Tierischer Service Luxushotels kommen auf den Hund

Darf's ein "Beagle Burger" für Bello oder ein Fellmantel für Fiffi sein? In der Top-Hotellerie hat sich die einst ungastliche Einstellung Hunden gegenüber gewandelt - sofern Herrchen bezahlt, ist heute alles möglich.

Von Helge Sobik

Hotel The Alpina Gstaad

Das Zimmermädchen im Luxushotel Le Mas d' Artigny nahe der Côte d'Azur staunte nicht schlecht, als es einen ausgewachsenen Seelöwen im privaten Pool einer Suite seine Runden drehen sah. Das Tier war offensichtlich bester Laune und genoss die Fünf-Sterne-Annehmlichkeiten.

Seines extravaganten Haustiers wegen hatte der Gast auf einem Zimmer mit privatem Pool bestanden und es vorbehaltlos bekommen. Ein Seelöwe im Hotel - da liegt es nahe, dass mitreisende Hunde - und seien sie in ihren Bedürfnissen noch so extravagant - in dem französischen Fünf-Sterne-Haus niemanden mehr erschütten können. Und in vielen anderen Luxushotels auch nicht.

Rund um den Globus haben die Hoteliers den betuchten Gast mit Haustier entdeckt und lesen beiden - Mensch wie vierbeinigem oder im Zweifel gar mehrflossigem Begleiter - jeden Wunsch von den Lippen ab. Und das führt zum Teil zu reichlich dekadenten Auswüchsen.

In vielen Häusern der Luxushotelkette Fairmont gibt es bereits spezielle Room-Service-Menüs für Vierbeiner. Besonders kreativ klingt die "Pet Menu"-Speisekarte des Peninsula Hotels in Chicago: Serviert wird "Spaniel Spinach Salad" mit Körner-Topping und Streifen vom getrockneten Rinderfilet, "Chihuahua Chicken and Rice" oder der "Beagle Burger" mit Käse (jeweils zehn Dollar).

Rollrasen für das Gassigehen

Auch europäische Hunde-Speisekarten haben einiges zu bieten. Im Althoff Seehotel Überfahrt in Rottach-Egern kann Herrchen zwischen den drei aufwendig inszenierten Menüs "Idefix" (Pute), "Rex" (Rindertafelspitz) oder "Balto" (Rinderfiletspitzen) wählen, die auf Wunsch im Zimmer serviert werden. Jedes Menü in den Varianten klein, mittel und groß für zwischen fünf und 28 Euro. Der Dog Room Service ist sogar über die eigene Durchwahl 2966 erreichbar.

Selbst wenn kein Heimtiermenü explizit angeboten wird, ist man in Spitzenhotels meist flexibel - wie das Badrutt's Palace im schweizerischen St. Moritz. Dort bekam der Hund eines Langzeitgastes täglich ein wechselndes Menü aus der Palace-Küche ans Körbchen serviert.

Und nicht nur das: Wauwi war es gewohnt, sein Geschäft auf Rasen zu verrichten, und hatte offenbar emotionale Hürden zu überwinden, im Schnee entsprechend aktiv zu werden. Das Housekeeping-Personal verlegte daraufhin im Bad des Gastes Rollrasen, der regelmäßig gewechselt wurde.

Wenn Herrchen bezahlt, arrangieren die Concierges vieler Luxushotels auch Hausbesuche im Hundefrisiersalon, Krallenmaniküre oder Spaziergänge mit dem Hotelpersonal.

Auch im Alpina im schweizerischen Gstaad hat man sich auf die Zielgruppe eingestellt: Für vierbeinige Gäste stehen nicht nur Fressnäpfe aus englischem Porzellan und mit Fell ausgekleidete Hundekörbe bereit - auf Wunsch können Hunde sich auch die passende Garderobe ausleihen: Hundemäntelchen mit Fellkapuze, versehen mit dem Schriftzug "The Alpina. The place to be". In den Genuss der Ausstattung kommen vermutlich nur Vierbeiner aus Oberklassehaushalten: Das Doppelzimmer kostet Hundehalter ab 850 Franken pro Nacht. Das sind rund 687 Euro.

