Verbotsdebatte beendet Deutsche Bahn will weiter Alkohol servieren

In den Fernzügen der Deutschen Bahn darf weiter getrunken werden, das bestätigte der Konzern einer Zeitung. GDL-Chef Weselsky hatte ein generelles Verbot gefordert - zum Schutz der Mitarbeiter.

Bahnmitarbeiterin im Bordbistro (Archivbild)
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Bahnmitarbeiterin im Bordbistro (Archivbild)


Die Deutsche Bahn wird weiterhin Alkohol in den Bordrestaurants und Bistros von ICE- und Intercity-Zügen ausschenken. Das berichtet die "Wirtschaftswoche" unter Berufung auf das Management des Konzerns.

Zuvor hatte der Vorsitzende der Eisenbahnergewerkschaft GDL, Claus Weselsky, ein Alkoholverbot in Bordrestaurants ins Gespräch gebracht. Wir müssen den Alkoholausschank auf den Prüfstand stellen aus Fürsorgepflicht für unsere Mitarbeiter", sagte Weselsky Ende Februar der "Heilbronner Stimme". Die Bahn sei gefordert, entsprechende Sicherheitskonzepte auf den Weg zu bringen.

Hintergrund der Forderungen war eine GdL-Umfrage, an der sich rund 15 Prozent der 34.000 Mitglieder beteiligten. Von ihnen gaben mehr als 82 Prozent an, schon einmal bei der Ausübung ihres Berufs verbal beleidigt worden zu sein. Fast ein Viertel wurde demnach schon einmal körperlich angegriffen.

Das provoziere Eskalationen

Der GdL-Chef sprach sich daraufhin für ein generelles Verkaufsverbot für Alkohol in den Zügen aus. Seine Argumentation: Die Bordgastronomen könnten nicht von Fall zu Fall entscheiden, wem sie Alkohol verkaufen und wem nicht. Das provoziere Eskalationen. Dem will der Bahn-Konzern nicht folgen.

Das Thema Gewalt in Bordrestaurants spiele statistisch keine Rolle, zitiert die "Wirtschaftswoche" das Management. Daher bestünden auch keine Pläne, ein generelles Alkoholkonsumverbot in Fernverkehrszügen einzuführen. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hatte zudem bezweifelt, dass das Verbot in den Zügen der Deutschen Bahn durchzusetzen und zu kontrollieren sei.

Im Gegensatz zu den ICEs und ICs, in denen weiter getrunken werden darf, gelten für Regionalzüge schon heute unterschiedliche Regelungen. Während manche Anbieter Alkohol generell verbieten, erlauben andere den Konsum. Wer in Deutschland verreist, sollte deshalb aufpassen. In Hamburg etwa darf in Zügen der DB Regio und auf Fähren getrunken werden, in S-Bahnen, Bussen und U-Bahnen aber nicht.

