ICE-Strecke München-Berlin Bahn kämpft mit Problemen am neuen Sicherheitssystem

Die neue Prestigeverbindung der Deutschen Bahn kommt nur stotternd in Fahrt: Auf der Strecke macht unter anderem ein gerade eingeführtes europäisches Sicherheitssystem Probleme.

Roter Teppich in Berlin zur Eröffnung der Schnellfahrstrecke München-Berlin (Freitag)
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Roter Teppich in Berlin zur Eröffnung der Schnellfahrstrecke München-Berlin (Freitag)


Fahrplanwechsel, Wintereinbruch und eine neu eröffnete Strecke mit Kinderkrankheiten: Seit dem Wochenende läuft es nicht rund bei der Deutschen Bahn. Mit viel Politikprominenz war am Freitag die anstehende Eröffnung der Schnellfahrstrecke zwischen Berlin und München gefeiert worden. Doch schon auf dem Rückweg nach München fuhr ein ICE mit rund 200 Ehrengästen und Journalisten an Bord aufgrund diverser Pannen mehr als zwei Stunden Verspätung ein.

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ICE-Neubaustrecke: In vier Stunden von München nach Berlin

Auch am Sonntag, dem ersten regulären Betriebstag der sogenannten VDE8-Strecke und dem Tag des Fahrplanwechsels, sowie am Montag und Dienstag kamen Highspeed-Züge zu spät ans Ziel - oder fielen komplett aus. Sechs Stunden lang mussten die Gleise bei Ingolstadt gesperrt werden: Grund sei ein Personenunfall gewesen, teilte die Deutsche Bahn mit.

Allerdings gibt es auch grundsätzliche technische Probleme: Das auf der Strecke neu eingeführte digitale Zugsteuerungssystems ETCS (European Train Control System) sorgt bei einzelnen Fahrzeugen für Störungen. Die Bahn "arbeitet hier aktuell gemeinsam mit dem Zulieferer Alstom daran, die Ursachen zu ermitteln und schnellstmöglich zu beheben", teilte das Unternehmen mit. Weitere Informationen will die Bahn erst am Nachmittag bekannt geben.

Deutsche Bahn

Das ETCS in Zügen und an Strecken wird nach und nach in Europa etabliert, um mehr als 20 verschiedene Zugsteuerungssysteme zu vereinheitlichen. Die Technik soll für mehr Sicherheit sorgen und Zugführern in Echtzeit wichtige Informationen übermitteln. Die Leit- und Sicherungstechnik arbeitet elektronisch und per Funk, es gibt keine Streckensignale mehr.

Im August hatte die Bahn auf der VDE8-Neubaustrecke den Probebetrieb aufgenommen. Seitdem werden die Züge dort mit ETCS geleitet. Ab September wurden die Lokführer der ICE-3-Züge auf der Strecke geschult. Im November dann mussten an allen Neubau- und Nebenstrecken Computerprogramme für das ETCS aktualisiert werden. Dafür wurde auch die seit Ende 2015 genutzte Teilstrecke von Erfurt nach Leipzig beziehungsweise Halle für zehn Tage gesperrt.

Kritik an dem Umgang mit den Störungen an der Neubaustrecke kommt vom Fahrgastverband Pro Bahn. Was da "abgeliefert wird, ist absolut unbefriedigend", sagte der Ehrenvorsitzende Karl-Peter Naumann im Bayerischen Rundfunk. Er beklagte, dass die Bahn neben technischen Problemen nicht genügend Personal habe, das im Störungsfall eingreifen und informieren könne.

Es nütze nichts, "wenn jemand, der gleichzeitig im Stellwerk mit der Organisation des Schienenverkehrs beschäftigt ist, auch noch die Information geben muss", sagte Naumann in der Sendung "radioWelt am Morgen". "Dafür hat er im Störungsfall gar keine Zeit."

Die neuen ICE-Züge kritisierte Naumann ebenfalls, sie seien zu sehr mit Elektronik vollgestopft und nicht alltagstauglich. Hier liefere die Industrie nicht das, was eigentlich gebraucht werde.

abl/dpa

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insgesamt 71 Beiträge
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Seite 1
Europa! 12.12.2017
1. Komisch
Alle schimpfen auf die Bahn. Warum die Züge und die Steuerungssysteme nicht funktionieren und wer das Zeug geliefert hat, will offenbar keiner verraten.
pr8kerl 12.12.2017
2. Die Schweiz zum Vergleich
Der neue Gotthard-Basistunnel wurde ein Jahr früher fertig als geplant. Im Testbetrieb wurden Hunderte Züge durch den Tunnel geschickt und das System getestet. Heute funktioniert es reibungslos. Die deutsche Hochgeschwindigkeitsstrecke Bamberg-Leipzig wurde 17 Jahre später fertig als geplant. Im Testbettrieb fuhren sicher auch ein Jahr lang Züge über die Strecke. Ein Jahr hatte die Bahn Zeit, alles aufeinander abzustimmen. Nichts klappt. Deutschland ist technisch auf das Niveau einer Bananenrepublik zurückgefallen. Züge fallen aus, ein Flughafen wird seit Jahren nicht fertig, eine Regierung lässt sich nicht bilden. Sicherheitssbehörden schlampen bei der Überprüfung von IS-Gefährdern. Deutsche Politiker haben das Land total kaputtgespart und jetzt zahlen die Bürger den Preis. Geiz ist eben doch nicht geil. In der Schweiz gibt man lieber mehr Geld aus und das Leben funktioniert. Ich habe ein Jahr lang sehr gern dort gelebt. Hier in Berlin wird nur noch der Mangel verwaltet.
robsen1 12.12.2017
3.
Zitat von Europa!Alle schimpfen auf die Bahn. Warum die Züge und die Steuerungssysteme nicht funktionieren und wer das Zeug geliefert hat, will offenbar keiner verraten.
Weil es grundsätzlich nicht entscheidend ist. Verantwortlich ist die Bahn und nicht der Zulieferer. Was natürlich vertragsrechtlich hinter den Kulissen zwischen Bahn und Zulieferer passiert ist wieder eine andere Geschichte. Aber die Bahn ist dasfür verantwortlich den Zulieferer auszuwählen, eine Absicherungsstartegie zu erstellen und das Ganze auch ordentlich abzunehmen.
Stäffelesrutscher 12.12.2017
4.
Zitat von Europa!Alle schimpfen auf die Bahn. Warum die Züge und die Steuerungssysteme nicht funktionieren und wer das Zeug geliefert hat, will offenbar keiner verraten.
Wer geliefert hat, steht im Artikel: Alstom. Man sollte aber fragen, warum die DB dieses System wollte und nicht mal eine Rückfallebene eingebaut hat, im Gegensatz zu anderen Strecken.
muekno 12.12.2017
5. Armes Deutschland, es geht den Bach runter, von Tag zu Tag schneller
Hat die Bahn das neue System nicht getestet, wie das eigentlich nötig wäre, oder werden die Tests von lowcost Praktikanten oder Analphabeten durchgeführt. Ich kann da #2 nur Recht geben. Noch ein 2 Jahre und wir können uns am Ende der Entwicklungsländer einreihen. die 12 Jahre Merkel fordern langsam ihren Preis.
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