ICE-Panne Zehntausende von Zugstreichungen betroffen

Gestrichene Verbindungen, verspätete Züge: Zehntausende Bahnkunden haben den Ausfall von mehr als 60 ICE-Zügen zu spüren bekommen, steckten lange Wartezeiten jedoch routiniert weg. Auch am Wochenende rechnet die Bahn mit Behinderungen.


Berlin - Geduldsprobe für deutsche Bahnkunden: Weil fast alle Züge der ICE-3-Serie zur Überprüfung in die Werkstatt müssen, wurden am heutigen Freitag rund 80 Verbindungen in Deutschland gestrichen. Bis Montag sollen laut Bahn-Vorstand Karl-Friedrich Rausch alle Züge wieder planmäßig fahren, am Wochenende gebe es aber noch auf einigen Strecken Ausfälle.

Fast schon routiniert haben die Fahrgäste den Ausfall weggesteckt. Als Vielfahrer sei man Kummer gewöhnt und als Fernreisender auf Verspätungen eingestellt - so oder ähnlich lauteten viele Kommentare auf Bahnsteigen, an Infoschaltern und in Wartebereichen. "Die meisten Gäste haben die Situation einfach akzeptiert. Empört waren nur ganz wenige", sagte etwa Bahnmitarbeiter Andreas Kreis am Bahnhof Frankfurt-Flughafen.

Einschränkungen habe es vor allem im Ruhrgebiet, Köln und Frankfurt am Main sowie bei der ICE-Verbindung Frankfurt-Paris gegeben, teilte die Bahn mit. Der "überwiegende Teil" der deutschen Fernverbindungen sei von den Zugausfällen aber nicht betroffen gewesen. Die Bahn setzte auf einigen Strecken Ersatzzüge ein, die allerdings den Fahrplan der schnelleren ICE-Züge nicht einhielten.

Zubegleiter droht mit Polizei

In einem Fall sah sich die Bahn sogar gezwungen, einen Teil der Passagiere eines völlig überfüllten Ersatzzuges nach Köln zum Aussteigen aufzufordern: Falls die Fahrgäste zum Frankfurter Flughafen nicht freiwillig die S-Bahn nähmen, werde die Bundespolizei eingreifen - so die verzweifelte Durchsage eines Zugbegleiters. Auf den Bahnsteigen verteilte ein Dutzend Servicekräfte derweil heißen Kaffee und kühles Mineralwasser als kleine Wiedergutmachung - die Fahrgäste nahmen es dankend an.

Hintergrund für den Wegfall von insgesamt 61 ICE-Zügen ist ein Unfall am Kölner Hauptbahnhof vor zwei Tagen. Eine defekte Radsatzwelle hatte einen ICE bei der Ausfahrt aus dem Kölner Hauptbahnhof aus den Gleisen springen lassen. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE gibt es Hinweise, dass Räder oder Achsen schon deutlich früher beschädigt gewesen sein sollen - und Warnungen von Fahrgästen ignoriert wurden.

Fahrgäste können Ticket tauschen

Die fehlende Einsatzfähigkeit traf die Bahn zu einem ungünstigen Zeitpunkt: In insgesamt neun Bundesländern sind zurzeit Schulferien, zudem hat in den Niederlanden die Feriensaison begonnen.

Fahrgäste können ihr Ticket kostenfrei umtauschen oder es sich erstatten lassen, sagte eine Sprecherin der Deutschen Bahn in Berlin. Fahrkarten mit Zugbindung wie Sparpreistickets werden für eine spätere oder frühere Reiseverbindung gültig geschrieben. Normalerweise müssen Reisende 15 Euro Bearbeitungsgebühr zahlen, wenn sie ihr Ticket am Reisetag zurückgegeben. "Reisende mit ICE-Fahrkarten, die aufgrund des geänderten Fahrplans lediglich IC- oder EC-Züge nutzen können, erhalten den Differenzbetrag erstattet."

Kunden können Informationen zu Fahrplanänderungen unter der kostenlosen Hotline 08000-996633 und im Internet abrufen.

reh/AP/dpa



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