ICE-Pannen Materialfehler soll für Achsrisse verantwortlich sein

Hersteller unter Druck: Das Kölner ICE-Unglück wurde laut Medienberichten durch einen Materialfehler in der Achse ausgelöst. Der Reinheitsgrad des Stahls soll nicht ausreichend hoch gewesen sein.


Berlin/Köln - Die Risse in den Achsen der ICE-Züge der Deutschen Bahn sind Medienberichten zufolge offenbar auf Materialfehler zurückzuführen. In der Achse des im Juli in Köln verunglückten ICE-Zuges habe es einen sogenannten Schwungriss gegeben, berichtet das ARD-Magazin "Monitor" unter Berufung auf ein "seit Wochen unter Verschluss gehaltenes Gutachten" der Bundesanstalt für Materialforschung (BAM). Der Riss sei wegen der langen Intervalle zwischen Überprüfungen "nicht rechtzeitig erkannt" worden. Vor dem Unfall hatte die Bahn alle 300.000 Kilometer Überprüfungen durchgeführt, obwohl der Hersteller lediglich Intervalle von 480.000 Kilometern empfohlen hatte.

Achsbereich eines ICE-Zuges: "Reinheitsgrad bruchnah nicht in Ordnung"
AP

Achsbereich eines ICE-Zuges: "Reinheitsgrad bruchnah nicht in Ordnung"

Der Onlinedienst "Bild.de" zitiert aus derselben Quelle, dass "Einschlüsse unzulässiger Größe" im Stahl der Achse gefunden worden seien. Als Quelle wird dazu die "Schadensanalyse Radsatzwelle ICE 3" vom 22. September für die Staatsanwaltschaft Köln genannt. Die Prüfer kämen zu dem Schluss, dass die "Anforderungen an den Reinheitsgrad" des Stahls in der Nähe der Bruchflächen "nicht erfüllt" seien. "Reinheitsgrad bruchnah nicht in Ordnung", heißt es laut "bild.de" in dem Bericht.

Die Bundesanstalt in Berlin wollte das Untersuchungsergebnis nicht bestätigen. "Wir haben noch keinen abschließenden Bericht", sagte eine Sprecherin der BAM. Dieser sei frühestens Weihnachten zu erwarten, da neben dem Kölner Radsatz noch ein weiterer Vergleichsradsatz untersucht werden müsse.

Auch die Kölner Staatsanwaltschaft wollte den Bericht nicht bestätigen. Man werde sich erst äußern, wenn der endgültige Prüfbericht vorliege, sagte ein Sprecher. Eine Bahnsprecherin konnte die Medienberichte zunächst nicht kommentieren.

Industrienorm nicht ausreichend?

Unterdessen berichtet das ZDF-Magazin "Frontal 21" in der Sendung am Dienstag, dass ein Teil der ICE-Flotte der Deutschen Bahn nach Expertenmeinung auf Basis technisch unzureichender Industrienormen fährt. Grundlage für Konstruktion und Bau von Radsätzen und Drehgestellen von Hochgeschwindigkeitszügen sei die europäische Norm EN13103. Gegen diese habe das Deutsche Institut für Normung (DIN) allerdings bereits im Juni 2003 Einspruch eingelegt und Verbesserungen gefordert.

Der für den Personenverkehr zuständige Bahnvorstand Karl-Friedrich Rausch hatte bereits im Oktober erklärt, dass die Schäden an den Achsen vorbehaltlich eines endgültigen Berichts "wahrscheinlich" auf Materialfehler zurückzuführen seien. Die Hersteller hatten auf entsprechende Vorwürfe mit der Mitteilung reagiert, dass sie gemäß den herrschenden Normen produziert hätten.

sto/dpa/ddp/AP



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