ICE-Panne im Tunnel: "Klimaanlage fiel aus, Toiletten defekt"

Jetzt soll alles besser werden: Oberleitungsreparatur am Niedernhausener Tunnel Zur Großansicht
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Jetzt soll alles besser werden: Oberleitungsreparatur am Niedernhausener Tunnel

Dunkel, miefig und ohne funktionierende Toiletten: Vier Stunden lang mussten rund 400 Fahrgäste in einem liegengebliebenden ICE ausharren - mitten in der Nacht und in einem Tunnel. Passagiere berichten von der Endlosfahrt nach den Feiertagen.

Den Ausklang der Osterfeiertage hatten sich die Zugpassagiere ab Frankfurt wohl anders erhofft: Zehn Minuten nachdem auch viele internationale Besucher am Flughafen-Bahnhof eingestiegen waren, blieb der ICE 528 stehen. Im Niedernhausener Tunnel bei Idstein - die Ursache war zunächst unklar. "Der Zug war voll, alle Sitzplätze belegt", sagt Uta Böhme, die einen Nachtzug ab Düsseldorf erreichen wollte. Rund 400 Fahrgäste traf die Panne, die eine Weiterfahrt erst nach Mitternacht möglich machte.

Der ICE auf der Fahrt nach Köln kam gegen 20.45 Uhr am Nordportal des Tunnels zum Stehen, teilte die Pressestelle der Deutschen Bahn für Hessen mit. Ein Stromabnehmer am ICE und die Fahrleitung waren beschädigt, Teile der Oberleitung lagen auf dem Zug. Wie die Passagierin Katrina Reichert per Twitter schrieb: "Ich saß direkt drunter. Handtellergroße flammende Fetzen und so. Hatte was Episches."

"Die Klimaanlage fiel aus, es wurde warm", sagt Böhme SPIEGEL ONLINE, "für rund zehn Minuten gab es auch kein Licht." Obwohl es mit Hilfe der Notaggregate bald wieder hell war, wurden nicht funktionierende Toiletten später ein Problem: Da sie überliefen, mussten alle WCs im ICE gesperrt werden. Denn insgesamt verharrte der Zug fast vier Stunden lang in der dunklen Röhre.

Die Luft sei sowieso schlecht gewesen, erzählt die Reisende, und Raucher hätten sie weiter verpestet. Uta Böhme ist Ärztin und wurde während der Wartezeit einmal ausgerufen. "Es handelte sich aber nur um eine Art Unsicherheit", sagt sie, "keine Angstattacke." Die Zugfahrerin lobt das Bahnpersonal: Die Information per Durchsagen sei gut gewesen, auch seien Getränke verteilt worden. Die Fahrgäste waren laut Böhme zwar wegen verpasster Anschlüsse frustriert, die Stimmung war aber ruhig.

"Alle durch eine Tür"

Allgemeines Unverständnis hätte über die Länge des Aufenthalts geherrscht. "Wieso konnte man nicht früher einen Ersatzzug bereitstellen?", fragt sie sich, das hätte auch an einem Feiertag möglich sein sollen. Erst Stunden nach dem Stehenbleiben hätte sie Techniker mit Taschenlampen auf der Strecke gesehen. Dann habe ein ICE auf dem Nachbargleis gehalten, und die rund 400 Passagiere mussten über eine Brücke in den Ersatzzug gehen. "Evak beginnt", twitterte Katrina Reichert: "Durch EINE Tür. Alle sollen am Platz warten & einzeln abgeholt werden."

Laut der Pressemitteilung der Bahn hatte der Lokführer ein Spezialfahrzeug für die Reparatur der Oberleitung bereits eine Viertelstunde nach der Panne angefordert. Fahrzeug und Techniker trafen eine Stunde und 40 Minuten später ein, bis 23.45 Uhr seien die Voraussetzungen für eine Evakuierung des defekten ICE geschaffen worden. Der Umstieg in den zweiteiligen Ersatzzug habe von 0.30 bis 1.15 Uhr gedauert. Die Reise nach Köln konnten die Fahrgäste gegen 1.16 Uhr fortsetzen.

Kritik kam am Dienstag nicht nur von betroffenen Zugfahrern. Auch der Fahrgastverband Pro Bahn kritisierte das Management der Bahn als "peinlich". Den Passagieren hätte schneller geholfen werden müssen, sagte der Ehrenvorsitzende des Verbands, Karl-Peter Naumann, der dpa. Die Strecke Frankfurt-Köln sei nicht abgelegen, und der betroffene Tunnel wäre von Frankfurt aus in einer halben Stunde zu erreichen gewesen.

Die Ursache der Panne wurde später gefunden: Bei den Reparaturarbeiten entdeckten die Techniker einen toten Vogel im Gleisbett. Er sei offenbar gegen den Stromabnehmer des ICE geprallt und habe den Kurzschluss verursacht, teilte die Bahn mit. Der liegengebliebene Zug musste abgeschleppt werden. Die betroffene Strecke kann zurzeit nur eingleisig befahren werden, was zu Verspätungen von circa zehn Minuten zwischen Köln und Frankfurt führt. Die Reparaturen sollten noch bis etwa 14 Uhr andauern.

Zuletzt waren in der Schweiz Bahnfahrer in einem Tunnel stecken geblieben. Rund 200 Passagiere mussten im Oktober 2011 eine Stunde lang im 34,6 Kilometer langen Lötschberg-Basistunnel ausharren. Dann konnten Feuerwehrleute sie durch einen Verbindungsstollen in einen Ersatzzug lotsen. Ihr Zug hatte Bremsprobleme. Im Oktober 2010 saßen rund 600 Reisende im Neuberg-Tunnel bei Würzburg fast vier Stunden fest. Der ICE von Hamburg nach München hatte eine Notbremsung gemacht, weil sich ein Mann auf die Gleise geworfen hatte.

abl

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insgesamt 180 Beiträge
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1. Immer noch das beste Verkehrsmittel!
Beobachter123 02.04.2013
Ich möchte garnicht wissen wieviele Autos an diesem Wochenende liegengeblieben und im Stau stecken geblieben sind. Von Unfällen mit Personenschaden ganz zu schweigen....
2. Raucher
spiegel_vorhalter 02.04.2013
"Die Luft sei sowieso schlecht gewesen, erzählt die Reisende, und Raucher hätten sie weiter verpestet." Leider kostet das unerlaubte Rauchen deutlich weniger als das Schwarzfahren. Meist wird vom Personal dasrüber hinweg gesehen. Darum vermeide ich am Wochenende und zu bestimmten Zeiten (Oktoberfest) das Fahren in Regionalzügen (IC, ICE sind mir zu teuer) der DB.
3. ...
allemalherhörn 02.04.2013
Die bahn ist einfach ein saftladen. kann man machen was mal will. bin froh, wenn ich bald nicht mehr drauf angewiesen bin. netterweise ist sie manchmal aber so schlecht, dass man wieder davon profitiert: gestern abend war natürlich der automat mal wieder kaputt, schalter hatte schon zu. hatte schon angst, dass ich im zug dann wieder mal netterweise 2euro servicegebühr bezahlen soll. glücklicherweise kam dann kein schaffner, so dass ich die ganze strecke kostenlos fahren durfte :D bamm, habt ihr nicht anders verdient!
4. apokalyptisch
delponte 02.04.2013
Gab es Überlebende?
5. kann passieren
-5m 02.04.2013
...aber dass dann bei sowieso schon schlechter Luft noch manche denken rauchen zu müssen ist echt armselig und asozial..
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