unmögliche geschafft: eine Landung auf dem 8848 Meter hohen Gipfel des Mount Everest. Der Höhenrekord stößt auf heftige Kritik bei Bergsteigern, die die weitere Kommerzialisierung des höchsten Berges der Welt fürchten.


 Ecureil vor der Everest-Landung: "Als wäre sie von der Magie des Ortes getragen worden"
AP

Ecureil vor der Everest-Landung: "Als wäre sie von der Magie des Ortes getragen worden"

Paris - Dem französischen Testpiloten Didier Delsalle, 48, erschien der Flug auf den höchsten Gipfel der Welt magisch: "Diesen legendären Gipfel zu erreichen, schien mir ein unerfüllbarer Traum", erklärte er. "Trotz der offensichtlichen Schwierigkeiten, dieses Ziel zu erreichen, hat die Maschine sich als geeignet erwiesen, als wäre sie von der Magie des Ortes getragen worden."

Delsalles Maschine ist ein Hubschrauber des Typs Ecureil/AStar AS350 B3 von Eurocopter, einer Tochter des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS. Delsalle war bereits am 14. Mai vom Basislager Lukla in 2866 Meter Höhe gestartet und hatte den Hubschrauber erfolgreich auf dem Himalaja-Gipfel aufgesetzt, wo er sich drei Minuten und 15 Sekunden gehalten habe. Am 15. Mai sei der Rekordflug wiederholt worden, teilte der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS am Mittwochabend in Paris mit.

Während der Testflüge vor dem Rekordflug war Delsalle von der nepalesischen Regierung zu Rettungseinsätzen angefordert worden. So holte er Bergsteiger in Not aus dem höchsten Massiv der Welt. Bisher war es wegen des niedrigen Luftdrucks Hubschraubern nicht möglich, in diese extremen Höhen zu fliegen.

Delsalle hatte zuvor mit der Ecureuil in Frankreich 20 Jahre alte Geschwindigkeitsrekorde für Flüge in 3000, 6000 und 9000 Meter Höhe gebrochen. Der bisherige Höhen-Landesrekord am Himalaja von 7670 Metern war 2004 mit einer extra mit stärkerem Motor versehenen Cheetah aufgestellt worden. Der Ecureuil von Eurocopterdagegen ist ein Mehrzweck-Serienhubschrauber.

Blick von der Ecureil: Der Hubschrauber schwebt über dem Gipfel vom Mount Everest
AFP

Blick von der Ecureil: Der Hubschrauber schwebt über dem Gipfel vom Mount Everest

Während Eurocopter-Sprecher Jean-Louis Espes den Erfolg feiert: "Wir wollten die Leistungsfähigkeit unserer Maschinen in großen Höhen beweisen. Unsere US-Konkurrenten von Bell haben ebenfalls versucht, auf dem Everest-Gipfel zu landen, aber sie haben es nicht geschafft", stößt der Rekordflug bei Bergsteigern auf heftige Kritik: Damit sei ein Anreiz geliefert worden, "aus dem Bergsteigen eine Sightseeing-Tour für Millionäre zu machen", sagte Extrembergsteiger Hans Kammerlander der Tageszeitung "Die Welt".

"Die Entscheidungsträger bei Eurocopter hätten sich ein anderes Ziel suchen sollen", sagte der Südtiroler Höhenbergsteiger, der 13 der 14 Achttausender bestiegen hat, darunter 1996 den Mount Everest. Er frage sich, was als Nächstes passiere. "Wird es einen Lift nach oben geben?"



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