Hundekeks als Betthupferl

Im The Mark in New York gibt es unterdessen eine Serie eigens für das Hotel entworfener Fress- beziehungsweise Wassernäpfe und das passende Designer-Hundebett. Die Luxus-Ferienwohnungsanlage Berggrün in Oberstdorf hält neben Leihleinen und -halsbändern auch mit Hundemotiven bedrucktes Toilettenpapier vor. Das ist mittlerweile so beliebt, das manch Hundehalter unter den Gästen nicht mehr ohne sein mag, es für zu Hause bestellt und sich nachschicken lässt.

Im Kloster Hornbach bei Zweibrücken geht der Service so weit, dass den Vierbeinern unter den Gästen allabendlich ein Hundekeks als Betthupferl aufs schicke Körbchen gelegt wird: "Wir haben selbst eine Boxer-Hündin und wissen, worauf es beim Reisen mit Hund ankommt", sagt Christiane Lösch, die Besitzerin des Hotels.

Im Zürcher Hotel Widder unterdessen werden Vierbeiner jetzt sogar mit einer eigenen Widder-Hundemarke ausgestattet, falls sie alleine auf Wanderschaft gehen und auf dem Heimweg Hilfe brauchen sollten. Ebenso verfährt das Hyatt Regency im kalifornischen Monterey - zusätzlich gibt es dort ein Tütchen Begrüßungsleckerlis.

Und weil man immer für alles gewappnet sein muss, haben viele Hotels inzwischen Vertragstierärtze aus der Umgebung, die im Fall der Fälle auf Zuruf bereitstehen. Die Concierges, bisher vor allem darauf spezialisiert, Hotelgästen Theater- oder Konzertkarten selbst dann noch zu organisieren, wenn Veranstaltungen bereits offiziell ausverkauft waren, haben ein zusätzliches Betätigungsfeld bekommen.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 43 Beiträge
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Seite 1
Susi Sorglos 16.06.2014
1. Ja ja
Was Wunder: Wo jetzt im Anti-Tabak-Wahn die zahlenden Raucher wegbleiben muss eben die Kohle anders verdient werden. Dann wird nur noch vegan gekocht und die wegbleibenden Kunden werden mit werweisswas geködert ?
colonnello_sentenza 16.06.2014
2. Totale Dekadenz
Ich möchte keinem Tier das Existenzrecht absprechen. Aber ich bekomme das Kotzen, wenn ich daran denke wieviele Menschen (insbesondere Kinder) nicht wissen ob sie morgen überhaupt noch was zu essen bekommen während diese nutzlosen Flohbeutel leben wie im Paradies. Man bekommt glatt den Eindruck, dass den Menschen in manchen Regionen der Welt Hunde und Katzen anstelle von Kindern geboren werden
uschi53 16.06.2014
3. Nicht nur Luxushotels
Hotels, in denen Hunde willkommen sind, und nicht nur geduldet, gibt es auch in bezahlbarer Ausführung. Ein besonders nettes, menschen- und hundefreundliches Hotel ist Mair am Ort im Dorf Tirol in Südtirol. Jedem, der einen enspannten Urlaub mit seinem Hund oder auch seinen Hunden verbringen will, kann ich das nur empfehlen. Nein, ich bin nicht Inhaber, bekomme auch keine Provision, sondern nur Hotelgast, der aber wirklich sehr zufrieden war. Ich finde die Idee einfach klasse. Wo sonst können Hundehalter, die ihr Tier nicht während ihres Urlaubs in einer Tierpension unterbringen wollen, so entspannt Urlaub machen?
hman2 16.06.2014
4. Darf's ein "Beagle Burger" für Bello oder ein Fellmantel für Fiffi sein?
Au weia. Und ich dachte immer, Hunde hätten bereits von Natur aus ein Fell - wie man sich doch täuschen kann... Wie tief ist der Wolf nur gesunken...
nane123 16.06.2014
5.
Zunächst: Hunde sind garantiert nicht nutzlos. Wer seinen Hunden aber Krallenmaniküre & Co. bestellt, sollte sich meiner Meinung nach aber einer eingehenden Untersuchung unterziehen. Man tut seinem Tier damit wirklich keinen Gefallen. ;) Als kleiner Gegenvorschlag: wie wäre es Hunde wie Hunde und nicht wie Ersatzkinder zu behandeln und mit dem eingesparten Geld Leute glücklich zu machen, die es wirklich zu schätzen wissen?
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