irb/dpa

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sebastian.h.schmitz 12.03.2017
1. die Forderung ist Blödsinn
Ich bin seit ca. 12 Jahren täglicher Bahn Pendler. sowohl nah, als auch Fernverkehr. und ich bekomme zwar regelmäßig mit, dass bahnangestellte angepöbelt werden. mit Alkohol hat das allerdings eigentlich nie etwas zu tun. das ist dann meist eher die Familie, die zum ersten mal mit dem Zug verreist und die paar Euro fuffzig für die Sitzplatzreservierung sparen wollte und sich dann aufregt, dass sie sich nicht Aug den reservierten Platz eines anderen setzen dürfen. dann gibts natürlich noch die grölenden Fußballfans, aber die tun eigentlich auch niemandem was dir sind halt laut, das wären sie aber auch, wenn sie in den 2 Stunden im Zug nichts trinken dürften. und im bordbistro Schädels sich erst recht niemand weg mit Bier, dass 3,50 pro Glas kostet. ich glaube hier wird eine Baustelle bearbeitet wo keine ist. darüber hinaus würde die Bahn mit ein Alkoholverbot auch noch ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber dem auto verlieren...
jorgos 12.03.2017
2. Was für ein Unfug
Allein, dass nur 15% der 34.000 Mitglieder sich an dieser Befragung beteiligt haben, zeigt, dass es ein völlig irrelevantes Thema geht. Gerade mal 5.100 Reaktionen also. Davon wurden 82%, also genau 4.182 Mitarbeiter, wurden verbal beleidigt, und 25%, also 1.275 körperlich angegriffen. Bezogen auf alle befragten Gewerkschaftsmitglieder sind das 12,3% im ersten und 3,75% im zweiten Fall. Vermutlich haben sich vorzugsweise diejenigen an der Befragung beteiligt, die diese Negativerfahrung gemacht haben. Nennt man in der Statistik Störvariable. Aber schon sieht das Ergebnis anders aus. Zudem ist aus dem Artikel nicht ersichtlich, ob in all diesen Fällen Alkohol im Spiel war. Als Vielfahrer weiß ich, dass auch völlig nüchterne Menschen sehr sauer werden können, wenn aufgrund etwa von Verspätungen Anschlüsse nicht erreicht und Termine verpasst werden leider eher häufig als selten. Hier gibt es tatsächlich Handlungsbedarf. Aber wahrscheinlich wollte Weselski nur mal wieder in die Presse - hat er ja nun geschafft.
Attila2009 12.03.2017
3.
Warum denkt man das nicht bis zu Ende ? Ein Alkoholverbot in Zügen bringt nichts. Weil die Reisenden dann ihren eigenen Schnaps voher im Bahnhofshop kaufen.Wer saufen will findet einen Weg. Das Bordpersonal muss nur in schwersten Fällen entscheiden einen Ausschank zu verweigern. Man sollte eher darauf drängen dass in Zügen 2 Mann Sicherheitspersonal mitfährt, schon aus anderen Gründen als Alkoholiker rauszuwerfen. 2 Mann Bundespolizei oder Security in jedem Zug die auch sichtbar auftreten.Das diszipliniert auch Problembären. Aber die müßte man ja bezahlen.....
volker_morales 12.03.2017
4. Der Herr Wesselsky
sollte nicht von sich auf andere schließen. Nach meinem Empfinden sind auch die weitaus meisten Fahrgästen der DB in der Lage, das Ausmaß ihres sozialverträglichen Alkoholkonsums zu kontrollieren und zu steuern, vielleich abgesehen von Sonderfahrten für Fußballfans und Kegelfahrten an die Mosel. Aus diesen Sionderfällen jedoch ein allgemeines Alkoholverbot ableiten zu wollen, ist abwegig. Und wer regelmäßig säuft und anschließend ausrastet, der dürfte seinen Sprit anderweitig beziehen, nicht im Bordbistro der Bahn. Viel wichtiger wäre eine generelle Verbesserung der öffentliche Sicherheit in den Bahnhöfen und an Bord. Viele Menschen, insbesondere Ältere, fahren bereits deshalb nur noch im Notfall mit der Bahn, weil sie Angst vor Übergriffen haben.
jautaealis 12.03.2017
5. Ein falscher Anreiz und eine verantwortungslose Verharmlosung!
Nur ein absolutes Alkoholverbot nicht nur im öffentlichen Raum vermag uns Fahrgäste, aber auch das Bahnpersonal und die Trinker selber noch zu retten vor: von sich selbst entfremdeten Pöblern, Schlägern und Totschlägern, Komasäufern und echten Schnapsleichen, zerstörter körperlicher und seelischer Gesundheit, jährlichen Schäden für Wirtschaft und Gesundheitssystem in Milliardenhöhe... Da die Alkoholbranche allerdings zugleich einen horrenden ökonomischen Faktor darstellt, muss die Ausmerzung des Genusses sowie der Sucht nach dieser gefährlichsten aller Drogen freilich von einem umfassenden Konzept begleitet sein, wie sie ohne Arbeitslosigkeit und Steuerausfälle in andere Wirtschaftszweige übergeführt werden kann.......
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